Notion führt KI-Agenten ein, die mit Credits bezahlt werden
Nach dem Hype um OpenClaw scheint es so, als könnte letztendlich 2026 wirklich zum Jahr der KI-Agenten werden. Und das wirft auch die ganz große Frage auf: Wie werden diese KI-Agenten, die ganze Arbeitsabläufe automatisieren sollen, bezahlt? Schließlich sind ihre Kosten variabel – je nachdem, wie viele Token sie bei den KI-Modellen für die Berechnung der Aufgaben verbrauchen.
Das Produktivitäts-Tool Notion hat nun möglicherweise eine Antwort auf die große Frage des Pricing von KI-Agenten auf Lager: Denn Notion hat am Dienstag eine neue Kategorie von KI-Assistenten vorgestellt, die Arbeitsabläufe automatisch ausführen können. Die sogenannten Personalisierten Agenten sind ab sofort als öffentliche Beta-Version für Business- und Enterprise-Kunden verfügbar. Ab dem 4. Mai 2026 werden sie über ein neues Bezahlsystem mit Notion-Guthaben abgerechnet.
Automatisierte Workflows auf Basis von Zeitplänen und Auslösern
Die Personalisierten Agenten unterscheiden sich von herkömmlichen KI-Assistenten dadurch, dass sie eigenständig wiederkehrende Aufgaben erledigen. Nutzer beschreiben einen Workflow einmalig, legen einen Auslöser oder Zeitplan fest, und die Aufgabe wird anschließend automatisch ausgeführt. Die Agenten arbeiten dabei direkt in Notion und können über Integrationen auf externe Tools wie Slack, E-Mail und Kalender zugreifen.
Notion nennt drei Hauptanwendungsbereiche: Q&A-Agenten beantworten wiederkehrende Fragen mithilfe von vorhandenem Wissen aus Notion und verbundenen Tools. Routing-Agenten erfassen eingehende Aufgaben, priorisieren sie und leiten sie an die zuständigen Teams weiter. Reporting-Agenten sammeln Updates und erstellen automatisch wiederkehrende Berichte nach festgelegten Zeitplänen.
Kreditbasiertes Bezahlmodell ab Mai 2026
Während der zweimonatigen Beta-Phase bis zum 3. Mai 2026 können Business- und Enterprise-Kunden die Personalisierten Agenten kostenlos testen. Danach wird ein neues Bezahlsystem eingeführt, das auf Notion-Guthaben basiert.
Funktionsweise der Notion-Guthaben
Notion-Guthaben sind als Zusatzoption zu den bestehenden Business- und Enterprise-Plänen verfügbar. Die bisherigen Pro-Kopf-Preise bleiben unverändert. Alle anderen KI-Funktionen, darunter Notion Agent, KI-Meeting-Notizen und Enterprise Search, sind weiterhin ohne Zusatzkosten in den Business- und Enterprise-Plänen enthalten.
Der Guthabenverbrauch hängt von der Komplexität der Aufgabe ab. Einfache Aufgaben verbrauchen weniger Guthaben, während mehrstufige, komplexe Workflows mehr Guthaben benötigen. Die monatlichen Guthaben werden im gesamten Workspace geteilt und setzen sich jeden Monat zurück. Nicht genutzte Guthaben verfallen und werden nicht in den Folgemonat übertragen.
Transparenz und Kostenkontrolle
Notion bietet ein Echtzeit-Dashboard zur Überwachung der Guthabennutzung. Administratoren können damit den Verbrauch nachverfolgen und den zukünftigen Bedarf einschätzen. Teams erhalten proaktive Benachrichtigungen, sobald sie sich ihrem Limit nähern. Wenn das Guthaben aufgebraucht ist, pausieren die Personalisierten Agenten automatisch, bis neues Guthaben hinzugefügt wird oder sich die monatlichen Guthaben zurücksetzen. Dies soll unerwartete Kosten verhindern. Enterprise-Administratoren können zusätzlich festlegen, welche Nutzer Agenten erstellen, ausführen oder deaktivieren dürfen.

Kontrolle für Unternehmenskunden
Jeder Durchlauf eines Personalisierten Agenten wird protokolliert. Nutzer können nachvollziehen, wodurch ein Agent ausgelöst wurde und welche Aktionen er durchgeführt hat. Die Berechtigungen entsprechen denen von Notion-Seiten: Einzelpersonen bestimmen, worauf Agenten zugreifen und was sie bearbeiten dürfen. Sämtliche Änderungen, die ein Agent vornimmt, können vollständig rückgängig gemacht werden. Nach Angaben von Notion trainiert die KI nicht mit Kundendaten. Enterprise-Pläne bieten eine Null-Datenspeicherung.
Die Personalisierten Agenten wurden erstmals im Herbst 2025 auf der jährlichen Anwenderkonferenz Make With Notion vorgestellt. Unternehmen wie SumUp, Ramp, Lovable, Pigment und Pennylane nutzen die Funktion bereits in der Testphase.
„Mehr als drei Jahre nach Beginn des KI-Booms besteht noch immer eine Lücke zwischen Erwartung und Realität. Unsere Kunden brauchen KI-Tools, die komplette Workflows automatisieren: Informationen verknüpfen, Updates automatisieren und Arbeit im Hintergrund vorantreiben“, so Mick Hodgins, General Manager EMEA bei Notion, anlässlich der Einführung.

