Putins Longevity-Experimente mit Mini-Schweinen fressen 22 Mrd. Euro bis 2030
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Während Russland seinen Bürger:innen höhere Steuern und Kürzungen bei Gesundheit und Bildung verordnet, investiert der Kreml Milliarden in eine Vision, die nach Science-Fiction klingt: das Altern zu besiegen. Unter dem Namen „Neue Technologien zur Erhaltung der Gesundheit“ fließen bis 2030 rund 26 Milliarden Dollar (rund 22 Milliarden Euro) in Gentherapien, Organe aus dem 3D-Drucker und gentechnisch veränderte Minischweine, wie das Wall Street Journal berichtet. Das sind umgerechnet rund 2 Billionen Rubel. Offiziell soll das Programm bis zum Ende des Jahrzehnts 175.000 Leben retten.
Was das Programm finanziert
Das Programm ist zur nationalen Forschungspriorität erklärt worden und umfasst mehrere Schwerpunkte:
- Gentherapie: Behandlungen, die an der Alterung der Zellen ansetzen sollen.
- Bioprinting: Lebendes Gewebe aus dem 3D-Drucker, das langfristig ganze Organe ersetzen soll. Bis 2030 sind dafür konkrete Ziele gesetzt.
- Xenotransplantation: Menschliche Organe sollen in genetisch veränderten Minischweinen heranwachsen.
- Kryotherapie: Behandlungen in Kältekammern bei extrem niedrigen Temperaturen.
Ein stellvertretender Wissenschaftsminister, Denis Sekirinsky, bezeichnete die Gentherapie als einen der vielversprechendsten Ansätze im Kampf gegen das Altern. Fachleute sind skeptisch: Internationale Fachpublikationen aus dem Programm gibt es kaum. „Wenn es keine Publikationen gibt, dann gibt es keine echten Ergebnisse, und ihre Aussagen sollte man wohl eher als Wünsche betrachten, um nicht zu sagen als Träume“, zitiert das Wall Street Journal den russischen Wissenschaftler Alexander Ostrovskiy.
Putins Vertraute an den Schalthebeln
Bemerkenswert ist, wer das Programm vorantreibt. Putins Tochter Maria Worontsowa, eine Endokrinologin, beaufsichtigt staatliche Genetik-Programme. Als intellektueller Architekt gilt der Physiker Michail Kowaltschuk, Chef des renommierten Kurtschatow-Instituts. Er ist der Bruder von Juri Kowaltschuk, einem der engsten Vertrauten Putins, der wegen seiner Nähe zum Kreml auf westlichen Sanktionslisten steht. Lange prägte auch der 2024 verstorbene Gerontologe Wladimir Chawinson die Debatte, der mit Peptid-Therapien gegen das Altern warb und Lebensspannen von 120 Jahren für möglich hielt.
Wie sehr sich der Kremlchef selbst für das Thema interessiert, zeigte sich schon 2018. Bei einem Treffen mit dem damaligen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz zeigte sich Putin offen für Kryotherapie in Kältekammern, wie das Wall Street Journal berichtet.
„Mit 70 ist man noch ein Kind“
Weltweit bekannt wurde Putins Faible für ein langes Leben durch einen Mitschnitt aus Peking. Bei der großen Militärparade im September des Vorjahres liefen Putin, Chinas Staatschef Xi Jinping und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un gemeinsam zur Tribüne am Tiananmen-Platz. Ein offenes Mikrofon des chinesischen Staatssenders CCTV fing dabei ein Gespräch über Unsterblichkeit ein.
„Früher wurden die Menschen selten älter als 70, heute ist man mit 70 noch ein Kind“, sagte Xi über seinen Dolmetscher. Putins Dolmetscher übersetzte daraufhin: „Die Biotechnologie entwickelt sich ständig weiter. Menschliche Organe können immer wieder transplantiert werden. Je länger man lebt, desto jünger wird man, und man kann sogar Unsterblichkeit erreichen.“ Xi antwortete: „Manche sagen voraus, dass Menschen in diesem Jahrhundert 150 Jahre alt werden könnten.“
Rekordausgaben für den Krieg
Der Kontrast zur Lage im Land könnte kaum größer sein. Für 2027 plant die Regierung Militärausgaben in Rekordhöhe von 17,1 Billionen Rubel, nach 12,1 Billionen im laufenden Jahr, wie Reuters berichtet. Allein das Verteidigungsbudget eines Jahres ist damit mehr als achtmal so groß wie das gesamte Anti-Aging-Programm bis 2030.
Bezahlen soll das vor allem die Bevölkerung. Gekürzt wird bei Sozialleistungen um 7 Prozent, bei Bildung um 6 Prozent und im Gesundheitswesen um 6,8 Prozent. Gleichzeitig steigen die Steuern weiter. Bereits heuer wurde die Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent angehoben, für 2027 plant das Finanzministerium weitere Erhöhungen, wie The Moscow Times berichtet:
- Kapitalerträge: Zinsen, Dividenden und Gewinne aus Immobilien und Wertpapieren sollen progressiv mit 13 bis 22 Prozent besteuert werden. Betroffen wären rund vier Millionen Russ:innen mit hohem Einkommen, Militärangehörige sind ausgenommen.
- Onlinehandel: Auf Einkäufe aus dem Ausland sollen 22 Prozent Mehrwertsteuer und eine Zollgebühr von 100 Rubel pro Paket fällig werden.
- Rohstoffe: Bergbau- und Metallkonzerne sollen 30 Prozent Steuer auf Übergewinne zahlen.
Trotzdem bleibt ein Loch im Budget. Das Defizit für das laufende Jahr dürfte rund 3 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen, fast doppelt so viel wie geplant. Auch die Kosten für Zinsen auf Staatsschulden steigen deutlich. Während der Kreml also Milliarden in die Hoffnung auf ein längeres Leben steckt, werden die Russ:innen selbst für einen Krieg zur Kasse gebeten, der bereits Hunderttausende Tote und Verwundete gefordert hat.

