Wiener Startup reebuild holt 3 Millionen Euro für KI gegen den Papierkram am Bau
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Auf der Baustelle wird mit Kränen und Baggern gearbeitet, im Büro dahinter oft noch mit Excel und Papierordnern: Genau dort setzt das Wiener Startup reebuild an und hat dafür jetzt eine Seed-Finanzierung über 3 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom europäischen VC Fortino Ventures, außerdem sind Rise PropTech und CuriosityVC mit dabei.
KI liest jede Rechnung zeilengenau
reebuild automatisiert das kaufmännische Backoffice von Bauunternehmen und Projektentwickler:innen, von der Rechnungsprüfung über das Kostenmanagement bis zur Materialverwaltung. Jedes eingehende Dokument, ob PDF, Foto, Scan oder E-Rechnung, liest die KI zeilengenau aus und gleicht es automatisch ab. Lieferscheine, Rechnungen und Auftragsbestätigungen werden zusammengeführt, Rechnungskorrekturen neu berechnet. Auf der Baustelle fotografieren Polier:innen den Lieferschein mit der App, der Rest passiert im System. KI-Agenten bereiten Freigaben vor und schlagen nächste Schritte vor, die Entscheidung bleibt aber bei den Menschen.
Die Plattform ist bereits gut ausgelastet:
- Rechnungsvolumen: mehr als 530 Millionen Euro
- Kund:innen: über 120 Unternehmen, darunter Pittel+Brausewetter, 3SI Immogroup, Rödl & Herdegen und die Kratzert Gruppe
- Einsatz: mehr als 8.200 Baustellen und Projekte
- Dokumente: über 345.000 verarbeitete Belege
Laut reebuild dauert die Bearbeitung einer Rechnung damit rund drei statt mehr als 20 Minuten, der Weg vom Eingang bis zur Freigabe schrumpft von fünf auf eineinhalb Tage. Kund:innen berichten außerdem von bis zu 20 Prozent niedrigeren Beschaffungskosten. Diese Zahlen stammen vom Unternehmen selbst und aus dessen Kundenfeedback. In einer Branche, in der die Margen meist im einstelligen Prozentbereich liegen, wäre das allerdings ein spürbarer Hebel.
Gründer:innen aus Baufamilien
„Die Software, mit der viele Bauunternehmen und Projektentwickler heute noch arbeiten, ist seit Jahrzehnten kaum weiterentwickelt worden und hat den Anschluss an die gestiegenen Ansprüche verpasst“, sagt Gründer und CEO Alexander Kornell. Er und Matteo Cimadom (CRO) kommen aus Familienbetrieben der Baubranche, ergänzt wird das Führungsteam von Luca Papay (CTO) und Nicolaus Lederer (COO). Nicht mehr an Bord ist Paul Lind, der reebuild 2022 gemeinsam mit Kornell gegründet und als CEO geführt hatte. Lind war bis Mai 2026 Mitgründer und arbeitet inzwischen für das US-Raumfahrtunternehmen CesiumAstro, das Kommunikationstechnik für Satelliten baut. Dort wurde er kürzlich zum Director of Business Development & Strategy befördert und soll die Präsenz des Unternehmens in Europa ausbauen. Die Software wird in Wien entwickelt und in Deutschland gehostet. Gefördert wurde reebuild in der Frühphase auch von aws und FFG, zu den Unterstützer:innen zählt außerdem das Hansmann Family Office von Business Angel Hansi Hansmann.
„reebuild ist das richtige Team, um das umzusetzen, auch weil das Gründerteam familiär in der Baubranche verwurzelt ist“, sagt Wouter Goossens, Partner bei Fortino Ventures. Der Investor mit Büros in Gent, Amsterdam und München hat in den vergangenen zehn Jahren mehr als 45 Startups finanziert, darunter TechWolf, LegalFly und Teamleader.
Wohin das Geld fließt
Das frische Kapital fließt in drei Bereiche:
- Team: Derzeit arbeiten rund 25 Personen am Hauptsitz in Wien, bis 2027 sollen quer durch alle Abteilungen neue Leute dazukommen.
- Produkt: Neue KI-Module sollen den kaufmännischen Ablauf von der Kalkulation bis zur Buchhaltung weitgehend automatisieren. Langfristiges Ziel ist ein „Agentic Backoffice“, in dem KI-Agenten Prüfung, Abgleich und Vorkontierung selbstständig erledigen.
- Märkte: Nach Österreich und Deutschland will reebuild in weitere europäische Länder expandieren, wo es bereits Entwicklungspartnerschaften gibt.
Viel Konkurrenz im ConTech-Markt
Ganz allein ist reebuild mit der Idee nicht. Das Wiener Scale-up PlanRadar digitalisiert bereits seit Jahren Dokumentation und Mängelmanagement auf Baustellen, in München setzt Capmo auf Software für die Bauleitung, und das Berliner Startup Cosuno auf digitale Ausschreibungen. Dazu kommen allgemeine KI-Tools für Rechnungsverarbeitung wie Candis, die nicht auf die Baubranche spezialisiert sind. In Österreich hat zuletzt auch das Vorarlberger Startup Sodex 4 Millionen Euro für seine Technologie zur Baustellenvermessung eingesammelt.

