Nicht für Österreich: Grazer Emerald Horizon startet Bau seines Small Modular Reactors
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Die Grazer Emerald Horizon AG, seit Ende Juni an der Wiener Börse notiert und dort aktuell mit rund 1,2 Milliarden Euro bewertet, hat soeben gemeinsam mit der niederländischen VDL Groep den Baubeginn für das zentrale Bauteil ihres Small Modular Reactors SMRX bekanntgegeben. Gebaut wird der sogenannte Megawatt-Power-Loop im niederländischen Eindhoven.
Firmengründer und CEO Florian Wagner und Markjan Vermeer, Managing Director von VDL ETG Technology & Development, unterzeichneten im Emerald LaboraTHorium in Graz vor Medienvertreter:innen ein Ergebnisprotokoll zur operativen Umsetzung des bereits bestehenden Vertrags. Es war der erste gemeinsame öffentliche Auftritt der beiden Unternehmen in Österreich.
Was gebaut wird
Der SMRX ist nach Angaben des Unternehmens eine modulare, unterkritische Energiequelle auf Thoriumbasis. Der nun in Bau befindliche Loop ist der Hochtemperatur-Kreislauf, in dem das flüssige Trägersalz zirkuliert. Er arbeitet bei Umgebungsdruck und überträgt Wärme bei Prozesstemperaturen von bis zu 900 Grad Celsius. Vier Hardware-Revisionen des Loops wurden laut Emerald Horizon bereits im Grazer Labor getestet, die Messdaten gingen an VDL.
Getestet wird im Loop, wie sich Werkstoffe, Pumpen, Dichtungen und Messtechnik im Dauerbetrieb verhalten. „Der Loop wird bei jenen Temperaturen betrieben, die auch während des aktiven Reaktorbetriebs herrschen“, sagt Mario J. Müller, Vice President R&D bei Emerald Horizon. Entscheidend sei die Einsatzzeit unter Last: Für die Auslegung auf Jahrzehnte brauche es Daten aus dem kontinuierlichen Hochtemperatur-Betrieb. Dem Loop vorgelagert sind funktionale Modelle, mit denen einzelne Subsysteme validiert werden.
Nicht Teil dieser Ankündigung ist der Teilchenbeschleuniger, der im Konzept als physikalischer Schalter des Systems dient und die Kettenreaktion überhaupt erst in Gang hält. Dazu will Emerald Horizon bei einer nächsten Pressekonferenz informieren.
Arbeitsteilung: Graz forscht, Eindhoven industrialisiert
Graz bleibt laut Unternehmen Forschungs- und Entwicklungszentrum und behält die Systemführerschaft. VDL überführt die Ergebnisse komponentenweise in ein industriell fertigbares Design und agiert als Tier-1-Partner für Co-Development, Co-Engineering und Serienvorbereitung. Wagner betont, dass VDL eigene Ressourcen einbringt und unternehmerisches Risiko mitträgt: Man nutze bestehende Hochpräzisionsanlagen, statt eine eigene Fabrik hochzuziehen, was Zeit und Kapital spare.
Hans Priem, Vice President Business Development bei VDL ETG, verweist auf Kapazitäten in Engineering, Fertigung, Montage und Supply Chain sowie auf Kooperationen mit Forschungsinstituten in Feldern wie Flüssigsalz, Elektrochemie und Advanced Materials. Vermeer nennt als zentrale offene Punkte Korrosionskontrolle, Materialauswahl und Hochtemperatur-Prozesse.
Wer VDL ist
Die VDL Groep ist ein 1953 gegründetes niederländisches Familienunternehmen mit Sitz in der Brainport-Region Eindhoven, geführt in dritter Generation von der Familie Van der Leegte. Der Konzern beschäftigt mehr als 14.000 Mitarbeiter:innen in 20 Ländern und ist unter anderem für Busse, Fahrzeugbau (VDL Nedcar) und Hightech-Zulieferung bekannt.
Für das SMRX-Projekt relevant ist die Sparte VDL ETG, hervorgegangen aus den früheren Philips Machinefabrieken und 2006 von VDL übernommen. VDL ETG zählt zu den etablierten Zulieferern der Halbleiterindustrie und beliefert seit den 1980er- und 1990er-Jahren unter anderem ASML, den weltweit einzigen Hersteller von EUV-Lithografiesystemen. Damit holt sich Emerald Horizon einen Partner an Bord, der Erfahrung damit hat, komplexe Einzelstücke aus der Forschung in reproduzierbare Serienfertigung zu übersetzen. Genau dieser Schritt ist die erklärte Aufgabe der aktuellen Projektphase.
Roadmap und Leistungsdaten
Das Hybridspeichersystem DUALstorePLUS ist bereits bestellbar, die Batteriemodule des E-store sind kommerziell verfügbar. Die Hochtemperatur-Speichereinheit CALstore soll ab 2028 ausgeliefert werden. Für den SMRX ist ein voll integrierter Prototyp für 2029 vorgesehen, die industrielle Serienproduktion soll ab 2031 anlaufen. Das Unternehmen bezeichnet diese Zeithorizonte ausdrücklich als Zielwerte auf Basis der aktuellen Projektplanung.
Ein SMRX-Modul soll 25 MW thermische und rund 10 MW elektrische Leistung in einem standardisierten Containerformat liefern, ausgelegt auf 20 Jahre Betrieb ohne Refueling. Das System sei von 10 MW bis in den Gigawattbereich replizierbar, der Energieverkauf soll über Verträge mit Laufzeiten von bis zu 20 Jahren laufen.
Österreich: Speicher ja, Reaktor im Ausland
Für den Standort Österreich gilt eine klare rechtliche Grenze. Das Atomsperrgesetz von 1978, in Kraft nach der Volksabstimmung über Zwentendorf und seit 1999 durch ein Bundesverfassungsgesetz für ein atomfreies Österreich abgesichert, verbietet Errichtung und Betrieb von Anlagen zur Energiegewinnung durch Kernspaltung im Inland.
Das Unternehmen hält dazu fest: „Emerald Horizon respektiert das österreichische Atomsperrgesetz von 1978 in vollem Umfang. In Österreich wird ausschließlich das nicht-nukleare Speichersystem DUALstorePLUS vertrieben. Bau und Betrieb des SMRX erfolgen international. Die Arbeiten im LaboraTHorium in Graz bewegen sich im Rahmen der bestehenden behördlichen Genehmigungen; in Graz findet kein Reaktorbetrieb statt.“
Wagner ordnet den Standort europäisch ein: „Die Systemführerschaft und unsere Spitzenforschung bleiben fest in Graz verankert. Drei der vier österreichischen Mitglieder der EU SMR Alliance kommen aus der Steiermark.“ Emerald Horizon engagiert sich in den Technical Working Groups 2 und 6 der von der EU-Kommission initiierten Allianz.
SMR-Aktien zuletzt hart abgestraft
Emerald Horizon wurde 2019 in Graz gegründet und unterhält Niederlassungen in der Slowakei und den USA. Das modulare SMRX-System kombiniert die Hybridspeichereinheit DUALstorePLUS mit der unterkritischen, thoriumbasierten Energiequelle ADES. Seit Ende Juni ist das Unternehmen an der Wiener Börse notiert (ISIN AT0000A3UZE1, Ticker SMRX), der Erstkurs lag bei 760 Euro je Aktie. Kurz nach dem Listing stieg die Bewertung auf rund eine Milliarde Euro.
Anzumerken bleibt, dass weltweit noch kein kommerzieller Flüssigsalz-Reaktor auf Thoriumbasis in Betrieb ist. Die Angaben zu Leistung, Lebensdauer und Zeitplan stammen vom Unternehmen und sind bislang nicht unabhängig verifiziert. Wie berichtet, sind die Aktien von SMR-Unternehmen zuletzt stark gefallen.

