The Exploration Company: 450 Millionen Euro für französisch-deutsches SpaceTech
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Das deutsch-französische Raumfahrt-Unternehmen The Exploration Company (TEC) hat soeben eine Series-C-Runde über 450 Millionen US-Dollar bekanntgegeben. Es ist nach Angaben des Unternehmens die größte Series C, die bisher ein europäisches Raumfahrt-Unternehmen aufgestellt hat, und zugleich die größte Finanzierungsrunde eines in der EU ansässigen Unternehmens mit einer Gründerin an der Spitze. Angeführt wird die Runde gemeinsam von Bessemer Venture Partners, Atomico und dem Scaleup Europe Fund, der von EQT gemanagt wird. Mit dabei sind außerdem die bestehenden europäischen Investor:innen Balderton, Plural, Cherry und Red River West. Alex Ferrara, Partner bei Bessemer, zieht in den Verwaltungsrat ein.
Damit summiert sich das insgesamt eingesammelte Kapital von TEC auf rund 680 Millionen Dollar. Das Closing steht noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen behördlichen Genehmigungen. Zuvor hatte TEC unter anderem 150 Millionen Euro in einer Series B aufgenommen, die damals ebenfalls als Rekord für die europäische Raumfahrtbranche galt.
Gegründet wurde das Unternehmen 2021 von Hélène Huby, davor Managerin bei Airbus, gemeinsam mit einem Team aus der Luft- und Raumfahrtindustrie. Heute beschäftigt TEC nach eigenen Angaben mehr als 550 Mitarbeiter:innen an Standorten in Europa, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das frische Kapital soll in weitere Einstellungen und den industriellen Hochlauf fließen, konkret in Engineering, Fertigung, Missionsbetrieb, Antriebstechnik und Programmabwicklung.
Was Nyx ist und was die Kapsel können soll
Im Zentrum steht die Raumkapsel Nyx. Sie ist als wiederverwendbares und im Orbit betankbares Transportsystem konzipiert, das Fracht zu Raumstationen im niedrigen Erdorbit bringt und wieder sicher zur Erde zurückbringt. Nyx ist trägerraketen-agnostisch ausgelegt, kann also grundsätzlich mit unterschiedlichen Launchern starten, und soll sowohl staatliche als auch kommerzielle Raumstationen bedienen. Perspektivisch ist eine Variante für den Transport von Menschen vorgesehen. Als Rückführ-Kapazität nennt das Unternehmen bis zu 3.000 Kilogramm.
Der nächste große Meilenstein ist die erste vollständige Orbit-Demonstration: Nyx soll an der Internationalen Raumstation ISS andocken und anschließend zur Erde zurückkehren. Damit will TEC die gesamte Transportkette von der Erde in den Orbit und retour in einem Flug nachweisen. Einen ersten Vorgeschmack gab es bereits mit dem Demonstrator-Flug „Mission Possible“, der im Vorjahr als Mitflug auf einer Falcon 9 startete. Der Testflug verlief über weite Strecken planmäßig, kurz vor der Wasserung riss die Verbindung jedoch ab und die Kapsel ging verloren. TEC selbst sprach von einem Teilerfolg.

Storm: ein wiederverwendbares Triebwerk für einen europäischen Schwerlast-Launcher
Der zweite Teil der Finanzierung geht in die Entwicklung von Storm, einem wiederverwendbaren Hochschub-Triebwerk. Es arbeitet mit flüssigem Sauerstoff und Biomethan und nutzt einen sogenannten Full-Flow-Staged-Combustion-Kreisprozess, ein Verfahren, das bisher vor allem SpaceX mit dem Raptor-Triebwerk industriell umsetzt. Laut TEC ist es das erste Mal, dass in Europa ein derart hoher Betrag in ein wiederverwendbares Triebwerk dieser Klasse fließt.
Storm soll die Antriebsbasis für eine künftige europäische, wiederverwendbare Schwerlast-Rakete liefern, die in wiederverwendbarer Konfiguration bis zu 40 Tonnen in den niedrigen Erdorbit befördern kann. Auf dem Weg dorthin plant das Unternehmen eine Testreihe: zunächst Vorbrenner-Tests mit einer Brennkammer im verkleinerten Maßstab in den kommenden Monaten, danach ein sauerstoffreicher Powerpack-Test und in den Folgejahren ein Test des kompletten Entwicklungstriebwerks.
Kommerziell verweist TEC auf Aufträge und Zusagen im Volumen von mehr als zwei Milliarden Dollar, verteilt auf öffentliche Programme und private Kund:innen. Dazu zählen Verträge mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA sowie Logistik-Vereinbarungen mit kommerziellen Raumstationen. TEC war zudem das erste europäische Raumfahrt-Startup, das ein Space Act Agreement mit der NASA unterzeichnet hat.

Was der Scaleup Europe Fund sonst noch macht
Für die europäische Tech-Politik ist die Runde auch deshalb bemerkenswert, weil sie das vierte Investment des Scaleup Europe Fund ist. Der Fonds ist ein Instrument der EU-Kommission, wird aber kommerziell geführt und von EQT gemanagt. Er kombiniert öffentliches und privates Kapital, peilt ein Zielvolumen von fünf Milliarden Euro an und investiert in Deeptech, Künstliche Intelligenz und Life Sciences. Die Idee dahinter: Europäische Scaleups sollen große Wachstumsrunden aufstellen können, ohne dafür überwiegend auf US-amerikanische oder asiatische Kapitalgeber:innen angewiesen zu sein.
Bisher hat der Fonds neben TEC in drei weitere Unternehmen investiert:
- Iceye: Der finnische Satelliten-Spezialist für Radar-Aufklärung war das erste Investment des Fonds, im Rahmen einer Runde über rund eine Milliarde Euro.
- Lovable: Das schwedische Vibecoding-Startup nahm eine Series C über rund 400 Millionen Dollar auf und wurde dabei mit 13,3 Milliarden Dollar bewertet.
- Mistral AI: Das französische KI-Labor holte sich in seiner Series D rund drei Milliarden Euro.
Ted Persson, Partner bei EQT und Co-Head des Scaleup Europe Fund, begründet das Engagement damit, dass der Zugang zum Weltraum zunehmend zur kritischen Infrastruktur werde und diese Fähigkeit in Europa aufgebaut werden solle. EQT Ventures war bereits in früheren Phasen bei TEC an Bord.
Der Fonds ist allerdings auch Gegenstand einer Debatte darüber, ob Kapital allein Europas Innovationsschwäche adressiert. Kritisiert wird unter anderem, dass die bisherigen Tickets in Unternehmen fließen, die ihre Runden vermutlich ohnehin zusammenbekommen hätten, während die Lücke eher in früheren Phasen und bei regulatorischen Rahmenbedingungen liege.
Ein starkes Jahr für europäische Raumfahrt-Finanzierungen
Die TEC-Runde reiht sich in eine Serie großer europäischer Spacetech-Deals ein. Der deutsche Raketenbauer Isar Aerospace sammelte heuer 270 Millionen Euro ein, Iceye kam auf rund eine Milliarde Euro. Politisch begleitet wurde die Ankündigung prominent: Der französische Präsident Emmanuel Macron verwies auf den „deutsch-französischen Motor“ hinter dem Unternehmen, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von einem starken Moment für Europas Raumfahrtindustrie und hob hervor, dass ein über mehrere Mitgliedsstaaten hinweg aufgebautes Unternehmen die Finanzierung in Europa aufstellen konnte.
Ob daraus tatsächlich eine europäische Alternative zu den etablierten US-Anbietern wird, entscheidet sich an den nächsten technischen Meilensteinen: dem ISS-Andockmanöver von Nyx und den ersten Triebwerkstests von Storm.

