KI-Agenten

Kontinent ohne KI-Agenten: Europa muss auf dots, Muse und Siri AI warten

Attendees film the dots logo and mascots on the big screen at OpenAI DevDay
The dots launch drew a packed crowd of smartphone cameras at DevDay. © OpenAI

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Die neuen KI-Agenten, die rund um die Uhr für ihre Nutzer:innen arbeiten, kommen, nur nicht nach Europa. OpenAI hat seine dots soeben beim DevDay in San Francisco vorgestellt, doch Pro-Nutzer:innen im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Großbritannien gehen vorerst leer aus. Dort kommen die Agenten „vorerst nicht“ an, zitiert The Next Web OpenAI. Ähnlich geht es Apples neuer Siri AI, die in der EU vorerst nicht auf iPhone und iPad läuft. Und wer Zugang zu dots hat, braucht ein teures Abo.

Nur für Pro- und Business-Premium-Kund:innen

Den ersten dot gibt es laut OpenAI nur in den Plänen Pro und Business Premium, und zwar nur „in berechtigten Märkten“. Das Pro-Abo kostet in den USA 200 Dollar im Monat, in Europa sind es inklusive Mehrwertsteuer 229 Euro. Business Premium ist ein Platz im Business-Workspace um 100 Dollar (rund 85 Euro) pro Person. Er ist die einzige Möglichkeit, dots in Österreich, Deutschland und der Schweiz schon jetzt zu nutzen, denn Business Premium ist in allen unterstützten Regionen verfügbar. Enterprise-Kund:innen können die Beta testen, wenn ihre Admins sie freischalten.

Billiger wird es nicht. Ende Oktober halbiert OpenAI die Nutzungskontingente im 200-Dollar-Pro-Plan, zugleich startet ein neuer Pro-Plan um 500 Dollar im Monat, der in Europa 510 Euro kostet. Im ersten Monat zählt die Arbeit der dots nicht zum Kontingent, danach will OpenAI die Bedingungen je Plan festlegen. Wie viel ein Agent, der ständig im Hintergrund läuft, dann tatsächlich verbraucht, ist offen.

Metas Muse gibt es nur in den USA

Beim großen Konkurrenten sieht es nicht besser aus. Meta hat seinen Agenten Muse vor rund drei Wochen gestartet, allerdings ebenfalls nur in einem Land: Muse werde „in den USA auf iOS, Android und muse.ai ausgerollt“, heißt es in der Ankündigung. Pläne für Europa nennt Meta darin nicht. Der Vorteil für Meta: Muse ist für eine große Menge an Tokens kostenlos, Geld verdienen will der Konzern über eine kleine Gebühr auf Transaktionen, die der Agent abwickelt.

DSGVO, AI Act, DSA, DMA: Die möglichen Gründe

Warum Europa außen vor bleibt, begründet OpenAI nicht. Neu ist das Muster nicht: Auch das Videotool Sora startete 2024 ohne die EU, der Agent Operator kam erst Wochen nach dem US-Start in weitere Länder. An möglichen Gründen mangelt es nicht, denn gerade Agenten, die dauerhaft im Hintergrund laufen, berühren gleich mehrere EU-Regelwerke:

  • Datenschutz: Ein dot hat dauerhaft Zugriff auf E-Mails, Kalender und verbundene Apps. Nach der DSGVO braucht jede solche Verarbeitung eine Rechtsgrundlage und einen klar definierten Zweck, und das gilt besonders für Profiling, also automatische Rückschlüsse auf Vorlieben, Verhalten oder finanzielle Verhältnisse, wie TechRepublic am Beispiel der Meta-Agenten analysiert.
  • AI Act: Seit August gelten die Transparenzpflichten des europäischen KI-Gesetzes. KI-Systeme müssen offenlegen, dass sie KI sind, und generierte Inhalte maschinenlesbar kennzeichnen. Bei Verstößen drohen bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Für einen Agenten, der im Namen seiner Nutzer:innen E-Mails schreibt und Termine vereinbart, ist das keine Kleinigkeit.
  • DSA: Die EU-Kommission hat ChatGPT kürzlich als „sehr große Online-Suchmaschine“ nach dem Digital Services Act eingestuft, weil der Dienst mehr als 45 Millionen monatliche Nutzer:innen in der EU erreicht. Bis Jänner muss OpenAI deshalb systemische Risiken seines Dienstes bewerten und eindämmen, etwa für Minderjährige, Grundrechte und Wahlen. Ein neues Agenten-Feature erweitert genau diese Risikofläche.
  • DMA: Für Meta ist zusätzlich der Digital Markets Act relevant. Als Gatekeeper braucht der Konzern eine gesonderte Einwilligung, bevor er Daten aus Facebook, Instagram, WhatsApp und Messenger zusammenführt, und muss eine weniger personalisierte Alternative anbieten. Ein Agent wie Muse, der quer über diese Dienste arbeitet, fällt direkt darunter.

Auch Siri AI fehlt auf iPhone und iPad

Wie der Streit um Regeln und Agenten eskalieren kann, zeigt Apple. Die neue Siri AI, die Apple kürzlich gestartet hat, gibt es in der EU nicht auf iPhone, iPad und Apple Watch, sondern nur am Mac und auf der Vision Pro. Apple macht dafür ausdrücklich den DMA verantwortlich: Der Konzern müsste sonst „jedem virtuellen Assistenten direkten Zugriff auf die privaten Daten der Nutzer:innen geben“ und die Möglichkeit, andere installierte Apps direkt zu steuern. Einen Zeitplan für den EU-Start gibt es nicht.

Die EU-Kommission sieht das anders. „Die Entscheidung, Siri AI in der EU nicht einzuführen, ist die von Apple und nur von Apple“, sagte Kommissionssprecher Thomas Regnier laut Silicon UK. Apple habe statt einer Lösung eine Ausnahme von den Interoperabilitätspflichten für mindestens 18 Monate verlangt. Laut Euronews betonte die Kommission, dass „absolut nichts im DMA“ Apple daran hindere, neue Produkte in der EU einzuführen.

Peter Steinberger im Publikum

Bei der Präsentation der dots war auch Peter Steinberger anwesend, und das passt ins Bild. Der österreichische Entwickler, der einst PSPDFKit gegründet hat, wurde mit dem Open-Source-Agenten OpenClaw weltberühmt und wechselte im Februar zu OpenAI. Seine Begründung damals im eigenen Blog: „Meine nächste Mission ist es, einen Agenten zu bauen, den sogar meine Mutter benutzen kann.“ Dafür brauche es einen viel breiteren Wandel, mehr Überlegungen zur Sicherheit und Zugang zu den neuesten Modellen und der Forschung. „Ich will die Welt verändern, nicht ein großes Unternehmen aufbauen“, schrieb Steinberger, und mit OpenAI sei das der schnellste Weg, Agenten zu allen zu bringen. OpenClaw selbst ging in eine Stiftung über, die OpenAI finanziell unterstützt, und soll offen und unabhängig bleiben.

dots erinnert stark an OpenClaw

Wer OpenClaw kennt, erkennt in den dots viel wieder. Der Open-Source-Agent läuft rund um die Uhr, oft auf einem eigenen Mac Mini, und lässt sich über Messenger vom Smartphone aus steuern. OpenClaw habe Agenten populär gemacht, die „in bestehenden Messaging-Diensten leben und im Auftrag der Nutzer:innen Software steuern“, schreibt VentureBeat im Bericht über die dots. Genau das machen jetzt auch die dots: Sie arbeiten auf einem eigenen Cloud-Computer, erledigen Aufgaben selbstständig über Tage hinweg und sind über ChatGPT, Slack, Teams und bald auch per SMS erreichbar. Auf Wunsch greifen sie sogar auf den Laptop ihrer Nutzer:innen zu.

Der wichtigste Unterschied liegt beim Betrieb. OpenClaw läuft auf eigener Hardware, und die Nutzer:innen behalten die Kontrolle über ihre Daten. Die dots dagegen laufen komplett in der Cloud von OpenAI und sind an ein Abo gebunden. Für Europäer:innen hat das eine ironische Folge: Wer jetzt schon einen Agenten nach dem Vorbild von Steinbergers Idee nutzen will, muss auf das Original zurückgreifen, denn OpenClaw kann man überall installieren.

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