OpenAI startet Always-on-Agenten dots gegen Metas Muse
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Der Chatbot, der brav auf Fragen wartet, hat ausgedient: OpenAI gibt ChatGPT jetzt Kolleg:innen, die auch dann weiterarbeiten, wenn niemand hinschaut.
Am Dienstag hat OpenAI beim DevDay in San Francisco „dots“ vorgestellt, eine neue Klasse von KI-Agenten, die rund um die Uhr laufen. Laut der offiziellen Ankündigung basieren sie auf dem Modell GPT-6 Astra, arbeiten auf einem eigenen Cloud-Computer und können über ein Plugin-Ökosystem auf mehr als 4.000 Apps zugreifen. Nutzer:innen erreichen ihren dot über ChatGPT, Slack und Teams, per Sprachanruf und bald auch per SMS.
Für Europa gibt es vorerst schlechte Nachrichten: Pro-Nutzer:innen im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Großbritannien müssen warten, denn dort starten dots vorerst nicht.
Was dots können
Ein dot soll Aufgaben selbstständig übernehmen und über mehrere Projekte hinweg im Blick behalten. Er nutzt dafür seinen eigenen Browser und die verbundenen Apps, und Nutzer:innen können den Cloud-Computer jederzeit öffnen, um die Arbeit zu prüfen. Auf Wunsch darf ein dot auch auf den Laptop der Nutzer:innen zugreifen.

OpenAI nennt mehrere Beispiele: Ein dot wertet Kundenfeedback aus und liefert fertige Pull Requests samt Videos der Änderungen, passt Launch-Materialien an, wenn sich der Projektumfang ändert, oder aktualisiert eine wissenschaftliche Analyse, sobald neue Daten eintreffen. Ein früher Tester habe erlebt, dass sein dot eine vergessene Rechnung an ein Magazin vorbereitet und nach seiner Freigabe verschickt hat. Im Hintergrund betreibt der dot außerdem „proactive research“: Er sichtet verbundene Apps mit reinen Leserechten und schlägt von sich aus Hilfe vor.
Sam Altman beschrieb die Agenten in der Keynote als gebaut für „really anything you can think of“. Später sagte er dem Publikum, er hoffe, dass es dots liebgewinnen und nicht mehr zurückwollen werde.
Preis und Verfügbarkeit
Der erste dot ist in den Plänen Pro und Business Premium ohne Aufpreis enthalten. Beim Pro-Plan gilt das allerdings nur außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums, der Schweiz und Großbritanniens, denn dort ist der Start vorerst nicht vorgesehen. Business Premium ist dagegen in allen unterstützten Regionen verfügbar. Enterprise-Kund:innen (inklusive Edu und Healthcare) können die Beta nutzen, sobald ihre Workspace-Admins sie freischalten, standardmäßig ist sie dort ausgeschaltet. Im ersten Monat zählt die Nutzung nicht zu den Kontingenten der Pläne, danach will OpenAI die Bedingungen je Plan bekanntgeben. Später sollen sich weitere dots hinzubuchen und in Tempo oder monatlichem Arbeitsvolumen skalieren lassen.
Einschränkungen
Laut dem Hilfe-Center von OpenAI gibt es einige Hürden:
- Region: Pro-Nutzer:innen im Europäischen Wirtschaftsraum (und damit auch in Österreich und Deutschland), in der Schweiz und in Großbritannien gehen vorerst leer aus. Dort starten dots nicht. Business Premium gibt es in allen unterstützten Regionen. Wann und ob Pro-Kund:innen in Europa nachziehen, hat OpenAI in den vorliegenden Unterlagen nicht genannt.
- Rollout: Der Zugang kommt schrittweise und kann mehrere Tage dauern.
- Mobil: Ein dot lässt sich nur am Desktop einrichten. Danach ist er in der mobilen ChatGPT-App erreichbar.
- Kommunikation: Ein dot kann Nutzer:innen zum Start nicht anrufen und hat keine eigene E-Mail-Adresse.
- SMS: Die Textbeta ist auf Pro-Nutzer:innen in den USA begrenzt.
- Freigaben: Heikle Aufgaben wie das Ändern eines Passworts bleiben immer bei den Nutzer:innen. Über Custom Rules lässt sich festlegen, ob ein dot Aktionen ohne Rückfrage ausführt, nur bei vorheriger Freigabe, nach Rückfrage oder gar nicht.
OpenAI räumt ein, dass dots Fehler machen können und wichtige Ergebnisse geprüft werden sollten. Gespeicherte Passwörter nutzen dots laut Unternehmen, ohne dass das Modell sie zu sehen bekommt. Ein Überwachungssystem kann die Arbeit pausieren oder stoppen.
Der Zeitpunkt: Meta war zuerst dran

Der Start folgt wenige Wochen auf Metas Agenten Muse. Meta hat Muse vor rund drei Wochen in den USA für iOS, Android und im Web veröffentlicht. Der Agent läuft auf einer eigenen virtuellen Maschine und lässt sich auch direkt in WhatsApp ansprechen. Laut Semafor wurde Muse mehr als drei Millionen Mal heruntergeladen, und beide Produkte setzen auf Maskottchen und Avatare, die Nutzer:innen benennen können. Trending Topics hatte den Wettlauf schon vor dem DevDay beschrieben.
Altman selbst gab sich gelassen. Muse „seems like a nice product“, sagte er laut Semafor, fühle sich von Meta-Chef Mark Zuckerberg aber nicht bedroht. Muse stößt allerdings auch auf Widerstand: Amazon hat dem Agenten das Einkaufen auf seiner Plattform untersagt.
Sicherheitsdebatte im Hintergrund
Der Launch fällt in eine Phase, in der OpenAIs Sicherheitspraxis unter Beobachtung steht. Erst am Montag hat das Unternehmen die Veröffentlichung von GPT-6.1 Astra abgesagt, weil das Modell die internen Anforderungen an Autorisierung und Umfang nicht erfüllte. Zuvor hatten OpenAI-Agenten mehrfach fremde Systeme angegriffen, darunter Hugging Face.
Auch für Unternehmen gedacht
Neben dem persönlichen dot zeigt OpenAI eine Vorschau auf „specialist dots“, die im Unternehmen eigene Identitäten, Zugangsdaten und klar umrissene Zuständigkeiten bekommen, etwa bei Beschaffung, Rechnungsverarbeitung oder Vertragswesen. Sie starten in Pilotprojekten mit Unternehmenskund:innen. Mit Microsoft arbeitet OpenAI daran, sie in die Governance-Werkzeuge von Agent 365 einzubinden.

