Meinung

Stundenlanger Facebook-Ausfall – ein Argument für Decentralized Networks

Facebook, gestört. © Canva
Facebook, gestört. © Canva

Sechs Stunden waren Facebook und seine Schwester-Apps Instagram, WhatsApp, Workplace, Oculus VR und Facebook am Montag Abend offline. Sechs Stunden, in denen einige der wichtigsten kommunikationskanäle des Planeten ausfielen, und zwar nicht nur für Milliarden Nutzer, sondern auch für Abermillionen kleine wie große Unternehmen, Influencer und Startups, die sich auf Zuckerbergs Plattformen verlassen, um dort Business zu treiben.

Der Ausfall war so hart, dass sogar Facebooks eigene Mitarbeiter interne Tools für die Fehler-Analyse und operativen Tätigkeiten nicht nutzen konnten – sogar in die eigenen Konferenzräume und Gebäude konnten sie teilweise nicht hinein, weil alles im eigenen „Internet of Things“ (IoT) vernetzt ist.

Der Grund für den Ausfall, der die Nutzer zu Rivalen wie Telegram, Twitter und Linkedin trieb: „Konfigurationsänderungen an den Backbone-Routern, die den Netzwerkverkehr zwischen unseren Rechenzentren koordinieren, führten zu Problemen, die diese Kommunikation unterbrachen. Diese Unterbrechung des Netzwerkverkehrs hatte einen kaskadenartigen Effekt auf die Art und Weise, wie unsere Rechenzentren kommunizieren, und brachte unsere Dienste zum Stillstand“, heißt es seitens Santosh Janardhan, VP Infrastructure bei Facebook. Gerüchte über Hacker-Angriffe werden zurückgewiesen, es gebe „keine Beweise dafür, dass die Nutzerdaten kompromittiert“ worden wären.

Facebook-Ausfall riss Instagram, WhatsApp & Messenger mit sich (Update)

Kein Hacker-Angriff

Denn mehrere Stunden vor dem großflächigen, weltweiten Ausfall der Facebook-Dienste kam ein Bericht auf, dem zufolge Hacker versuchen würden, Daten von 1,5 Milliarden Facebook-Nutzern in einem Dark-Web-Forum zu verkaufen. Die Daten wurden aber nicht durch ein Eindringen in Facebook-Systeme ergattert, sondern durch einfaches Scraping öffentlich verfügbarer Informationen. Auch gibt es nun am Dienstag morgen Meldungen, dass es nunmehr Zweifel an der Authentizität und Quantität der feilgebotenen Daten gibt (mehr dazu hier).

Sorry for the disruption today — I know how much you rely on our services to stay connected with the people you care about„, so die knappe, öffentliche Entschuldigung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Welches Nachspiel der Ausfall haben wird, bleibt abzuwarten. Sowohl intern (verantwortliche Mitarbeiter, Partner etc.) wie auch extern (z.B. Werbekunden) könnte der Ausfall Konsequenzen haben.

Argument für Blockchains

Dass Facebook ein zentralisiertes Monster ist, dass sich immer größere Teile des (mobilen) Webs einverleibt hat, ist jedem klar, der sich nur ein wenig mit der Thematik auseinandersetzt. Zu denken aber sollte aufgeben, dass der Ausfall auch interne Analyse-Tools betraf und so manche Tür in den Facebook-Büros einfach nicht mehr aufging. Nicht auszudenken, wenn einfach keiner mehr (digital wie analog) in das System mehr hineinkommt.

Kudos to @facebook for giving us a very real demonstration of why the move to a decentralised Web 3 is necessary and, indeed, inevitable„, twitterte Gavin Wood, seines Zeichens Ethereum- und Polkadot-Mitgründer während dem Ausfall. Die grundlegende Idee ist klar: Warum die gesamte Last eines weltweiten Netzwerks einer zentralen Stelle geben, wenn es mittlerweile auch Technologien gibt, bei der dezentrale Rechner das Netzwerk tragen. Bitcoin, aber auch immer mehr andere Blockchains, sin der Beweis dafür, dass es funktionieren kann.

Ethereum-Mitgründer: „Blockchain macht ganze Institutionen obsolet“

Dezentrale Social Networks & Messaging Apps

Die Idee dezentraler Social Networks und Messaging-Apps ist nicht neu. Die milliardenschwere Krypto-Firma block.one (EOS) versuchte sich mit Voice.com an einem solchen (mehr dazu hier). Es gibt sogar einen Österreicher, der diesen Plan verfolgt. Der Vorarlberger Marcel Füssinger hat 2018 Pläne gefasst, mit SocialX ein Social Network auf Basis von Blockchain zu bauen (Trending Topics berichtete).

Neben Ethereum gehen derzeit mit Solana, Cardano, Polkadot, Internet Computer, Algorand oder Cosmos eine ganze Reihe von Smart-Contract-Plattformen in Stellung, um die neue Heimat für DApps, also dezentralisierte Apps zu werden. Derzeit wird viel über DeFi, also Decentralized Finance, diskutiert – mit der Kernidee, Finanzinstitute obsolet zu machen und Menschen in Geldangelegenheiten direkt über Protokolle zu verbinden (z.B. zum Verleihen von Geld). Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Welle an Decentralized Networks auf uns zukommt.

Dezentralität ist dabei eine sehr schwierige Sache. Man muss Menschen finden, die Knoten zuverlässig betreiben, und sie müssen für ihren Aufwand (Zeit, Geld, Strom, Rechner) belohnt werden. Das läuft in der Krypto-Industrie üblicherweise über Token. Doch noch gibt es keine Blockchain, die einen Giganten wie Facebook dezentralisieren könnte – dazu bräuchte es Milliarden möglicher Transaktionen pro Sekunde und Abermillionen an Knotenpunkte.

Aber es wird bereits daran gearbeitet, und wie sagt man so schön im Krypto-Business: „In retrospective it was inevitable.“

SocialX: Vorarlberger Gründer baut ein Anti-Facebook auf der Blockchain

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