Taceo bringt vertrauliche Zahlungen auf öffentliche Blockchains
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Öffentliche Blockchains verraten zu viel, und genau das will das Grazer Kryptografie-Startup Taceo jetzt ändern. Mit Merces hat das Unternehmen soeben sein zweites Produkt gestartet: Es soll Zahlungen auf öffentlichen Blockchains vertraulich machen, ohne dass Aufsichtsbehörden und Prüfer:innen den Durchblick verlieren. Merces ist ab sofort auf den Blockchain-Netzwerken Monad und World Chain verfügbar, Taceo nutzt es bereits selbst für interne Transaktionen.
Das Problem: Jede Zahlung ist für alle sichtbar
Für Banken und andere Finanzinstitute waren öffentliche Blockchains bislang aus einem einfachen Grund kaum eine Option: Jede Transaktion ist dort für alle einsehbar. Weiß man, welche Wallet zu einem Unternehmen gehört, lassen sich dessen Gehaltszahlungen nachvollziehen, und Lieferant:innen könnten die Konditionen ihrer Mitbewerber:innen auslesen.
Ähnlich gelagert ist das Problem bei tokenisierten Wertpapieren. Bei einer digitalen Anleihe müssen sich Emittent, Verwahrstelle und Investor:innen auf denselben Datenstand verlassen können, obwohl jede Partei nur ihren eigenen Anteil sehen darf. Merces soll genau das ermöglichen: Mehrere Beteiligte berechnen ein gemeinsames Ergebnis, ohne die Daten der jeweils anderen jemals zu sehen.
So funktioniert Merces
Technisch setzt Taceo auf eine Kombination aus Multiparty Computation (MPC) und Zero-Knowledge-Proofs. Auf der Blockchain landen bei Merces weder Beträge noch Empfänger:innen, sondern nur eine kryptografische Zusammenfassung. Die Guthaben werden in Teile zerlegt und auf mehrere unabhängige Rechner verteilt, sodass kein einzelner Teilnehmer das Gesamtbild kennt. Nach jeder Runde von Überweisungen erzeugt das Netzwerk einen mathematischen Beweis, dass alle Transaktionen gültig waren und niemand Geld ausgegeben hat, das ihm nicht gehört.
Taceo positioniert das Produkt als „Compliant Privacy“: Die Vertraulichkeit soll mit den regulatorischen Anforderungen an Finanzinstitute vereinbar sein, Aufsicht und Wirtschaftsprüfung behalten also Einblick. Damit grenzt sich das Startup bewusst von früheren Privacy-Ansätzen im Kryptobereich ab, die bei Regulator:innen oft auf Skepsis stießen. Die vollständige kryptografische Spezifikation hat Taceo beim Fachportal der International Association for Cryptologic Research veröffentlicht (IACR ePrint 2026/850).
„Inzwischen ist klar, dass Blockchains zur Infrastruktur für Finanzgeschäfte werden. Offen war nur die Frage, wie darauf dieselbe Vertraulichkeit entsteht, die man von einer Bank erwartet“, sagt Taceo-CEO und Co-Founder Lukas Helminger. Das Team entwickle die Technologie seit über einem Jahr für den Finanzsektor weiter.
Vier Partner arbeiten an Integrationen
Zum Start hat Taceo vier Partner an Bord, die Merces in ihre Produkte einbauen:
- IntellectEU: Der auf Kernbankensysteme spezialisierte Anbieter integriert Merces in seine Plattform CatalyX und will so den Zugang zum Backoffice regulierter Banken öffnen. Eine gemeinsame Demo ist für die Bankenkonferenz Sibos geplant. „Keine Bank wird einen funktionierenden Payment-Stack neu bauen, nur um Vertraulichkeit zu bekommen“, sagt Jonathan Mayeur, Head of Product bei CatalyX.
- LayerZero: Das von a16z und Sequoia finanzierte Interoperabilitätsprotokoll arbeitet an vertraulichen Überweisungen zwischen verschiedenen Blockchains. Das Projekt startet vorerst als Testnet-Prototyp und ist noch nicht Teil des Mainnet-Launches.
- Orion Finance: Das Fintech, das den Techstars-Accelerator „Future of Finance“ von ABN AMRO absolviert hat, will mit Merces tokenisierte Anlageportfolios vertraulich machen, während die Performance für Anleger:innen überprüfbar bleibt. „Ein Portfoliomanager, der jedes Rebalancing veröffentlicht, verschenkt genau das, wofür er bezahlt wird“, sagt CEO Matteo Manzi.
- Zenith: Gemeinsam mit Taceo entstehen vertrauliche Anwendungen auf dem Canton Network, über das der US-Zentralverwahrer DTCC US-Staatsanleihen tokenisiert.
Von der TU Graz zu Sam Altmans World
Taceo wurde 2022 als Spin-off der TU Graz und des Forschungszentrums Know Center gegründet. Bekannt wurde das Startup vor allem durch seine Arbeit für World, das von OpenAI-Chef Sam Altman mitgegründete Iris-Scan-Projekt. Taceo liefert dafür eine Schlüsseltechnologie: Mittels MPC werden die Iris-Daten verschlüsselt abgeglichen, um sicherzustellen, dass sich jede Person nur einmal registriert, ohne dass die biometrischen Daten offengelegt werden. Inzwischen schützt die Technologie laut Unternehmen die Daten von mehr als 18 Millionen Menschen in 160 Ländern, was einer der weltweit größten MPC-Einsätze ist. Auch Merces startet nun unter anderem auf World Chain, der Blockchain des Projekts. Weitere Kund:innen im Identitätsbereich sind Boop, Mercle und ZKPassport.
Im Sommer 2025 sammelte Taceo in einer Seed-Runde 5,5 Millionen US-Dollar (rund 4,8 Millionen Euro) ein. Angeführt wurde die Runde von Archetype VC, mit dabei waren unter anderem a16z CSX, der Krypto-Accelerator von Andreessen Horowitz, sowie Cyber.Fund, A.Capital Ventures und Polymorphic. Im Trending Topics Podcast sprach Helminger damals über den rasanten Aufstieg des Unternehmens.
Starke Konkurrenz im Privacy-Markt
Taceo ist mit dem Thema nicht allein. Vertraulichkeit auf Blockchains gilt als eines der großen offenen Probleme der Branche, entsprechend viele Teams arbeiten daran. Das Pariser Unternehmen Zama setzt auf vollhomomorphe Verschlüsselung und zählt zu den am höchsten bewerteten Kryptografie-Startups Europas. Aztec baut ein eigenes Privacy-Netzwerk auf Ethereum-Basis, Arcium verfolgt ähnlich wie Taceo einen MPC-Ansatz. Mit Canton existiert zudem ein Netzwerk, das Vertraulichkeit bereits in seine Architektur eingebaut hat und von großen Finanzinstituten genutzt wird. Ob sich Taceos Fokus auf regulatorische Kompatibilität gegenüber diesen Ansätzen durchsetzt, dürfte sich vor allem daran entscheiden, ob Banken tatsächlich über Partner wie IntellectEU andocken.

