Ohne Kamera: Meta bringt erste reine Audio-KI-Brille
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Wer keine Kamera trägt, kann auch niemanden heimlich filmen: Meta hat soeben mit der Ray-Ban Meta Audio seine ersten KI-Brillen ganz ohne Kamera vorgestellt. Die Brillen sollen Musik, Telefonate und den KI-Assistenten Meta AI freihändig ans Ohr bringen, und sie kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Kritik an Videobrillen lauter wird als je zuvor.
Vorgestellt hat der Konzern die neuen Modelle auf seiner Entwicklerkonferenz Connect, gemeinsam mit einer ganzen Reihe weiterer Brillen, die in Partnerschaft mit dem Brillenkonzern EssilorLuxottica entstehen. Bis Jahresende will Meta laut eigener Ankündigung mehr als 100 verschiedene Brillenvarianten der Marken Ray-Ban, Oakley und Meta Glasses anbieten.
43 Gramm und bis zu 12 Stunden Akku
Audio sei seit dem ersten Tag die beliebteste Funktion der Meta-Brillen gewesen, begründet das Unternehmen den Schritt. Die Ray-Ban Meta Audio packt Lautsprecher, Mikrofone und KI in das bisher leichteste und schlankeste Gestell der Reihe. Mit 43 Gramm soll die Brille den ganzen Tag tragbar sein. Nutzer:innen können damit Musik und Podcasts hören, telefonieren und mit dem KI-Assistenten sprechen. Die Akkulaufzeit gibt Meta mit bis zu 12 Stunden an, das mitgelieferte Ladeetui soll weitere 48 Stunden liefern. Unabhängige Messungen dazu gibt es noch keine.
Die Audio-Brille kommt in zwei neuen Formen: der Retro-Form Clubmaster und dem rechteckigen Modell Burbank, insgesamt in 23 Farb- und Glaskombinationen. Beide Varianten lassen sich mit Korrekturgläsern ausstatten. Vorbestellungen laufen in den USA bereits, ausgeliefert wird ab Mitte Oktober. Der Einstiegspreis liegt bei 349 US-Dollar, umgerechnet rund 300 Euro. Einen Euro-Preis und einen Termin für den europäischen Marktstart hat Meta bislang nicht genannt.
Muse soll die Brille zum persönlichen Agenten machen
Parallel dazu bringt Meta seinen persönlichen KI-Agenten Muse auf die Brillen. Muse soll Aufgaben übernehmen, an Termine erinnern und langfristige Ziele in konkrete Aktionspläne übersetzen, ohne dass Nutzer:innen dafür zum Smartphone greifen müssen. Gerade für eine Brille ohne Kamera und ohne Display ist die Sprachsteuerung damit die zentrale Schnittstelle.
Kamera-Modelle bleiben im Sortiment
Ganz verabschiedet sich Meta von der Kamera allerdings nicht. Zeitgleich stellte der Konzern die Ray-Ban Meta (Gen 3) vor, die dritte Generation der meistverkauften KI-Brille. Sie filmt mit einer 12-Megapixel-Kamera in 3K-Auflösung, hat eine Stunde mehr Akkulaufzeit als der Vorgänger (bis zu neun Stunden), sechs Mikrofone und eine neue Aktionstaste für Meta AI. Wie bei allen bisherigen Generationen soll ein eingebautes LED-Licht Menschen in der Umgebung signalisieren, dass gerade fotografiert oder gefilmt wird. Der Einstiegspreis liegt bei 449 US-Dollar, umgerechnet etwa 385 Euro.
Dazu kommen neue Modelle der Marke Meta Glasses, darunter eine Kollektion mit der K-Pop-Sängerin LISA, eine neue Farbe der Kylie-Jenner-Edition sowie das bisher günstigste Modell, eine Meta Adventurer ab 249 US-Dollar (rund 215 Euro). Außerdem baut Meta den Vertrieb aus: In Europa sollen Oakley Meta und Ray-Ban Meta noch heuer unter anderem in Polen und Portugal starten.
ZuckOff schlägt Alarm bei Kamerabrillen
Die kameralose Variante erscheint vor dem Hintergrund einer wachsenden Debatte über Datenschutz. Für Aufsehen sorgt derzeit die App ZuckOff des polnischen Software-Entwicklers Paweł Szydłowski. Wie Trending Topics berichtete, fängt die App die Bluetooth-Signale von smarten Brillen ab, gleicht sie mit einem Katalog bekannter Geräte ab und warnt, wenn sich etwa eine Ray-Ban-Meta- oder Oakley-Meta-Brille in der Nähe befindet. Die App schätzt zudem die Entfernung ab und ist gratis für iOS und Android erhältlich. Ob tatsächlich gefilmt wird, kann ZuckOff allerdings nicht feststellen, die App erkennt lediglich die Anwesenheit einer Brille.
Szydłowski begründet sein Projekt mit Videos, in denen Menschen ohne ihr Wissen gefilmt wurden. Als Gesellschaft habe man zumindest das Recht zu erfahren, dass jemand aufnimmt, sagte er gegenüber Business Insider. Der Name ist als Botschaft an Meta-Chef Mark Zuckerberg gemeint. ZuckOff ist dabei nicht das einzige Werkzeug dieser Art: Die quelloffene Android-App Nearby Glasses verfolgt einen ähnlichen Ansatz und kommt laut TechRadar bereits auf mehr als 100.000 Downloads.
Die Kritik an den Kamerabrillen hat sich zuletzt an mehreren Stellen gezeigt. Kinos, Schulen und Pubs in Großbritannien haben die Brillen laut The Next Web teilweise verboten. Meta selbst hat kürzlich tausende Brillen deaktiviert, bei denen die Aufnahme-LED manipuliert worden war, wie Digital Trends berichtet. Meta-CTO Andrew Bosworth verteidigt das Design: Die Kamera sei so gestaltet, dass sie von den Menschen in der Umgebung bemerkt werde.
Eine Reaktion auf die Kritikwelle ist die Audio-Brille laut Mark Zuckerberg allerdings nicht. Das Modell sei bereits seit sehr langer Zeit in Entwicklung gewesen, sagte der Meta-Chef rund um die Connect. Schon bei den ersten Brillen mit Kamera habe Meta Funktionen eingebaut, die kein Smartphone und keine andere Kamera biete, allen voran das Licht, das Aufnahmen anzeigt. Manipuliert hätten diese LED laut Zuckerberg nur rund ein Zehntel Prozent der Nutzer:innen. Bereits im Vorfeld der Konferenz hatte Meta die Audio-Brille laut TechRadar nicht mit der Datenschutzdebatte in Verbindung gebracht und stattdessen die längere Akkulaufzeit in den Vordergrund gestellt. Für Nutzer:innen, die sich an der Kamera stören oder in Situationen unterwegs sind, in denen Kamerabrillen unerwünscht sind, bietet Meta damit jedenfalls erstmals eine Alternative.
Konkurrenz im Brillenmarkt
Mit reinen Audio-Brillen betritt Meta kein Neuland. Amazon bietet mit den Echo Frames seit Jahren Brillen mit Lautsprechern und Sprachassistent Alexa an, auch Anbieter wie Solos setzen auf KI-Brillen ohne Kamera oder mit optionalem Kameramodul. Im Segment der smarten Brillen mit Kamera und Display arbeiten Google und Samsung an Modellen auf Basis von Android XR, zudem wird Apple seit längerem Interesse an einer eigenen Brille nachgesagt. Meta hat mit den Ray-Ban-Modellen in dieser Kategorie bislang jedoch klar die Nase vorn.

