Schneider Electric will Smart-Home-Spezialisten Shelly um 1,2 Milliarden Euro kaufen
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Das smarte Relais hinter dem Lichtschalter bekommt einen neuen Besitzer: Der französische Energietechnik-Konzern Schneider Electric will die bulgarische Shelly Group komplett übernehmen und bewertet sie dabei mit rund 1,2 Milliarden Euro. Die beiden Gründer, die gemeinsam 56,6 Prozent des Kapitals halten, unterstützen die Transaktion.
Soeben hat Schneider Electric angekündigt, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle ausstehenden Shelly-Aktien vorzulegen. Bezahlt wird ausschließlich in bar. Das Angebot ist an die Übernahme von mindestens 95 Prozent des Kapitals geknüpft und muss noch von der bulgarischen Finanzaufsicht FSC geprüft sowie von den Wettbewerbsbehörden freigegeben werden. Abgeschlossen sein soll der Deal bis zum ersten Quartal 2027.
70 Euro je Aktie und eine Prämie von 27 Prozent
Schneider Electric bietet 70 Euro je Shelly-Aktie. Das entspricht einem Aufschlag von 27 Prozent auf den sogenannten unbeeinflussten Referenzpreis von 55,20 Euro. Dieser Wert ist nach bulgarischem Übernahmerecht der volumengewichtete Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate, und zwar vor jenem Tag Ende Juli, an dem erste Marktgerüchte über den Deal auftauchten. Gemessen am aktuellen Referenzpreis von 57,50 Euro beträgt die Prämie 22 Prozent.
Die Hürde für das Angebot ist hoch angesetzt: Es gilt nur dann als erfolgreich, wenn Schneider Electric am Ende mehr als 95 Prozent des Aktienkapitals kontrolliert. Wird diese Schwelle erreicht, will der Konzern die verbliebenen Aktionär:innen per Squeeze-out hinausdrängen und Shelly von der Börse nehmen. Die Aktie notiert derzeit in Sofia sowie im Xetra-Handel in Frankfurt.
Gründer steigen aus, einer bleibt an Bord
Hinter Shelly stehen die beiden Gründer Dimitar Dimitrov und Svetlin Todorov. Dimitrov hält rund 29 Prozent und will seine Aktien im Rahmen des Angebots andienen. Einen Teil des Erlöses wird er allerdings für mindestens drei Jahre gemeinsam mit Schneider Electric wieder in das Unternehmen investieren, er bleibt also finanziell mit Shelly verbunden.
Todorovs Anteil von rund 28 Prozent, den er teils privat und teils über seine Gesellschaft Salisto Holdings hält, kauft Schneider Electric direkt. Das geschieht in zwei Schritten: Zunächst übernimmt der Konzern ein Minderheitspaket von 5 Prozent ohne Kontrollrechte, die restlichen rund 23 Prozent folgen nach der fusionskontrollrechtlichen Freigabe. Scheitert das Übernahmeangebot, werden beide Transaktionen rückabgewickelt.
Auch der Verwaltungsrat von Shelly begrüßt den Vorstoß. Nach vorläufiger Einschätzung liege ein Angebot zu diesem Preis im Interesse des Unternehmens, der Aktionär:innen, der Mitarbeiter:innen und weiterer Stakeholder. Für alle Anteilseigner:innen biete sich damit eine einmalige Gelegenheit, ihre Beteiligung zu einem fixen Preis zu Geld zu machen.
Warum Schneider Electric zugreift
Shelly ist vor allem für kleine, WLAN- und Bluetooth-fähige Relais und Sensoren bekannt, die sich hinter bestehenden Schaltern und Steckdosen nachrüsten lassen. Das Unternehmen, das früher unter dem Namen Allterco firmierte, hatte sich schon vor Jahren zum beliebtesten Heimautomatisierungs-Anbieter in Deutschland und Italien entwickelt. Mittlerweile positioniert sich Shelly zunehmend als softwaregetriebene Plattform für das Energiemanagement im Haushalt.
Genau darauf zielt Schneider Electric ab. Der Konzern mit weltweit rund 160.000 Beschäftigten will Shellys Plattform mit seinem eigenen Portfolio für Wohngebäude, Sanierungsprojekte und kleinere Gewerbeimmobilien kombinieren. Frederic Godemel, Executive Vice President für Energiemanagement bei Schneider Electric, spricht von der „nächsten Stufe der Energy Intelligence“. Shelly bringe laut Godemel besondere Stärken bei Konnektivität in großem Maßstab, bei der Interoperabilität mit anderen Systemen und beim Energiemanagement im Eigenheim mit. Damit könne Schneider die physische und die digitale Welt in Wohnhäusern und kleinen Gebäuden besser verbinden.
Strategisch passt der Zukauf in einen Markt, der durch Photovoltaik, Wärmepumpen, Heimspeicher und E-Autos rasant komplexer wird. Wer die Stromflüsse im Haushalt steuert, sitzt an einer zentralen Stelle der Energiewende. Gerade der Nachrüstmarkt ist dabei attraktiv: Shelly-Geräte lassen sich ohne großen Umbau in bestehende Installationen einbauen.
Starke Konkurrenz im Smart Home
Schneider Electric ist mit dem Kauf nicht allein unterwegs. Der Rivale Legrand hat sich bereits vor Jahren mit Netatmo einen Smart-Home-Spezialisten einverleibt, auch ABB, Siemens und Bosch mit seinem Smart-Home-System sind im Segment aktiv. Im DACH-Raum konkurrieren außerdem Anbieter wie eQ-3 mit Homematic IP, AVM mit seinen Fritz-Smart-Home-Produkten und der Münchner Heizungsspezialist tado um die Gunst der Kund:innen. Schneider selbst bietet unter der Marke Wiser bereits eigene Smart-Home-Lösungen an, mit Shelly käme nun eine im Nachrüstsegment deutlich größere Reichweite hinzu.
Die nächsten Schritte
Formal wird das Angebot von der Schneider-Tochter SE 2026 A gelegt. Zunächst prüft die bulgarische Finanzaufsicht FSC die Unterlagen, danach wird die Angebotsunterlage mit allen Bedingungen veröffentlicht und die Annahmefrist für die Aktionär:innen startet. Zusätzlich sind die wettbewerbsrechtlichen Freigaben sowie die üblichen weiteren behördlichen Genehmigungen nötig.
Beraten wird Schneider Electric von der Deutschen Bank als alleinigem Finanzberater, die UniCredit Bulbank fungiert als in Bulgarien zugelassener Wertpapierdienstleister. Rechtlich wird der Konzern von den Kanzleien Boyanov & Co. und Bredin Prat begleitet.

