Nox gegen Nightjet: Nachtzug-Startup startet ab 65 Euro in Deutschland
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Die ÖBB bekommen auf der Strecke Hamburg–München Konkurrenz von einem Startup mit Hotelambitionen. Das Berliner Unternehmen Nox Mobility hat soeben auf der Bahnmesse InnoTrans in Berlin seinen ersten fertigen Waggon enthüllt und gleichzeitig den Ticketverkauf gestartet. Ab Ende März 2027 fährt Nox dreimal pro Woche in jede Richtung zwischen Hamburg und München, Tickets gibt es ab 65 Euro für die einfache Fahrt.
Abends einsteigen, morgens im Büro
Unterwegs hält der Zug in Bremen und Augsburg, jeweils am Hauptbahnhof. Der Fahrplan ist klar auf Geschäftsreisende zugeschnitten:
- Hamburg nach München: Abfahrt um 21:22 Uhr, Bremen um 22:30 Uhr, Augsburg um 7:35 Uhr, Ankunft in München um 8:14 Uhr
- München nach Hamburg: Abfahrt um 21:20 Uhr, Augsburg um 21:51 Uhr, Bremen um 7:20 Uhr, Ankunft in Hamburg um 8:27 Uhr
Richtung Süden fährt Nox laut Berliner Zeitung montags, mittwochs und freitags, Richtung Norden sonntags, dienstags und donnerstags. Nox setzt dabei bewusst auf Verlässlichkeit statt Tempo: Der Fahrplan enthält zwei Stunden Puffer, im Schnitt ist der Zug mit rund 70 km/h unterwegs. So soll er trotz Baustellen im deutschen Bahnnetz pünktlich ankommen. Gebucht wird über die Website von Nox.
Suite statt Sechserabteil
Das Herzstück ist die „Nox Suite“: ein eigener Bereich für jede:n Fahrgast mit großem Sitz, einem Tisch zum Arbeiten und Essen, Stauraum für großes Gepäck und Steckdosen in Reichweite. In der Lounge-Position bietet der Sitz zwei Meter Platz zum Ausstrecken entlang des Fensters. An Bord verspricht Nox Design und Service wie im Boutique-Hotel.
„Nachtzugfahren heißt in Europa bis heute: Man teilt sich eine Kabine mit vier Fremden und hofft, dass die Fahrt einigermaßen erträglich wird“, sagt Mitgründer Thibault Constant. Eine Nacht im Nox-Zug solle alles vereinen, was sonst drei Buchungen braucht: die Fahrt, die Übernachtung und den Morgen am Ziel. „Der Zug ist das Herzstück, aber erst der Anfang.“ Über die eigene Buchungsplattform sollen künftig auch Duschen, Coworking-Plätze oder Hotelzimmer am Zielort buchbar sein.
Ganz private Abteile gibt es zum Start allerdings noch nicht. Die abgeschlossenen „Nox Rooms“ für eine oder zwei Personen zeigt Nox auf der InnoTrans erst als Ausblick, sie sollen ab 2029 Teil der Flotte werden. Bei der Finanzierungsrunde im Frühjahr hatte Nox noch mit privaten Kabinen ab 79 Euro geworben.
Angriff auf eine der meistgeflogenen Strecken
Die Wahl der ersten Route ist kein Zufall. Hamburg–München zählt zu den meistgeflogenen Inlandsstrecken Deutschlands, 2024 waren laut Nox mehr als 1,2 Millionen Fluggäste zwischen den beiden Städten unterwegs. Mit Bremen und Augsburg bindet der Zug zudem zwei Städte an, die im Fern- und Flugverkehr bisher eher zu kurz kommen.
Für Geschäftsreisende soll sich das doppelt lohnen. Nox verweist auf die Geschäftsreiseanalyse 2026 des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR), laut der die Bahn bei Inlandsreisen inzwischen deutlich vor dem Flugzeug liegt, wegen Kosten, CO2-Bilanz und nutzbarer Arbeitszeit. Die meisten der 116,1 Millionen Geschäftsreisen in Deutschland dauerten 2025 laut der Analyse ein bis drei Tage. Wer abends einsteigt und morgens mitten in der Stadt ankommt, spart sich Flughafentransfer, Sicherheitskontrolle und eine Hotelnacht.
Rückenwind kommt auch aus der Politik. „Wer die Mobilitätswende voranbringen will, muss gerade auf längeren Strecken attraktive Alternativen zum Flugzeug schaffen“, sagt Anjes Tjarks, Verkehrssenator der Freien und Hansestadt Hamburg. Die neue Verbindung stärke den Bahnverkehr in Deutschland und den Mobilitätsstandort Hamburg.
Vom Pre-Seed zum Waggon in fünf Monaten
Gegründet wurde Nox Mobility 2025 von Thibault Constant, Gründer von Simply-Railway und bekannt als „Trainfluencer“, dem früheren FlixTrain-Projektmanager Janek Smalla und dem Mobility-Unternehmer und Investor Artur Hasselbach. Im Frühjahr sammelte das Startup 2 Millionen Euro Pre-Seed-Kapital ein, angeführt von IBB Ventures, dem Risikokapitalarm der Investitionsbank Berlin. Mit an Bord sind der italienische Investor Tommaso Lucca und HomeToGo-Mitgründer und CEO Patrick Andrae.
Fünf Monate nach der Finanzierung steht der erste fertige Waggon auf der Messe, in sechs Monaten soll er fahren. In der traditionellen Bahnbranche dauert der Aufbau neuer Verbindungen laut Nox üblicherweise mehr als fünf Jahre. „Hier entsteht eine eigenständige Reisekategorie neben Fliegen und Hotellerie“, sagt Roman Pimonov, Senior Investment Manager bei IBB Ventures. Die Ambitionen sind groß: Bis 2035 will Nox ein Netz aus 100 europäischen Städten aufbauen.
Die Konkurrenz fährt schon
Leicht wird es für das Startup trotzdem nicht. Auf derselben Strecke fährt bereits der Nightjet der ÖBB, mit Sitzwagen, Liegewagen und Schlafwagen sowie den neuen Mini Cabins. Laut Deutscher Bahn gibt es Tickets ab 34,90 Euro, allerdings im Sitzwagen. Nox setzt dagegen auf mehr Privatsphäre, Platz zum Arbeiten und ein Hotelgefühl, das seinen Preis hat.
Auch andere Anbieter versuchen sich am Nachtzug-Comeback. Das niederländisch-belgische European Sleeper verbindet etwa Brüssel und Amsterdam mit Berlin und Prag. Für Nox wird entscheidend, ob Reisende für mehr Komfort tatsächlich mehr bezahlen, und ob das Startup im überlasteten deutschen Schienennetz sein Pünktlichkeitsversprechen halten kann.





