The Exploration Company: SpaceTech erhält 760 Millionen Euro Auftrag von der ESA
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Es ist der größte Auftrag, den die Europäische Weltraumorganisation ESA je an ein europäisches Raumfahrt-Startup vergeben hat: Beim International Space Summit in Paris hat die ESA soeben einen Servicevertrag mit The Exploration Company (TEC) unterzeichnet. Das deutsch-französische Unternehmen soll mit seiner wiederverwendbaren Kapsel Nyx eine europäische Transportverbindung in den niedrigen Erdorbit aufbauen, also Fracht zur Internationalen Raumstation ISS bringen und wieder zurück zur Erde. Das Vertragsvolumen beträgt bis zu 760 Millionen Euro.
Aufgeteilt ist der Auftrag in zwei Teile: 310 Millionen Euro entfallen auf die Demo-Mission, weitere 450 Millionen Euro auf zwei optionale Servicemissionen, die später bestätigt werden sollen. Ziel sind ein erster Demonstrationsflug einer Nyx-Kapsel zur ISS sowie zwei weitere Frachtmissionen zur ISS oder zu einer künftigen kommerziellen Raumstation.
Aus LCRS wird ALADDIN
Der Auftrag ist die zweite Phase eines Programms, das die ESA-Mitgliedsstaaten bereits 2022 als Leo Cargo Return Service (LCRS) auf den Weg gebracht hatten. Europäische Unternehmen sollten dabei Konzepte für einen Frachtdienst zu Raumstationen im niedrigen Erdorbit vorlegen. Zwei Projekte wurden ausgewählt und mit jeweils 25 Millionen Euro Anschubfinanzierung ausgestattet.
Bei der ESA-Ministerratskonferenz im November 2025 bekräftigten die Mitgliedsstaaten das Vorhaben, das nun unter neuem Namen in Phase 2 geht: ALADDIN, kurz für „Autonomous LEO Accelerated Demo Docking to ISS Node“. Der Name betont zwei Punkte, die für die ESA zentral sind: ein beschleunigter Zeitplan und der Nachweis eines autonomen Andockmanövers an der ISS innerhalb eines engen Zeitfensters. Die Ausschreibung lief seit dem Frühjahr, in Phase 2 geht es von der frühen Entwicklung zur Fertigstellung des Gesamtsystems und zur Demonstration im Orbit.
„Europa macht einen großen Schritt in Richtung mehr Autonomie im All“, sagt ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher. „Die heutige Vereinbarung mit The Exploration Company zeigt, wie die ESA als Ankerkundin auftreten kann, um Europas kommerziellen Raumfahrtsektor zu stärken.“ Daniel Neuenschwander, ESA-Direktor für bemannte und robotische Exploration, verweist darauf, dass TEC Technologien entwickle, „die in Europa bleiben und eine ganze Reihe strategischer Industrien stützen werden“.
40 Prozent kommen von privaten Investor:innen
Bemerkenswert an der Konstruktion: TEC musste im Rahmen der Ausschreibung nicht nur technische Reifegrade nachweisen, sondern auch 40 Prozent der Finanzierung für die Nyx-Demonstration aus privater Hand aufbringen. Die restlichen 60 Prozent trägt die ESA. Damit verschiebt sich das europäische Modell in Richtung kommerziell erbrachter Dienstleistungen, bei denen öffentliche Agenturen als Ankerkund:innen auftreten, ähnlich wie es die NASA in den USA seit Jahren praktiziert.
„Das ist mehr als eine Auftragsvergabe, es spiegelt einen Wandel darin wider, wie wir in Europa Raumfahrttechnologie bauen“, sagt Hélène Huby, CEO und Gründerin von The Exploration Company. „Wir haben die Entwicklung von Nyx ausschließlich mit privatem Kapital begonnen und sind nun auf einem technischen Reifegrad, auf dem öffentliche Mittel von ESA und Mitgliedsstaaten uns massiv unterstützen können.“ Es sei zudem das erste Mal in Europa, dass ein fünf Jahre altes Weltraum-Startup einen Auftrag im dreistelligen Millionenbereich im offenen Wettbewerb gewinne.
Rekord-Series-C kurz zuvor
Der ESA-Auftrag folgt unmittelbar auf die größte Series-C-Runde, die ein europäisches SpaceTech je aufgenommen hat. Wie Trending Topics berichtete, holte sich The Exploration Company kürzlich 450 Millionen US-Dollar frisches Kapital, angeführt von Bessemer Venture Partners, Atomico und dem von EQT verwalteten Scaleup Europe Fund. Auch die Bestandsinvestoren Balderton, Plural, Cherry und Red River West zogen mit. Insgesamt hat das Unternehmen damit rund 680 Millionen Dollar eingesammelt.
Das Geld soll in den industriellen Hochlauf fließen, konkret in Engineering, Fertigung, Missionsbetrieb und Antriebstechnik. Neben Nyx arbeitet TEC am wiederverwendbaren Triebwerk Storm, das mit Flüssigsauerstoff und Biomethan läuft und die Basis für eine europäische Schwerlastrakete mit 40 Tonnen Nutzlast bilden soll. Nyx selbst ist als wiederverwendbare, im Orbit betankbare Kapsel ausgelegt und soll bis zu 3.000 Kilogramm Fracht zur Erde zurückbringen. Ein Demonstrator-Flug im Vorjahr endete mit einem Teilerfolg, die Kapsel ging bei der Wasserung verloren.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Die Nachfrage im globalen Raumfahrtsektor wächst, getrieben von Konnektivität, Exploration, Verteidigung und neuer Infrastruktur im niedrigen Erdorbit. Mit dem Auslaufen der ISS gegen Ende des Jahrzehnts und dem Aufbau kommerzieller Raumstationen entsteht ein Markt, in dem Europa bisher keine eigene Transportkapazität besitzt.

