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Oakley Capital übernimmt Mehrheit an Graphwise

Andreas Blumauer und Atanas Kiryakov, nunmehr Graphwise. © Graphwise
Andreas Blumauer and Atanas Kiryakov © Graphwise

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Wenn ein Sprachmodell im Unternehmenseinsatz eine Zahl erfindet, hilft weder ein größeres Modell noch ein besserer Prompt. Es fehlt an einer verlässlichen Faktenbasis. Genau dort setzt Graphwise an: Das Unternehmen baut Wissensgraphen, also maschinenlesbare Landkarten des Unternehmenswissens, in denen Verträge, Produktdaten, Studien oder Kundenakten nicht als lose Dokumente liegen, sondern als miteinander verknüpfte Fakten mit klarer Bedeutung. Ein Sprachmodell greift dann nicht mehr blind in einen Textberg, sondern folgt einer geprüften Struktur. In der Fachsprache heißt dieser Ansatz GraphRAG, im Marketing von Graphwise „Semantic Backbone“. Kunden sind vor allem Organisationen, die sich Fehler schlecht leisten können: Finanzdienstleister, Life Sciences, öffentlicher Sektor.

Dieses Geschäft hat nun einen neuen Mehrheitseigentümer. Der paneuropäische Private-Equity-Investor Oakley Capital hat soeben bekannt gegeben, die Mehrheit an Graphwise zu übernehmen. Das Investment läuft über Oakleys Fund VI, der vor kurzem bei einem Hard Cap von 4,5 Milliarden Euro geschlossen wurde. Kaufpreis und exakte Beteiligungshöhe wurden nicht veröffentlicht.

Verkauft hat ein Investorenkonsortium unter Führung der Integral Capital Group, dem auch PortfoLion Capital Partners, Carpathian Partners und die Osteuropabank EBRD angehörten. Dieses Konsortium war bereits vor jener Fusion an Bord, aus der Graphwise überhaupt erst entstand. Das Gründer- und Managementteam bleibt: Atanas Kiryakov, Präsident und Mitgründer, führt das Unternehmen weiter. Oakley nennt als Ziele die kommerzielle Expansion, den Ausbau der Go-to-Market-Organisation, mehr Präsenz in internationalen Kernmärkten und Zukäufe in einem als stark fragmentiert beschriebenen Markt. Das organische Wachstum soll bei rund 30 Prozent pro Jahr liegen.

Eine junge Marke mit zwei alten Firmen dahinter

Die Marke Graphwise ist zwei Jahre jung, die Substanz dahinter deutlich älter. Das Unternehmen entstand 2024 aus dem Zusammenschluss der Wiener Semantic Web Company, gegründet Mitte der 2000er-Jahre, und der im Jahr 2000 in Sofia gegründeten Ontotext – Details dazu in der Berichterstattung zur Fusion auf Trending Topics.

Beide arbeiteten lange vor dem aktuellen KI-Boom an semantischen Technologien, Wissensmodellierung und Text Mining, also an genau jenen Werkzeugen, die durch die Schwächen der Sprachmodelle plötzlich wieder gefragt sind. Zusammengelegt wurden die Datenbank GraphDB von Ontotext und die Metadaten- und Modellierungssoftware der Wiener.

Kommuniziert wurde der Merger damals als Zusammenschluss auf Augenhöhe. Andreas Blumauer, davor CEO der Semantic Web Company, sagte im Interview mit Trending Topics: „Ontotext ist etwas größer, aber es ist durchaus ein Zusammenschluss auf Augenhöhe. Es ist keine Übernahme, sondern ein klassischer Merger.“ Kiryakov, zuvor CEO von Ontotext, wurde President, Blumauer SVP Growth. Zu den Anteilsverhältnissen gab es auch damals keine Angaben.

Für den Wiener Teil kam der Zusammenschluss in einer angespannten Phase. Die Semantic Web Company musste zum Jahreswechsel 2023/2024 sparen und umstrukturieren, nachdem höhere Investitionen rund um generative KI, Kundenverluste, Inflation und gestiegene Personalkosten zusammengekommen waren. Ausgerechnet die Technologiewelle, die das Geschäft zunächst unter Druck setzte, liefert nun das Verkaufsargument.

Heute nennt Graphwise Wien und Sofia als Kernstandorte, dazu kommen Nordamerika und die APAC-Region. Nach eigenen Angaben betreut das Unternehmen weltweit mehr als 200 Blue-Chip-Kunden. Zum Zeitpunkt des Mergers waren es rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, etwa ein Drittel davon in der DACH-Region.

Das Versprechen: weniger Halluzinationen, niedrigere Kosten

Graphwise argumentiert mit drei Effekten: weniger faktische Fehler, nachvollziehbare und damit prüfbare Ergebnisse sowie sinkende Token-Kosten, weil die KI gezielter auf relevante Informationen zugreift. Untermauert wird das mit einer Gartner-Prognose, wonach semantische Kohärenz zu einer zentralen Kosten- und Vertrauensstrategie werde. Bis 2027 könne die Genauigkeit agentenbasierter KI durch Semantik in der Datenaufbereitung um bis zu 80 Prozent steigen, die Kosten um bis zu 60 Prozent sinken. Die Zahlen stammen aus der Kommunikation des Unternehmens.

Als zweites Verkaufsargument dient KI-Souveränität. Gemeint ist die Möglichkeit, Kontrolle über eigene Daten und Entscheidungswege zu behalten, statt sich vollständig an einzelne große Plattformanbieter zu binden. Ein europäischer Eigentümer passt in diese Erzählung, auch wenn Private Equity naturgemäß eigenen Renditelogiken folgt.

„KI verändert die Art und Weise, wie jede Organisation arbeitet. Das macht vertrauenswürdige, gut verwaltete Daten heute wichtiger denn je“, sagt Peter Dubens, Gründer und Managing Partner von Oakley Capital. Kiryakov ergänzt: „Wir freuen uns sehr über diese neue Partnerschaft mit Oakley, da ihr Team sowohl unsere Technologie als auch unsere Ambitionen versteht. Mit Oakley als paneuropäischem Investor im Rücken sind wir besser denn je positioniert, um global als KI-Enabling-Platform aufzutreten.“

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