Atomkraft

Amazon finanziert zwölf Mini-Atomreaktoren auf altem Kohlekraftwerk

Amazon Web Services. © AWS
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Wo früher Kohle verfeuert wurde, sollen bald Rechenzentren mit Atomstrom laufen: Amazon finanziert die Entwicklung eines Atomkraftwerks mit 960 Megawatt Leistung im US-Bundesstaat Indiana. Gebaut werden sollen dort zwölf kleine modulare Reaktoren (SMR) des Startups X-energy, betreiben soll die Anlage der Energieversorger American Electric Power (AEP). Das haben die drei Unternehmen am Montag angekündigt.

Zwölf Reaktoren mit Helium-Kühlung

Standort ist das Gelände des stillgelegten Kohlekraftwerks Breed im Sullivan County, südlich der Stadt Terre Haute. AEP gehört die Fläche bereits. Zum Einsatz kommen soll der Reaktor Xe-100 von X-energy, ein gasgekühlter Hochtemperaturreaktor mit jeweils 80 Megawatt Leistung, der mit Helium gekühlt wird und spezielle kugelförmige Brennelemente nutzt. Zwölf Stück ergeben zusammen knapp ein Gigawatt. Der Strom soll ins öffentliche Netz fließen, Amazon will ihn als erster Abnehmer auch für seine Rechenzentren nutzen.

Wie viel Geld Amazon in das Projekt steckt, verraten die Partner nicht. Der Konzern stellt Entwicklungskapital bereit, das in Tranchen je nach Projektfortschritt fließt, und will laut Mitteilung seine Projektkosten vollständig selbst tragen, statt sie an andere Stromkund:innen weiterzugeben. Noch ist das Kraftwerk ein Plan: Die drei Partner haben eine gemeinsame Entwicklungsvereinbarung unterzeichnet, um die Machbarkeit zu prüfen. Einen Baubeginn oder ein Datum für die Inbetriebnahme nennen sie nicht.

Amazons großer Atom-Plan

Für Amazon und X-energy ist es das zweite gemeinsame Kraftwerksprojekt und dreimal so groß wie das erste. Bereits im Oktober 2024 hatte Amazon eine Finanzierungsrunde über 700 Millionen Dollar (rund 625 Millionen Euro) bei X-energy angeführt und ein Projekt mit dem Versorger Energy Northwest im Bundesstaat Washington angekündigt. Gemeinsam wollen die Unternehmen bis 2039 mehr als 5 Gigawatt neue Atomkraft-Kapazität in den USA ans Netz bringen. Erst vor wenigen Wochen hat Amazon zudem einen 20-Jahres-Vertrag mit Constellation für das Atomkraftwerk Calvert Cliffs in Maryland abgeschlossen, mit dem dessen Leistung um rund 190 Megawatt steigen soll.

Amazon ist mit dieser Strategie nicht allein. Microsoft lässt sich von Constellation einen Reaktor im früheren Atomkraftwerk Three Mile Island wieder hochfahren, Google setzt auf Mini-Reaktoren des Startups Kairos Power, und Meta hat sich ebenfalls Atomstrom für seine KI-Rechenzentren gesichert. Hinter dem Ansturm steht der enorme Strombedarf durch KI. Wie schnell sich solche Projekte genehmigen lassen, zeigte kürzlich die US-Atomaufsicht, die den ersten kommerziellen Mini-Reaktor der USA in Tennessee freigegeben hat.

Die Skepsis bleibt

Der Zeitplan ist allerdings ehrgeizig, wie TechCrunch anmerkt. Denn X-energy hat noch keinen einzigen Reaktor gebaut. Das erste Kraftwerk mit vier Xe-100 soll auf dem Gelände des Chemiekonzerns Dow in Texas entstehen, doch dort ist noch kein Spatenstich erfolgt, die Baugenehmigung befindet sich in der Schlussphase der Prüfung. Zudem hat der Bundesstaat Texas Dow wegen Verstößen gegen Umweltauflagen auf dem Gelände verklagt.

Auch grundsätzlich gibt es Zweifel: Die zuletzt in den USA gebauten Atomkraftwerke haben Budget und Zeitplan massiv überschritten. Die SMR-Branche hofft, dass Serienfertigung die Kosten senkt, laut Expert:innen dauert es aber oft rund ein Jahrzehnt, bis sich solche Effekte zeigen. An der Börse ist die Euphorie bereits verflogen: X-energy ging im April zu 23 Dollar (rund 20,50 Euro) pro Aktie an die Nasdaq, seither hat das Papier fast zwei Drittel seines Werts verloren. Die Amazon-Nachricht ließ den Kurs vorbörslich um rund 10 Prozent steigen, im Handel blieb davon aber kaum etwas übrig.

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