Timestral: Mistral greift NXAI bei Zeitreihen-Modellen an
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Erst hat Mistral den Linzer Ableger gekauft, jetzt rückt es der Mutter auf die Pelle: Der französische KI-Konzern hat mit Timestral soeben seine ersten Modelle für Zeitreihen-Prognosen vorgestellt. Damit betritt Mistral ein Feld, in dem das Linzer KI-Startup NXAI rund um Sepp Hochreiter mit seinem Modell TiRex mitmischt. Pikant: Aus genau diesem NXAI ist Emmi AI hervorgegangen, das Mistral heuer übernommen hat.
Vier Modelle, die ohne Grafikkarte auskommen
Timestral besteht aus vier Modellen mit 5, 28, 123 und 209 Millionen Parametern, also winzig im Vergleich zu Sprachmodellen. Sie sagen voraus, wie sich Messreihen entwickeln, etwa Stromverbrauch, Lieferketten, Serverlast oder Sensordaten aus Maschinen. Die Modelle können bis zu 32.768 vergangene Datenpunkte einlesen und in einem Durchgang bis zu 1.024 Schritte in die Zukunft prognostizieren, auch für mehrere zusammenhängende Messreihen gleichzeitig.
Das Verkaufsargument ist die Effizienz. Laut Mistral laufen alle vier Modelle auf normalen Server-Prozessoren, eine Grafikkarte ist nicht nötig. Eine Tagesprognose auf Basis von drei Wochen Messdaten im 15-Minuten-Takt dauert mit dem größten Modell rund 140 Millisekunden, mit dem kleinsten rund 10 Millisekunden. Die Gewichte stehen unter einer angepassten MIT-Lizenz auf Hugging Face, für Unternehmen bietet Mistral Feintuning mit eigenen Daten und den Betrieb im eigenen Rechenzentrum an.
Platz eins, sagt Mistral
Laut Mistral liegt das größte Modell auf drei gängigen Ranglisten für Zeitreihen-Modelle (GIFT-Eval, TIME und fev-bench) auf dem ersten Platz unter den vortrainierten Modellen. In den eigenen Vergleichstabellen schlägt es Googles TimesFM-3, Amazons Chronos-2 und Toto von Datadog. Das 28-Millionen-Modell soll Chronos-2 übertreffen, obwohl dieses rund viermal so groß ist.
In Mistrals eigenen Grafiken taucht auch NXAI auf. Das Linzer Startup hatte im Vorjahr mit TiRex, das auf der xLSTM-Architektur basiert, die Spitze von GIFT-Eval erobert und dabei Google, Amazon und Salesforce hinter sich gelassen, mit nur 35 Millionen Parametern. Im Juli folgte TiRex-2 mit 82,5 Millionen Parametern, das nun auch mehrere Messreihen gemeinsam verarbeitet. Ein Vorteil der xLSTM-Technik: Kommen neue Messwerte hinzu, muss TiRex-2 nicht die gesamte Vorgeschichte neu berechnen, die Kosten pro Schritt bleiben laut den NXAI-Forscher:innen konstant.
An der Spitze steht TiRex inzwischen aber nicht mehr, das Feld hat sich schnell bewegt. In Mistrals Top 10 auf fev-bench landet TiRex-2 mit einem Skill-Score von 45,5 auf Platz sieben, hinter Timestral (50,4), t0-gamma von The Forecasting Company (49,4), Googles TimesFM-3 (49,0), Amazons Chronos-2 (47,3), Lingjiang 2.0 (47,0) und t0-beta (46,6). Auf GIFT-Eval kommt die Zero-Shot-Variante von TiRex-2 in Mistrals Daten auf einen MASE-Wert von 0,697, Timestral auf 0,658, niedriger ist dort besser. Laut Mistrals Zahlen schlägt sogar das kleine Timestral-Modell mit 28 Millionen Parametern TiRex-2 auf beiden Ranglisten. Bis zum Start von Timestral zählte TiRex-2 laut Mistrals Daten allerdings noch zu den genauesten Modellen seiner Größenklasse.
Endgültig ist das Ranking noch nicht. Mistrals Zahlen sind selbst berichtet, eine unabhängige Bestätigung auf den Ranglisten stand bei der Veröffentlichung noch aus. Der Vorsprung auf t0-gamma ist zudem knapp, auf GIFT-Eval beträgt er nur 0,003 Punkte.
Von NXAI über Emmi AI zu Mistral
Die Konstellation hat eine Vorgeschichte in Linz. Emmi AI wurde Ende 2024 als Spin-off von NXAI und der Johannes Kepler Universität gegründet und spezialisierte sich auf KI-Modelle, die physikalische Prozesse simulieren, etwa für Crashtests oder die Stabilisierung von Stromnetzen. Heuer übernahm Mistral das Startup, laut einem Bericht von Sifted bei einer Bewertung von bis zu 330 Millionen Euro. Linz soll seither zum Zentrum für Mistrals Industrie-KI ausgebaut werden.
Ob das Linzer Team an Timestral mitgearbeitet hat, geht aus Mistrals Ankündigung nicht hervor. Fest steht: Mit Timestral zielt Mistral auf genau jene Industriekund:innen, die NXAI mit TiRex umwirbt, von der Automobilindustrie bis zur Energiewirtschaft. NXAI wiederum setzt darauf, dass TiRex auch auf Steuerungen, Industrie-PCs und anderen kleinen Geräten direkt an der Maschine läuft.

