Agentic Firmenbuch: Das Firmenbuch zum Ausfragen per KI
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Bilanzen wälzen war gestern, jetzt fragt man einfach Claude: Der Wiener Jakob Neugebauer hat mit Agentic Firmenbuch einen Dienst gebaut, über den KI-Assistenten direkt auf das österreichische Firmenbuch zugreifen können. Wer etwa wissen will, welche Maschinenbauer in Oberösterreich mehr als 40 Prozent Eigenkapitalquote haben und zuletzt gewachsen sind, stellt die Frage in natürlicher Sprache und bekommt eine Liste samt Quellenangabe. Seit Kurzem verlangt Neugebauer dafür Geld.
Ein Ein-Personen-Projekt aus Wien
Hinter Agentic Firmenbuch steht laut Impressum Jakob Neugebauer aus Wien, eine eigene Firma oder Investor:innen nennt die Website nicht. Neugebauer beschreibt das Projekt als unabhängiges Produkt mit kurzen Entscheidungswegen. Gestartet ist es Ende Juni als kostenloser Open-Source-Dienst: Im Open-Data-Portal data.gv.at ist Agentic Firmenbuch seither als „freier, quelloffener, gehosteter MCP-Server“ gelistet, der Code liegt auf GitHub. Inzwischen ist daraus ein kostenpflichtiges Produkt mit Web-App, Abos und Firmenkund:innen-Angebot geworden.
Woher die Daten kommen
Die Grundlage ist frei verfügbar. Das Justizministerium stellt die Daten des Firmenbuchs inklusive veröffentlichter Jahresabschlüsse als offene Daten unter der Lizenz CC BY 4.0 bereit. Agentic Firmenbuch bereitet diese Daten auf, berechnet Kennzahlen wie Eigenkapitalquote, Verschuldung, Margen und Wachstum und macht sie durchsuchbar. Laut Website umfasst die Datenbank rund 350.000 österreichische Unternehmen, Neueintragungen, Löschungen und Kapitaländerungen werden täglich aktualisiert. Strukturierte Bilanzkennzahlen gibt es ab dem Geschäftsjahr 2022, ältere Jahre als Original-PDF.
Dazu kommen rund 1,63 Millionen deutsche Unternehmen aus dem Handelsregister. Für Deutschland sind bisher allerdings nur Stammdaten verfügbar, Bilanzzahlen laufen erst als Pilot für einzelne Regionen. Eine Garantie auf Vollständigkeit gibt Neugebauer nicht: Im Zweifel gilt das offizielle Firmenbuch.
So kommt das Firmenbuch in Claude und Co
Technisch ist Agentic Firmenbuch ein MCP-Server. Das Model Context Protocol ist ein offener Standard, über den KI-Assistenten auf externe Datenquellen zugreifen. Laut der Anleitung auf der Website funktioniert die Einbindung so:
- Claude: Der Dienst ist als Connector im Verzeichnis von Claude gelistet und lässt sich mit einem Klick verbinden, alternativ über die Server-Adresse mcp.agentic-firmenbuch.at/mcp in den Einstellungen. Angemeldet wird man per E-Mail-Code, ein API-Schlüssel ist nicht nötig.
- Cursor, VS Code und Claude Code: Die Anbindung läuft gleich wie bei Claude per E-Mail-Code. Auch GitHub Copilot wird als kompatibel genannt.
- Eigene Agenten und Server: Für automatisierte Abläufe erstellt man in der Web-App einen API-Schlüssel und trägt ihn in die MCP-Konfiguration ein.
ChatGPT erwähnt die Website nicht. Wer keinen KI-Assistenten nutzt, kann die Daten auch über die Web-App durchsuchen, einzelne Firmenprofile sind dort gratis.
Das kosten die Abfragen
Abgerechnet wird über Credits, ein Credit entspricht grob einem Unternehmen in einer Ergebnisliste. Fehlgeschlagene Abfragen sind gratis. Die Preise laut Preisseite, jeweils ohne Mehrwertsteuer:
- Testen: 50 Gratis-Credits beim ersten Verbinden über Claude, 90 Tage gültig
- Pay-as-you-go: ab 50 Euro für 500 Credits, das sind 10 Cent pro Credit. Größere Pakete werden günstiger, bis zu 3.000 Euro für 50.000 Credits (6 Cent pro Credit). Die Credits gelten zwölf Monate.
- Pro: 79 Euro pro Monat oder 790 Euro pro Jahr für 1.500 Credits monatlich, für eine Person, monatlich kündbar
- Enterprise: individuelle Preise ab 50.000 Credits, mit mehreren Nutzer:innen, täglichem Datenabgleich ins eigene System und einem Live-Feed zu neuen und gelöschten Firmen
Eine typische Rechercheanfrage kostet laut Website drei bis sechs Credits, also rund 30 bis 60 Cent. Als Zielgruppen nennt die Website M&A-Berater:innen und Investor:innen, die Übernahmekandidaten suchen, Vertriebsteams auf Lead-Suche und Marktforscher:innen.
Konkurrenz um die Firmendaten
Allein ist Neugebauer mit der Idee nicht. Das Recherchetool firmenbuch.ai der winkk GmbH baut ebenfalls auf den Firmenbuchdaten des Justizministeriums auf und bietet Zugang für KI-Agenten per MCP. Etablierte Anbieter wie Compass und KSV1870 in Österreich oder North Data in Deutschland verkaufen Firmen- und Bilanzdaten seit Jahren. Auch für den M&A-Bereich gibt es spezialisierte Startups, etwa Comparables.ai, das kürzlich 6 Millionen Dollar eingesammelt hat, um Übernahmeziele per KI aufzuspüren.

