Crate.io macht Rolle rückwärts: Nach US-Ausflug jetzt in Liechtenstein
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Zehn Jahre San Francisco, jetzt wieder Alpenblick: Das ursprünglich in Dornbirn gegründete Datenbank-Startup Crate.io hat seinen Hauptsitz aus den USA zurück nach Europa verlegt. Eigentümerin des Unternehmens und seiner Open-Source-Datenbank CrateDB ist ab sofort die neu gegründete Crate.io AG mit Sitz in Vaduz, Liechtenstein, wie das Unternehmen soeben bekannt gegeben hat. Der Grund für die Heimkehr: Europäische Kund:innen wollen wissen, wem ihre Datenbank gehört.
Von Dornbirn nach San Francisco und zurück
Gegründet wurde Crate 2013 von Christian Lutz, Bernd Dorn und Jodok Batlogg in Dornbirn. 2014 gewann das Startup den Wettbewerb bei TechCrunch Disrupt Europe in London, 2016 holte es 3,6 Millionen Euro unter anderem von Dawn Capital, Speedinvest und Docker-Gründer Solomon Hykes. Noch im selben Jahr verlegte Crate seinen Hauptsitz nach San Francisco, die Entwicklung blieb großteils in Vorarlberg. 2018 folgte eine Series A über 11 Millionen Dollar unter Führung von Zetta Ventures aus San Francisco, 2021 eine weitere Runde über 10 Millionen Dollar.
Neue Eigentümer:innen, alte Investor:innen bleiben in den USA
Nun geht es den umgekehrten Weg, und zwar über einen Verkauf. Die Crate.io AG hat alle Vermögenswerte der US-Gesellschaft Crate.io Inc. erworben, heißt es seitens des Unternehmens auf Anfrage von Trending Topics. Dazu gehört auch die österreichische Tochter Crate.io AT GmbH, die das operative Geschäft und das geistige Eigentum hält. Die Crate.io Inc. bleibt bestehen, ebenso ihre Gesellschafter:innen: Die früheren Investoren wie Molten Ventures (vormals Draper Esprit), Zetta, Vito Ventures, Dawn Capital und Speedinvest sind laut Unternehmen weiterhin an der Inc. beteiligt, genauso wie die Gründer Christian Lutz, Jodok Batlogg und Bernd Dorn. Dort habe es keine Veränderungen gegeben. Eine Beteiligung an der neuen AG erwähnt Crate.io für sie nicht, auch einen Kaufpreis nennt das Unternehmen nicht.
Wem die Crate.io AG gehört, bleibt offen. Die Eigentümer:innen und Investor:innen seien private Investoren, die nicht öffentlich genannt werden wollen, heißt es seitens des Unternehmens. Sie alle würden die Mission unterstützen, als europäisches Unternehmen die Anforderungen der Kund:innen an Datensouveränität zu erfüllen. Den Vorsitz im Board hat Alois Flatz, dessen Investmentfirma Flatz & Partners AG ebenfalls in Vaduz sitzt und sich bereits 2021 an einer Finanzierungsrunde von Crate beteiligt hatte. Zur Höhe der neuen Finanzierung gibt Crate.io keine Auskunft. Das Unternehmen beschäftigt laut eigenen Angaben 33 Mitarbeiter:innen, 21 davon in Österreich und Deutschland.
Souveränität als Verkaufsargument
CEO Robert Ekstrom begründet den Schritt mit der Nachfrage. Für Betreiber kritischer Infrastruktur, regulierte Branchen und den öffentlichen Sektor sei Datensouveränität inzwischen kaufentscheidend. „Funktionen und Preis alleine reichen nicht mehr aus. Wem die Technologie gehört und welchem Recht sie unterliegt, ist ebenso wichtig“, so Ekstrom. Europäisches Hosting allein reiche dafür nicht aus.
CrateDB ist eine verteilte SQL-Datenbank, die Zeitreihen, Text und Vektoren in einer einzigen Abfrage kombiniert. Eingesetzt wird sie vor allem im industriellen Internet der Dinge, etwa für Live-Daten aus Produktionslinien, Fahrzeugflotten und Stromnetzen. Zu den Kund:innen zählen laut Crate.io der Technologiekonzern ABB, der Vorarlberger Getränkehersteller Rauch und das Videotech-Unternehmen Bitmovin.
Partnerschaft mit STACKIT
Passend zur Heimkehr hat Crate.io eine Partnerschaft mit STACKIT geschlossen, der Cloud der Schwarz Gruppe, zu der auch Lidl und Kaufland gehören. Kund:innen können direkt aus CrateDB Cloud heraus einen Cluster auf STACKIT starten, die Infrastruktur läuft ausschließlich in europäischen Rechenzentren. STACKIT gehört zu jenen vier Anbietern, die die EU-Kommission im Frühjahr für ihre souveräne Cloud ausgewählt hat. „Kunden müssen sich nicht länger zwischen Echtzeit-Performance und Datensouveränität entscheiden“, sagt Crate-CTO Sebastian Utz.
Starke Konkurrenz aus den USA
Im Markt für Echtzeit- und Zeitreihen-Datenbanken trifft Crate.io auf große Namen. Dazu zählen InfluxData mit InfluxDB und ClickHouse, beide mit Hauptsitz in den USA. Genau dort setzt Crate.io mit der Rückkehr an: Für europäische Kund:innen, denen wichtig ist, dass ihre Datenbank europäischem Recht unterliegt, soll CrateDB die naheliegende Wahl werden.

