Versteckte Preiserhöhung: OpenAI halbiert ChatGPT Pro
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Die Flatrate für KI-Agenten wird teurer, auch wenn der Preis gleich bleibt. OpenAI hat das 200-Dollar-Abo ChatGPT Pro (rund 171 Euro) neu aufgelegt, wer es jetzt abschließt, bekommt aber nur noch etwa die Hälfte der bisherigen Nutzung. Gleichzeitig führt OpenAI mit Pro 500 eine neue Stufe um 500 Dollar (rund 427 Euro) im Monat ein. Die Änderung trifft vor allem jene, die mit dem Coding-Agenten Codex oder anderen Agenten stundenlang automatisiert arbeiten lassen, und sie zeigt, wohin die Reise bei den Kosten für KI-Agenten gehen könnte.
Was sich bei ChatGPT Pro ändert
OpenAI rechnet die Nutzung in seinen Abos als Vielfaches des Plus-Abos um 20 Dollar. Bisher bekam man mit Pro 200 das 20-Fache, jetzt nur noch das 10-Fache. Die neue Stufe Pro 500 bietet das 25-Fache und als einzige Stufe den besonders schnellen Modus „Ultrafast“ für das Topmodell GPT-6 Astra. Die kleinere Pro-Stufe um 100 Dollar (rund 85 Euro), die OpenAI im Frühjahr eingeführt hat, bleibt beim 5-Fachen.
- Plus (20 Dollar): 1-fache Nutzung
- Pro 100 (100 Dollar): 5-fache Nutzung
- Pro 200 (200 Dollar): 10-fache Nutzung, bisher 20-fach
- Pro 500 (500 Dollar): 25-fache Nutzung plus Ultrafast
Damit fällt der Mengenrabatt weg: Jede Stufe kostet jetzt 20 Dollar pro Plus-Einheit, bei Pro 200 waren es bisher nur 10 Dollar. Wer schon ein Pro-200-Abo hat, behält das alte Kontingent laut OpenAI noch bis Ende Oktober. Neue Abos haben laut OpenAI ein „niedrigeres Nutzungskontingent“. Im Gegenzug fällt das bisherige Limit für Fünf-Stunden-Zeitfenster weg, abgerechnet wird nur noch pro Woche. Wer das Kontingent aufgebraucht hat, kann für Codex, ChatGPT Work und die Office-Integrationen zusätzliche Credits kaufen.
Bewertet zu API-Listenpreisen
Codex-Chef Thibault Sottiaux erklärte die Kürzung auf X sehr offen: Gemessen an den API-Listenpreisen bekomme man mit dem neuen Pro 200 unterm Strich halb so viel wie mit dem alten. Begründet wird das unter anderem damit, dass OpenAI zuletzt die API-Preise für die günstigeren Modelle GPT-6 Sol und Luna um rund 50 Prozent gesenkt hat. Wer vor allem diese Modelle nutzt, kommt also auf ähnlich viele Token wie bisher. Beim Topmodell Astra, das nicht billiger wurde, halbiert sich die Menge dagegen tatsächlich.
Wie großzügig die alten Abos waren, hatte das Analysehaus SemiAnalysis im Sommer gezeigt. Es kaufte ChatGPT- und Claude-Abos und ließ lange Coding-Aufgaben laufen, bis das Wochenlimit erreicht war. Ergebnis: Ein voll ausgereiztes Pro-Abo um 200 Dollar lieferte Token im Wert von bis zu 14.000 Dollar (rund 12.000 Euro) zu API-Listenpreisen, bei Claude Max waren es rund 8.000 Dollar. Listenpreise sind zwar nicht dasselbe wie die tatsächlichen Rechenkosten, die Differenz zeigt aber, wie stark Power-User bisher quersubventioniert wurden. ChatGPT-Chef Nick Turley hatte schon im Frühjahr in einem Podcast gesagt, unbegrenzte Pläne seien auf Dauer so sinnvoll wie ein unbegrenzter Stromtarif.
Agenten fressen Token
Für normale Chats spielt das kaum eine Rolle. Bei KI-Agenten sieht es anders aus: Sie arbeiten selbstständig über Stunden, lesen ganze Code-Basen, rufen Werkzeuge auf und prüfen ihre eigenen Ergebnisse. Jeder dieser Schritte verbraucht Token, und je länger ein Agent läuft, desto mehr Kontext schleppt er mit. Schon jetzt bieten OpenAI, Anthropic und Perplexity Auto-Reload-Funktionen an, die nach Ende des Kontingents automatisch Credits nachkaufen.
Werden Agenten zum Alltagswerkzeug, die E-Mails beantworten, Reisen buchen oder Einkäufe erledigen, könnten sie bei reiner Abrechnung nach Verbrauch ordentlich zu Buche schlagen. Viele Softwarefirmen spüren das bereits: Laut einer Studie prüfen vier von fünf SaaS- und KI-Unternehmen Preiserhöhungen wegen gestiegener Rechenkosten.
Werbung und Provisionen als Ausweg
Damit Agenten für die breite Masse leistbar bleiben, braucht es andere Einnahmequellen, und OpenAI baut sie gerade auf. Das Werbegeschäft in ChatGPT kam nach weniger als 200 Tagen auf eine annualisierte Run-Rate von einer Milliarde Dollar. Mit Sponsored Agents können Werbetreibende in den USA bereits eigene Agenten in ChatGPT schalten, deren Gespräche das jeweilige Unternehmen bezahlt. Dazu kommen Transaktionsgebühren: Kaufen Nutzer:innen direkt in ChatGPT ein, kassiert OpenAI eine Provision von den Händler:innen. Und mit Sign in with ChatGPT können Nutzer:innen ihr Token-Kontingent künftig in andere Apps mitnehmen, wodurch die Kosten auf das eigene Abo umgelegt werden.
Agenten, die über Werbung oder Provisionen finanziert sind, wirken für Nutzer:innen gratis, haben aber eigene Anreize. Ein Agent, der am Kauf mitverdient, ist nicht zwingend neutral, wenn er Produkte vergleicht. Wer das vermeiden will, wird für werbefreie, unabhängige Agenten wohl bezahlen müssen, und das voraussichtlich nach Verbrauch.
Token werden gleichzeitig billiger
Es gibt allerdings auch eine Gegenbewegung. Die Preise pro Token fallen seit Jahren rasant, und OpenAI hat sie selbst bei Sol und Luna erst kürzlich halbiert. Chinesische Anbieter wie Xiaomi und DeepSeek haben ihre API-Preise im Frühjahr sogar um bis zu 99 Prozent gesenkt. Für viele Agenten-Aufgaben reichen kleinere, günstigere Modelle, sodass die Kosten pro Aufgabe trotz knapperer Kontingente sinken können. Auch Sottiaux argumentiert, dass die neue Berechnung auf Basis der Listenpreise künftige Preissenkungen direkt an die Kund:innen weitergibt.
Mit der Neuordnung ist OpenAI nicht allein. Anthropic hatte für sein Coding-Tool Claude Code bereits im Vorjahr wöchentliche Limits für die Max-Abos eingeführt, nachdem einzelne Nutzer:innen ihre Abos rund um die Uhr ausgelastet hatten.

