Agentic Trading

Robinhood lässt KI-Agenten rund um die Uhr traden

Two smartphones showing the Robinhood app with the new AI agent feature
Robinhood Agents. © Robinhood

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Der Neobroker, der das Trading zum Spiel gemacht hat, gibt das Steuer jetzt an die KI ab. Robinhood hat bei seiner Kundenveranstaltung HOOD Summit in Houston „Robinhood Agents“ vorgestellt: KI-Agenten, die direkt in der App Märkte analysieren, Strategien entwickeln und Aktien, Optionen und Kryptowährungen rund um die Uhr handeln. Wer will, kann sie sogar ganz ohne Freigabe einzelner Trades arbeiten lassen. In Europa gehen Bitpanda, Scalable Capital und eToro in eine ähnliche Richtung, allerdings deutlich vorsichtiger.

Was die Robinhood-Agenten können

Nutzer:innen bauen sich in der Robinhood-App einen eigenen KI-Agenten, der Watchlists anlegt, Strategien vorschlägt und Orders platziert, von Markt- und Limit-Orders bis zu Stop-Loss und Take-Profit. Die Marktdaten bezieht der Agent über eine eigene Schnittstelle von Robinhood. Mit „Loops“ soll demnächst eine Funktion folgen, mit der Agenten Aufgaben regelmäßig wiederholen, etwa jeden Morgen den Markt prüfen oder über Nacht eine Strategie abarbeiten.

Standardmäßig muss jeder Trade bestätigt werden. Diese Freigabe lässt sich aber abschalten, dann handelt der Agent selbstständig. Das Geld dafür liegt auf einem separaten Agenten-Konto, die übrigen Depots kann der Agent zwar einsehen, aber nicht anfassen. Kredit für Hebel-Trades bekommen die Agenten zum Start nicht. Die KI-Nutzung selbst wird über ein eigenes Guthaben abgerechnet, zusätzliche Datendienste kosten zwischen 5 und 30 Dollar (rund 4,30 bis 25,60 Euro) im Monat.

„Märkte funktionieren nicht ohne Trader“, sagt Robinhood-CEO Vlad Tenev in der Ankündigung. Laut Robinhood kommen die Agenten zunächst für berechtigte Kund:innen in den USA. Ob und wann sie in Europa starten, ist offen. Bereits im Mai hatte Robinhood externe KI-Agenten für den Handel und für Einkäufe mit der Robinhood-Kreditkarte freigeschaltet. Seither wurden mehr als 150.000 Agenten-Konten eröffnet, wie CoinDesk berichtet.

Das Risiko tragen die Kund:innen

Die Verantwortung schiebt Robinhood dabei klar zu den Nutzer:innen. In den Hilfeseiten heißt es, Robinhood kontrolliere, überwache oder empfehle die Agenten nicht, und KI-Agenten könnten Fehler machen oder Anweisungen falsch verstehen. Trades, die bereits ausgeführt wurden, werden auch beim Pausieren eines Agenten nicht rückgängig gemacht. Das Risiko für die Trades tragen die Kund:innen.

Kritik gab es schon an der ersten Version im Frühsommer. Finanzberater:innen warnten, die Anleger:innen würden dadurch nicht klüger, nur die Plattform werde „klebriger“. Wenn alle dasselbe Werkzeug nutzen, verschwinde zudem jeder Vorteil schnell. Grundsätzlicher äußerte sich die Bank of England: Vizegouverneurin Sarah Breeden warnte, KI-Agenten könnten in Stressphasen die Schwankungen an den Märkten verstärken. Robinhood selbst sieht die Agenten als Werkzeug, um die Nummer eins für aktive Trader:innen zu werden. Passend dazu stellte der Broker bei derselben Veranstaltung Krypto-Futures mit bis zu zehnfachem Hebel und Aktienhandel am Wochenende vor.

Europas Neobroker setzen auf Freigabe

In Europa experimentieren mehrere Anbieter mit ähnlichen Funktionen, gehen dabei aber meist einen Zwischenweg. Statt eigener Agenten öffnen sie ihre Depots für KI-Assistenten wie ChatGPT oder Claude, jede Order muss aber bestätigt werden.

  • Scalable Capital: Der Münchner Broker lässt seit August ChatGPT, Claude und Grok auf die Depots zugreifen. Die KI kann Aktien kaufen, Sparpläne anlegen und Watchlists verwalten, jede Order braucht aber eine Freigabe mit Zwei-Faktor-Login. Schon 2025 hatte Scalable als erster Neobroker einen KI-Chatbot eingeführt.
  • Bitpanda: Der Wiener Broker ermöglicht seit August Agentic Trading über eine eigene Schnittstelle für KI-Assistenten wie Claude oder ChatGPT. Die KI kann das Portfolio auswerten, Umschichtungen vorbereiten und Orders anstoßen. Ausgeführt werden sie aber erst nach bestätigtem Preisangebot oder innerhalb von Regeln, die die Nutzer:innen vorher festlegen, etwa einer maximalen Ordergröße.
  • eToro: Am weitesten geht in Europa eToro. Mit seiner neuen App lassen sich „Agent Portfolios“ anlegen, in denen KI-Agenten in eigenen Unterkonten laufend handeln, ohne dass jede Order bestätigt werden muss. Die Verfügbarkeit unterscheidet sich allerdings je nach Land.
  • Revolut: Der KI-Assistent AIR ist mittlerweile auch in der EU verfügbar, kann Investments aber nur anzeigen und nicht handeln.
  • Trade Republic: Der Berliner Broker geht beim Kundenservice sogar den umgekehrten Weg und hat KI-Chatbots durch Menschen ersetzt. Eigene KI-Funktionen fürs Investieren hat Trade Republic bisher nicht angekündigt.

Dass die meisten europäischen Anbieter auf eine Freigabe pro Order setzen, hat auch regulatorische Gründe. Die EU-Finanzmarktaufsicht ESMA hat klargestellt, dass Wertpapierfirmen auch beim Einsatz von KI voll für ihre Dienstleistungen verantwortlich bleiben und im besten Interesse ihrer Kund:innen handeln müssen. Solange die KI nur ein Werkzeug ist, das die Kund:innen selbst anbinden, und jede Order bestätigt wird, bleibt der Broker im reinen Ausführungsgeschäft und muss keine Anlageberatung leisten.

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