Revolut will jetzt auch noch eine Schweizer Banklizenz
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Revolut hat nach eigenen Angaben bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA eine Schweizer Banklizenz beantragt. Eine Bewilligung könnte die Grundlage für eine eigenständige Schweizer Bank und ein umfassenderes lokales Angebot schaffen. Sie würde die bereits bestehenden Banklizenzen in Litauen und Frankreich ergänzen. Über den Schweizer Antrag ist noch nicht entschieden.
Das Unternehmen zählt laut eigener Mitteilung mehr als 1,3 Millionen Kunden in der Schweiz. In den kommenden fünf Jahren will Revolut über 150 Millionen Schweizer Franken in den Markt investieren. Parallel baut das Fintech den Verwaltungsrat und die Führungsebene personell aus.
Lohnkonten, eBill und perspektivisch TWINT
Mit einer Schweizer Banklizenz könnte Revolut sein Angebot stärker auf den lokalen Zahlungsverkehr und die Nutzung als Hauptkonto ausrichten. Das Unternehmen nennt Schweizer IBANs, Lohnkonten, die elektronische Rechnungszahlung über eBill sowie Zahlungsabwicklung für Händler als mögliche Bestandteile. Perspektivisch sollen auch ein Angebot für die private Altersvorsorge über die Säule 3a und die Einbindung des Schweizer Bezahldienstes TWINT hinzukommen.
Für Kunden könnte das bedeuten, mehr alltägliche Bankgeschäfte direkt über Revolut erledigen zu können, vom Lohneingang über Rechnungen bis zur Vorsorge. Die genannten Funktionen sind ein Ausblick auf mögliche Angebote. Einen verbindlichen Zeitplan für deren Einführung enthält die Ankündigung nicht.
Schweizer IBANs sind bei Revolut bereits verfügbar: Dafür nutzt das Unternehmen derzeit die Infrastruktur von PostFinance. Die entsprechenden Guthaben werden laut Revoluts Erläuterungen zum Schweizer Angebot bei der litauischen Revolut Bank UAB gehalten. Eine eigene Schweizer Bank würde die regulatorische und organisatorische Grundlage des Geschäfts verändern und den weiteren Ausbau lokaler Leistungen unterstützen.
Einlagenschutz nach Schweizer Regeln
Ein weiterer Bestandteil des geplanten Angebots ist ein Einlagenschutz nach Schweizer Standard. Die Schweizer Einlagensicherung schützt berechtigte Guthaben grundsätzlich bis zu 100.000 Schweizer Franken pro Kunde und Bank. Für Vorsorgeguthaben der Säule 3a gelten eigene Regeln, wie die Einlagensicherung esisuisse erläutert.
Welche Absicherung für ein konkretes Revolut-Produkt greifen würde, hinge von dessen Ausgestaltung und der kontoführenden Gesellschaft ab. Der eingereichte Lizenzantrag allein verändert den Schutz bestehender Konten noch nicht.
Ergänzung zu den Banklizenzen in Litauen und Frankreich
Innerhalb der EU setzt Revolut bereits auf zwei Bankgesellschaften. Zur Revolut Bank UAB im baltischen Litauen ist kürzlich die französische Revolut Bank S.A. mit einer eigenen Vollbanklizenz hinzugekommen. Nach Angaben des Unternehmens soll die französische Gesellschaft schrittweise Kunden in Frankreich und weiteren westeuropäischen Märkten betreuen. Die litauische Bank bleibt ein zentraler Bestandteil des Geschäfts im übrigen Europäischen Wirtschaftsraum. Das beschreibt Revolut in seiner Mitteilung zur französischen Banklizenz.
Die angestrebte Schweizer Bank würde diese Struktur um eine weitere, lokal regulierte Gesellschaft ergänzen. Der Schritt fügt sich in die internationale Expansion des Unternehmens ein. Über den Antrag auf eine US-Banklizenz hat Trending Topics bereits berichtet. Mittlerweile liegt eine bedingte Genehmigung der US-Bankenaufsicht OCC vor, weitere Freigaben stehen noch aus. In Kolumbien erhielt Revolut kürzlich eine Betriebslizenz.
Datenleck trifft auch Personen aus der Krypto-Branche
Gleichzeitig beschäftigt Revolut ein aktueller Sicherheitsvorfall, bei dem sensible Kundendaten an Unbefugte gelangten. Wie Trending Topics berichtete, nutzten Angreifer eine E-Mail-Adresse unter einer legitimen Behörden-Domain für gefälschte Auskunftsersuchen. Revolut übermittelte daraufhin persönliche und finanzielle Informationen. Dazu könnten Ausweiskopien, Selfies zur Identitätsprüfung, Kontodaten und Transaktionsverläufe einschließlich Bitcoin-Transaktionen gehören.
Unter den Betroffenen befinden sich auch Personen aus der Krypto-Branche, darunter nach eigenen Angaben der frühere Mt.-Gox-Chef Mark Karpelès. Der Krypto-Ermittler ZachXBT vermutet, dass gezielt besonders vermögende Nutzer ins Visier genommen wurden. Eine solche Auswahl ist bislang nicht bestätigt. Die mutmaßlichen Täter sollen Revolut mit der Veröffentlichung weiterer Daten unter Druck setzen.
In einer Stellungnahme gegenüber Trending Topics erklärte Revolut, die eigenen Systeme und die Gelder der Kunden seien nicht betroffen. Das Unternehmen spricht von externem Identitätsbetrug über manipulierte Behördenanfragen. Betroffene Personen seien kontaktiert und die zuständigen Behörden informiert worden.
Für die Schweizer Expansionspläne steht unterdessen die Entscheidung der FINMA aus. Eine Bewilligung könnte Revolut näher an ein vollständiges lokales Bankangebot bringen. Welche zusätzlichen Leistungen Kunden tatsächlich nutzen können und zu welchen Konditionen, wird sich mit deren konkreter Einführung zeigen.
