Avian: TU-Wien-Absolvent sammelt 2,6 Mio. Dollar mit Schweizer DeepTech-Startup
Das in Zürich ansässige DeepTech-Unternehmen Avian hat eine Pre-Seed-Runde über 2,6 Millionen Dollar abgeschlossen, angeführt von Founderful. Das Startup wurde von CEO Thomas Längle, einem ehemaligen TU-Wien-Studenten, und CTO Drew Hanover 2023 gegründet. Avian entwickelt ein KI-gestütztes Überwachungssystem zur frühzeitigen Erkennung von Brand- und Ausfallrisiken in industriellen Anlagen. Dafür kombiniert das Unternehmen Infrarot-Hardware mit Anomalieerkennung und analysiert Temperaturverläufe an kritischen Maschinenkomponenten in Echtzeit, um gefährliche Überhitzungen oder ungewöhnliche Wärmemuster frühzeitig zu identifizieren.
Zwei Jahre lang hat sich das Unternehmen gebootstrappt, bevor es externes Kapital aufnahm. Längle, der sein Studium der Elektrotechnik an der TU Wien absolvierte, sagt: „Wir wollten beweisen, dass man von Österreich und der Schweiz aus ein global wettbewerbsfähiges Industrie-KI-Unternehmen bauen kann.“ In den ersten zwei Jahren wuchs das Unternehmen auf mehr als 50 geschützte Betriebe in neun Ländern und expandierte in die USA. „Das zeigt, wie viel Substanz hinter europäischer DeepTech-Forschung steckt, wenn man sie konsequent in echte Produkte übersetzt“, so Längle.
Zunehmende Brandgefahren in der Industrie
Die Expansion in Richtung USA kommt nicht von ungefähr: Industriebetriebe in Europa und Nordamerika kämpfen mit eskalierenden Brandrisiken, die durch Feinstaub, Reibung, elektrische Probleme und alternde Maschinen entstehen. Versicherer stufen Standorte, die vor fünf Jahren noch als versicherbar galten, mittlerweile als zu risikoreich ein. Herkömmliche Ansätze wie quartalsweise Thermografie-Inspektionen erfassen nicht die kritischen Stunden, in denen eine Komponente heiß läuft, bevor sie ausfällt. Genau hier setzt Avian an: Das System überwacht rund um die Uhr kritische Komponenten wie Motoren, Lager, Förderbänder und Schaltschränke in Holzverarbeitungs-, Recycling-, Chemie- und Gasanlagen. Das Unternehmen ist auf Kurs, 2026 einen ARR von über einer Million Dollar zu erreichen.
Kontinuierliche Überwachung statt Stichproben
Avian liefert keine gewöhnliche Kameralösung, sondern ein End-to-End-System aus Infrarot-Hardware, Anomalieerkennung, intelligenten Alarmen und prädiktiven Wartungsberichten. Co-Founder und CTO Drew Hanover sagt: „Die meisten Betreiber brauchen keine weitere Kamera. Um 3 Uhr morgens müssen sie wissen, dass ein Lager heiß läuft, bevor es den Staub drumherum entzündet.“
Das System erkennt sogenannte „Drift“-Muster, also frühe Veränderungen in Temperaturverläufen, die auf einen möglichen Ausfall hindeuten können. Durch die Filterung routinemäßiger Wärmequellen reduziert es Fehlalarme, sodass Wartungsteams gezielt auf relevante Hinweise reagieren können. Warnmeldungen werden dabei an die zuständigen Personen weitergeleitet, um rechtzeitig Maßnahmen zu ermöglichen, bevor es zu einem Ausfall oder Brand kommt.
Die Gründungsgeschichte von Avian beginnt mit einem realen Problem: Ernest Schilliger von Schilliger Holz suchte nach einer Lösung für Brandrisiken in seinem Sägewerk, nachdem 2017 ein Feuer im Werk Haltikon schwere Schäden verursacht hatte und Hunderte Feuerwehrleute tagelang im Einsatz waren. Diese erste Installation wurde zum praktischen Test für das System. In den vergangenen zwei Jahren hat Avian nach eigenen Angaben über 50 Millionen Dollar an Schäden durch verhinderte Brände und Ausfälle eingespart. Konkrete Beispiele: Kamps Pallet reduzierte seine jährlichen Versicherungskosten am Standort Dillwyn um 10 Prozent, Sierra Pacific Industries verhinderte allein am Standort Quincy mehr als 24 Stunden ungeplante Ausfallzeit im vergangenen Jahr. Kein Kunde hat Avian in drei Jahren verlassen – für das Unternehmen das klarste Zeichen, dass das System leistet, was Industrieteams brauchen.
Expertise aus Robotik und Vision-AI
Das Avian-Team vereint Expertise aus Computer Vision, Machine Learning, Robotik und thermischer Bildverarbeitung. Die Ingenieure haben in Science Robotics, Nature und IEEE-Journals publiziert und bringen neben der TU Wien Erfahrung von ETH Zürich, University of Michigan, Michigan Tech sowie aus Projekten bei NASA, General Motors und der Fertigungsautomatisierung mit.
Diese Mischung prägt das Produkt: Kameraplatzierung, thermische Signalverarbeitung, Fehlalarm-Reduktion und Software, auf die Betreiber sich verlassen, wenn Sekunden zählen. Mit dem frischen Kapital plant Avian den Ausbau der Engineering- und Deployment-Kapazitäten sowie die Expansion über das Kerngeschäft Holzprodukte hinaus in Recycling, chemische Verarbeitung, Öl und Gas sowie maritime Anwendungen.
