Stellenabbau

Canva-Abbau in Wien: Österreich-Tochter lieferte bisher Millionengewinne

Smartphone showing the Canva app logo on a wooden table
The Canva app on a smartphone. © appshunter.io / Unsplash

Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.

Hochprofitabel und trotzdem nicht sicher: Der Stellenabbau beim Design-Riesen Canva erreicht auch Österreich. Weltweit sind 1.271 Stellen betroffen, das sind 22 Prozent der Belegschaft. Wie viele davon auf die Canva Austria GmbH in Wien entfallen, will Canva nicht sagen. „Wir schlüsseln die Änderungen nicht nach Märkten auf“, heißt es auf Nachfrage von Trending Topics. Man habe jedes Team auf die gleiche Weise geprüft, auch die Teams in lokalen Märkten.

Legt man die konzernweite Quote von gut 20 Prozent zugrunde, wären es rechnerisch 16 bis 18 der zuletzt durchschnittlich rund 80 Mitarbeiter:innen in Wien. Ob es tatsächlich so viele werden, ist offen. Für einige Betroffene bedeuten die Änderungen laut Canva auch neue Rollen oder einen Umzug an zentrale Standorte. Weltweit bekommen Mitarbeiter:innen, die gehen müssen, mindestens sechs Monatsgehälter inklusive gesetzlicher Ansprüche.

Wien bleibt wichtiger KI-Hub

Aufgeben will Canva den Standort nicht. „Der Campus in Wien bleibt ein Hub für Canva“, heißt es aus dem Unternehmen. Man werde weiter in Teams investieren, die nah an ihren Kund:innen und Märkten arbeiten.

Die Wiener Tochter ist für Canva kein beliebiger Standort. Sie geht auf das Wiener KI-Startup Kaleido zurück, das Benjamin Grössing und David Fankhauser 2018 gegründet hatten. Bekannt wurde Kaleido mit remove.bg, einem Tool, das per KI den Hintergrund aus Fotos entfernt. 2021 übernahm Canva das Startup komplett, es war einer der größten Exits der österreichischen Startup-Geschichte.

Umbau ohne Spardruck

Nach Informationen von Trending Topics steckt hinter dem Abbau kein finanzieller Druck. Canva ist demnach weiterhin finanziell stark aufgestellt und liegt trotz des schwächeren Wachstums auf Kurs, den Umsatz heuer um 20 Prozent zu steigern. 2026 ist das zehnte Jahr in Folge, in dem Canva profitabel arbeitet. Mit dem Umbau sollen Abläufe einfacher werden, Hierarchieebenen wegfallen und Teams mehr Verantwortung bekommen, damit Canva schneller wird.

Die wegfallenden Stellen sollen dabei nicht durch KI ersetzt werden. KI verändert allerdings, welche Produkte Canva baut, und damit auch, wie die Teams organisiert sind und welche Fähigkeiten gefragt sind. Erste Erfolge zeigen sich bereits: Seit Canva im September begonnen hat, sein neues KI-Angebot auszurollen, hat sich die Nutzung ungefähr verdoppelt. Wer Canva über KI-Assistenten entdeckt, wird fast doppelt so oft zahlende:r Kund:in wie der Durchschnitt. Insgesamt nutzen mehr als 250 Millionen Menschen Canva jeden Monat.

15 Millionen Euro Gewinn mit 80 Leuten

Wie es um die Canva Austria GmbH steht, zeigt der Lagebericht für das Geschäftsjahr 2025. Die Zahlen sind beeindruckend:

  • Gewinn: Der Jahresüberschuss nach Steuern stieg um 54 Prozent auf 14,9 Millionen Euro (2024: 9,7 Millionen Euro). Das Ergebnis vor Steuern kletterte um 20 Prozent auf 18,5 Millionen Euro.
  • Marge: Die EBITDA-Marge lag bei 54 Prozent, nach 39 Prozent im Vorjahr. Pro Mitarbeiter:in blieben damit rund 187.000 Euro Gewinn nach Steuern.
  • Umsatz: Die ausgewiesenen Erlöse sanken leicht auf 34,7 Millionen Euro. Davon stammen nur 12,1 Millionen Euro von externen Kund:innen, 22,6 Millionen Euro verrechnet die Wiener Tochter innerhalb des Konzerns.
  • Polster: Auf dem Bankkonto lagen Ende 2025 rund 62,3 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote beträgt 88 Prozent, Bankkredite hat das Unternehmen keine.

Der Gewinnsprung kam vor allem über die Kosten. Der Personalaufwand sank um 38,5 Prozent auf 11,6 Millionen Euro. Grund dafür waren laut Lagebericht deutlich geringere Aufwendungen für aktienbasierte Vergütung, weil einige Mitarbeiter:innen Anfang 2025 das Unternehmen verlassen haben und Aktienoptionen verfallen sind. Die durchschnittliche Zahl der Beschäftigten sank von 85 auf rund 80.

Vom Produkt-Startup zur Entwicklungsabteilung

Der Lagebericht zeigt auch, wie sich die Rolle der Wiener Tochter verändert. Ende 2025 hat Canva die Dienste unscreen.com, mit dem sich Hintergründe aus Videos entfernen ließen, und designify.com eingestellt. Einziges eigenständiges Produkt ist jetzt remove.bg, das monatlich rund 33,7 Millionen Nutzer:innen zählt. Der annualisierte Umsatz mit externen Kund:innen liegt bei 12,0 Millionen Euro, leicht unter dem Vorjahr.

Wichtiger wird die Arbeit für den Konzern. Mehr als die Hälfte der Mitarbeiter:innen sind Software-Engineers mit Schwerpunkt auf KI und maschinellem Lernen, viele davon arbeiten direkt für die australische Mutter Canva Pty Ltd. Canva Austria positioniere sich als „KI-Hub“ der Gruppe, heißt es im Lagebericht. Wachsen sollen künftig vor allem die Erlöse aus dem Konzern.

Canva hat mit Craft und Brush gerade seine ersten eigenen KI-Modelle vorgestellt, entwickelt von der Forschungsabteilung Canva Research. Bei der Bildgenerierung liegt Canva Research damit weltweit auf Platz zwei, noch vor großen KI-Laboren wie Meta, Microsoft und xAI. Gleichzeitig will CEO Melanie Perkins Teams bündeln, Überschneidungen abbauen und mehr Produktteams nach Sydney holen. Welche Rolle die Wiener KI-Entwickler:innen dabei künftig spielen, ist offen.

Druck von Mitbewerbern

Der Wettbewerb in der Bildbearbeitung hat sich verschärft. Hintergründe entfernen können heute auch Adobe Express, Apples Fotos-App und zahlreiche Gratis-Tools, Bildgeneratoren wie ChatGPT erstellen Grafiken gleich ganz per Prompt. Der Lagebericht selbst warnt, dass das starke Wachstum des KI-Marktes die Zahl der Wettbewerber deutlich erhöht und den Innovationsdruck verstärkt habe.

Rank My Startup: Erobere die Liga der Top Founder!
Werbung
Werbung

Specials unserer Partner

Die besten Artikel in unserem Netzwerk

Deep Dives

Wasner + Steinschaden | Der KI Podcast

News, Modelle, Strategien
#glaubandich CHALLENGE: SVAN triumphiert in Klagenfurt

#glaubandich CHALLENGE 2027

Österreichs größter Startup-Wettbewerb - Top-Investoren mit an Bord
© Wiener Börse

IPO Spotlight

powered by Wiener Börse

RankMyStartup.com

Steig' in die Liga der Top Founder auf!

2 Minuten 2 Millionen | Staffel 13

Alle Startups | Alle Deals | Alle Hintergründe

Future{hacks}

Zwischen Hype und Realität

Trending Topics Tech Talk

Der Podcast mit smarten Köpfen für smarte Köpfe

Weiterlesen

Newsletter

Founders Dispatch

Zwei Mal pro Woche kostenlos in die Inbox: die wichtigsten Startups, Deals und Tech-Entwicklungen aus Europa, handgeschrieben von der Redaktion.

Jederzeit abbestellbar. Mehr über den Newsletter