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Gropyus schickt Tochterfirmen nach geplatzter Finanzierung in die Insolvenz

Robots assembling a timber wall element in the Gropyus factory in Richen, Germany
Robots prefabricate timber wall elements at the Gropyus factory in Richen. © Gropyus

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Mehr als 400 Millionen Euro Eigenkapital, 50 Roboter und ein DAX-Konzern als Investor haben nicht gereicht: Das Wiener Holzbau-Scale-up Gropyus hat soeben für mehrere Tochtergesellschaften Insolvenzanträge gestellt. Die Muttergesellschaft Gropyus AG ist laut Unternehmen nicht betroffen. Welche Töchter genau betroffen sind, nennt Gropyus nicht.

Auslöser ist laut Unternehmen ein akuter Liquiditätsengpass. Eine vertraglich vereinbarte und bereits fällige Investorenfinanzierung sei nicht wie geplant ausbezahlt worden, eine Überbrückung durch die bestehenden Gesellschafter habe nicht für alle Gesellschaften gereicht. Wer der säumige Geldgeber ist, sagt Gropyus nicht. Die Anträge werden als Regelverfahren gestellt, Sanierungs- und Finanzierungskonzepte liegen laut Unternehmen bereits vor.

„Die Anträge sind kein Rückzug, sondern ein aktiver Schritt, um diese Substanz zu sichern und Gropyus neu aufzustellen“, sagt Gründer und CEO Philipp Erler. Die weit fortgeschrittenen Gespräche mit Investor:innen wolle man noch vor Eröffnung der Verfahren abschließen. „Unser Ziel ist klar: Gropyus soll gestärkt aus diesem Prozess hervorgehen.“

Holzhäuser aus der Roboterfabrik

Gropyus wurde 2019 unter anderem von Markus Fuhrmann, Philipp Erler und Bernd Oswald gegründet. Fuhrmann hatte zuvor den Essenslieferdienst Lieferheld mitgegründet, aus dem später Delivery Hero hervorging. Die Idee: Mehrfamilienhäuser in Holzbauweise wie Autos in Serie fertigen. Im baden-württembergischen Richen bei Heilbronn betreibt Gropyus dafür eine hochautomatisierte Fabrik, in der rund 50 Roboter Wand- und Deckenelemente vorproduzieren, die anschließend auf der Baustelle montiert werden. Dazu kommt ein selbst entwickeltes Betriebssystem für die Gebäude.

Insgesamt arbeiten rund 550 Menschen an den Standorten Wien, Berlin, Richen und Steinhaus in Oberösterreich für Gropyus. Zu den Kunden zählt die Buwog, die zugleich an Gropyus beteiligt ist und für die Gropyus etwa in Berlin und in Salzburg Wohnungen baut.

Hunderte Millionen von Vonovia und Co.

Gropyus gehörte zu den am höchsten finanzierten Startups Österreichs. Der deutsche Immobilienkonzern Vonovia stieg laut Tagesspiegel 2023 mit 100 Millionen Euro ein und beteiligte sich seither an weiteren Runden. Heute hält die Buwog, eine 100-Prozent-Tochter von Vonovia, rund 25 Prozent an Gropyus. 2024 folgten weitere 100 Millionen Euro, erst im März 2026 noch einmal 100 Millionen Euro. Insgesamt hat Gropyus damit mehr als 400 Millionen Euro an Eigenkapital eingesammelt. Damals kündigte Erler an, die Produktion vorsichtig hochzufahren. Profitabel wollte Gropyus im Idealfall 2027 werden, spätestens 2028.

Wie es um die Finanzen steht, zeigt der jüngste Jahresabschluss der Gropyus AG. Die Muttergesellschaft schrieb 2025 ein operatives Minus von 12,9 Millionen Euro, nach minus 23,6 Millionen Euro im Jahr davor. Belastet haben vor allem Wertberichtigungen auf Forderungen gegenüber Konzerngesellschaften von 3,2 Millionen Euro (Vorjahr: 17,5 Millionen Euro), 6 Millionen Euro für Leistungen, die Konzerngesellschaften der AG verrechnet haben, sowie 2,8 Millionen Euro für ein aktienbasiertes Vergütungsprogramm. Der Umsatz der AG sank von 11,2 auf 7,9 Millionen Euro, er stammt aus der Weiterverrechnung von Leistungen an verbundene Unternehmen. Die Bilanzsumme wuchs auf 318,9 Millionen Euro, das Eigenkapital auf 221,8 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote fiel trotzdem von 82,1 auf 69,5 Prozent, weil die beiden Wandeldarlehen der Series C zum Bilanzstichtag als Fremdkapital ausgewiesen werden mussten.

Ruhig war es um Gropyus dabei selten. Über Jahre lieferte sich das Unternehmen einen Rechtsstreit mit dem früheren Investor Florian Fritsch um rund 13 Prozent der Anteile. Die Gründer warfen ihm vor, sie über seine Finanzkraft getäuscht zu haben. Ende 2024 schlitterten Fritschs Beteiligungsfirmen in die Insolvenz, im März 2025 wurde Fritsch in Deutschland festgenommen, die Vorwürfe lauten unter anderem auf schweren Betrug.

Erst im August folgte der nächste Umbau an der Spitze: Mitgründer Fuhrmann gab nach sieben Jahren als CEO die operative Führung ab und wechselte in den Aufsichtsrat, Erler ist seither alleiniger CEO. Gleichzeitig verließ der frühere Wirtschaftskammer- und Nationalbank-Präsident Harald Mahrer das Kontrollgremium. Begründet wurde der Wechsel damals mit dem Übergang von der Aufbau- in die Skalierungsphase.

Wohnungsbau in der Flaute

Neben der geplatzten Finanzierung verweist Gropyus auf das schwierige Umfeld. Hohe Bau- und Finanzierungskosten belasten neue Projekte, lange Genehmigungsverfahren verzögern Baustarts. Laut Statistischem Bundesamt sank die Zahl der genehmigten Wohnungen in Deutschland zwischen 2020 und 2025 um rund 35 Prozent. Dazu komme die Debatte um die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände in Berlin, einem wichtigen Markt für Gropyus. Auch Vonovia selbst hat zuletzt die Erwartungen gedämpft und verweist auf höhere Finanzierungskosten und schleppende Wohnungsverkäufe.

Gropyus ist nicht das erste Construction-Tech-Unternehmen, das mit dem Versprechen vom Hausbau am Fließband in Schwierigkeiten gerät. Das US-Startup Katerra, das mit Milliarden von Softbank die Bauindustrie umkrempeln wollte, meldete 2021 Insolvenz an. Gropyus selbst hält am Modell fest: Man bleibe überzeugt, dass industrielles Bauen den Wohnungsbau effizienter und günstiger mache, heißt es. Im Fokus stünden jetzt die laufenden Projekte und der bereits vertraglich gesicherte Auftragsbestand.

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