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BKH St. Johann und Symptoma: KI soll Krankenhausinfektionen früher sichtbar machen

© Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol
© Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol

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Künstliche Intelligenz bietet in vielen Bereichen extrem spannende Möglichkeiten, doch kaum ein Bereich kann sich durch die Technologie so stark weiterentwickeln wie das Gesundheitswesen. Ein starkes Beispiel dafür, wie KI den medizinischen Sektor unterstützen kann, zeigt sich im Bezirkskrankenhaus (BKH) St. Johann in Tirol. Dort entsteht ein System, das in der Lage ist, Krankenhausinfektionen frühzeitig zu erkennen.

Unterstützt wird diese innovative Entwicklung durch die IÖB-Toolbox (Innovationsfördernde Öffentliche Beschaffung Toolbox). Dieses Förderprogramm der Austria Wirtschaftsservice (aws) steht zukunftsweisenden Technologien und Dienstleistungen auf dem Weg zur praktischen Anwendung zur Seite.

KI hilft beim Verhindern von Krankenhausinfektionen

Das BKH St. Johann in Tirol zählt zu den früh digitalisierten Kliniken Österreichs. Das Krankenhaus will mit moderner Technologie klinische Daten systematisch nutzen, um Versorgungsqualität und Effizienz zu verbessern. Gemeinsam mit dem Health-Tech-Startup Symptoma, bekannt für seinen KI-Symptomchecker, hat das BKH einen KI-Prototyp entwickelt, der eine vorbeugende Form des Monitorings ermöglicht. Mit dem System soll es in Zukunft möglich sein, frühzeitig die richtigen Prioritäten zu setzen und passende Präventionsmaßnahmen im klinischen Alltag umzusetzen.

“Unser Hygieneteam führt Informationen aus Laborbefunden, ärztlicher und pflegerischer Dokumentation zusammen. Die reguläre Erfassung erfolgt in einer Software für die Meldung der Infektion und ist mit viel manueller Arbeit verbunden. Gemeinsam mit Symptoma erproben wir deshalb einen KI-Prototyp, der vorhandene Daten für die Fallprüfung aufbereitet. Das Vorhaben konzentriert sich zunächst auf Wundinfektionen nach Operationen”, sagt Lucas Thummer, Leitung Abteilung Klinikhygiene am BKH St. Johann in Tirol.

Große Zeiteinsparung für Hygieneteam

Mit dem neuen KI-System adressiert das BKH St. Johann ein reales Problem in der medizinischen Versorgung. Krankenhausinfektionen betrafen laut dem Krankenhaus in Österreich im Jahr 2025 rund 5 Prozent der Patient:innen, im BKH St. Johann waren es 2,7 Prozent. Jährlich gehen im BKH St. Johann circa 15.000 Patient:innen in stationäre Behandlung. Zu möglichen Infektionen gehören unter anderem postoperative Wundinfektionen.

Das Ziel der Krankenhaushygiene ist es, Infektionen frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen. Es geht hier vor allem darum, Infektionsfällen vorzubeugen. KI kann bei der Erkennung von Risikofaktoren eine große Hilfe sein.

“Im Klinikalltag liegen viele relevante Informationen bereits vor, aber an unterschiedlichen Stellen. Sie zusammenzuführen, kostet das Hygieneteam viel Zeit. Wir wollten herausfinden, wie KI uns dabei unterstützen kann, diese Informationen systematischer auszuwerten. Deshalb haben wir mit Symptoma ein Projekt gestartet, das an einer konkreten Aufgabe aus unserem Haus ansetzt”, kommentiert Thummer.

KI findet bisher nicht erfasste Infektionsfälle

Laut einer rückblickenden Auswertung von Daten des Vorjahres des BKH St. Johann wurden für diesen Zeitraum 17 Fälle von postoperativen Wundinfektionen dokumentiert. Bei der Auswertung mit dem KI-Prototyp wurden insgesamt 57 Fälle fachlich bestätigt. 40 dieser Fälle (70 Prozent) waren zuvor nicht erfasst. “Die Auswertung gibt uns konkrete Anhaltspunkte, wie wir die Erfassung weiterentwickeln können. Diese Fallzahlen beziehen sich auf die untersuchten postoperativen Wundinfektionen”, so Thummer.

So funktioniert das KI-System: Das Hygieneteam sieht im Forschungsdashboard mögliche Fälle und Hinweise, die auf Infektionen hindeuten können. Dazu gehören unter anderem Laborbefunde, Temperaturverläufe oder relevante Textstellen aus der Dokumentation. Das Team kann dadurch nachvollziehen, warum das System einen Fall zur Prüfung vorschlägt. Die fachliche Bewertung übernimmt das Hygieneteam anhand festgelegter Kriterien. Diese Rückmeldungen fließen in die weitere Entwicklung ein.

“Unser Ziel ist, relevante Hinweise früher für das Hygieneteam sichtbar zu machen. Der Prototyp kann im Forschungsmodus bereits tagesaktuelle Daten verarbeiten. Da wir im Haus über eine ausführliche digitale Dokumentation verfügen, erwarten wir einen zeitlichen Vorsprung gegenüber der bisherigen Praxis”, erläutert Lucas Thummer.

Datenschutz und Medizinprodukterecht von Anfang an

Die Datenverarbeitung für den KI-Prototyp erfolgt lokal in der geschützten Serverumgebung des Krankenhauses. Für den Datenschutz kommt es darüber hinaus darauf an, wer auf welche Daten zugreifen darf, auf welcher rechtlichen Grundlage sie genutzt werden und wie sie technisch geschützt sind. “Datenschutz und Medizinprodukterecht begleiten das Projekt von Beginn an”, kommentieren die Expert:innen des BKH.

Eine noch umfassendere Datengrundlage soll dabei helfen, Muster und mögliche Ursachen besser zu erkennen und daraus gezielte Maßnahmen abzuleiten.

IÖB-Toolbox machte Prototyp möglich

Für den Aufbau des Prototyps war die IÖB-Toolbox von großer Bedeutung. Das Programm hilft öffentlichen Beschaffungsstellen bei der Entwicklung und Umsetzung innovativer Lösungen.

“Die IÖB-Toolbox hat uns ermöglicht, aus einer konkreten Fragestellung einen erprobbaren Prototyp zu entwickeln. Mit Symptoma konnten wir die Datenanbindung umsetzen und ein Dashboard für die fachliche Fallprüfung aufbauen. Wir konnten unsere Anforderungen aus der Hygienepraxis direkt in die Entwicklung einbringen. Für ein regionales Krankenhaus ist das eine wertvolle Möglichkeit, Innovation aktiv mitzugestalten”, erklärt Thummer.

Das KI-Projekt befindet sich derzeit noch in der Prototypphase. Es soll daraus in Zukunft ein Medizinprodukt werden. Derzeit arbeiten das Krankenhaus und Symptoma an der Weiterentwicklung und bereitet die klinische Validierung vor. Auf den Markt kommt die Anwendung erst, wenn die für ihre Zweckbestimmung erforderlichen Nachweise und Konformitätsverfahren einschließlich der erforderlichen Zertifizierung abgeschlossen sind.

Weitere Informationen zur IÖB-Toolbox finden sich hier.

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