Revolut steigt auf 115 Mrd. Dollar Bewertung und baut lokale Banken auf
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Mehr wert als Barclays, ohne einen Tag an der Börse: Revolut hat soeben den Abschluss seiner jüngsten Finanzierungsrunde bekannt gegeben. Die Neobank wird damit mit 115 Milliarden Dollar bewertet, umgerechnet rund 103 Milliarden Euro. Angeführt haben die Transaktion Glade Brook Capital Partners, Coatue, Durable Capital Partners, von T. Rowe Price beratene Fonds und Baillie Gifford.
Vor einem Jahr lag die Bewertung noch bei 75 Milliarden Dollar (rund 67 Milliarden Euro), 2024 waren es 45 Milliarden Dollar. In zwei Jahren hat sich der Wert von Revolut damit mehr als verdoppelt.
So funktioniert die Runde
Bei der Transaktion handelt es sich um einen sogenannten Secondary, also einen Verkauf bestehender Anteile. Revolut hatte den Prozess bereits im Juli bestätigt, jetzt ist er abgeschlossen. Die Details im Überblick:
- Verkäufer:innen: Vor allem Mitarbeiter:innen konnten einen Teil ihrer Aktien zu Geld machen. Revolut hatte bereits 2024 und 2025 ähnliche Verkäufe für die Belegschaft organisiert.
- Käufer:innen: Neben den fünf Lead-Investoren kamen laut Revolut sowohl langjährige Partner als auch neue globale Investoren zum Zug.
- Preis: Laut Bloomberg und Wall Street Journal lag der Preis bei rund 2.017 Dollar pro Aktie.
- Volumen: Wie viele Anteile den Besitzer gewechselt haben, verrät Revolut nicht. Neues Kapital fließt bei einem Secondary nicht ins Unternehmen, das Geld geht an die Verkäufer:innen.
Für Revolut ist das vor allem ein Instrument zur Mitarbeiterbindung. „Die Mitarbeiterbeteiligung ist seit dem ersten Tag ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmenskultur“, sagt Gründer und CEO Nik Storonsky. „Deshalb haben wir unseren Mitarbeitern erneut die Gelegenheit gegeben, an dem Wert teilzuhaben, den sie selbst geschaffen haben.“
Die Runde ersetzt damit vorerst den Börsengang, der für viele Investor:innen und Mitarbeiter:innen sonst der Weg zum Ausstieg wäre. Storonsky hat bereits klargestellt, dass Revolut nicht vor 2028 an die Börse gehen will. Dann soll es ein Doppel-Listing in New York und London mit einer Bewertung von bis zu 200 Milliarden Dollar (rund 180 Milliarden Euro) werden.
Rekordzahlen als Basis
Revolut ist dabei hochprofitabel. 2025 wuchs der Umsatz um 46 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern stieg um 57 Prozent auf 2,0 Milliarden Euro. Die Vorsteuermarge liegt damit bei 38 Prozent. Revolut zählt weltweit mehr als 80 Millionen Privatkund:innen, die monatlich mehr als eine Milliarde Transaktionen abwickeln.
Was Revolut vorhat
Das nächste Etappenziel sind 100 Millionen Kund:innen, langfristig will Revolut mehr als 100 Millionen aktive Kund:innen in über 100 Ländern bedienen. Der Weg dorthin führt über lokale Banken. Lange lief das Geschäft in Europa zentral über die litauische Revolut Bank UAB, jetzt baut Revolut in immer mehr Ländern eigene, lokal regulierte Einheiten auf:
- Neue Banken: Seit Anfang 2026 hat Revolut Banken im Vereinigten Königreich, in Mexiko, Australien und Neuseeland gestartet.
- Neue Lizenzen: Dazu kommen Banklizenzen in Frankreich, Kolumbien und Argentinien sowie die vorläufige Zulassung für eine nationale Banklizenz durch die US-Aufsicht OCC.
- Österreich: Erst kürzlich hat Revolut seine österreichische Niederlassung eingetragen. Ab 2027 bekommen die mehr als 500.000 Kund:innen hierzulande eine österreichische IBAN, die Kapitalertragsteuer aufs Tagesgeld führt Revolut dann automatisch ab.
- Neue Produkte: Ab 2027 sollen ausgewählte Kund:innen über Revolut Ventures in nicht börsennotierte Startups investieren können.
Schon im Vorjahr hatte Revolut angekündigt, bis 2030 jährlich rund 2,3 Milliarden Euro in Wachstum zu investieren, insgesamt 11,5 Milliarden Euro, und dabei 10.000 neue Jobs zu schaffen. „Die in diesem Jahr erreichten Meilensteine ermöglichen es uns, unser digitales Bankangebot in unseren Kernmärkten zu stärken, und ebnen den Weg, um über Europa hinaus Millionen weiterer Kunden zu erreichen“, sagt CFO Victor Stinga. Ziel sei es, die erste wahrhaft globale Bank aufzubauen.
Wettlauf der Neobanken
Mit 115 Milliarden Dollar ist Revolut das wertvollste Fintech Europas, die Konkurrenz holt aber auf. Die brasilianische Nubank, größte Neobank Lateinamerikas, verhandelt laut Berichten über eine Übernahme der britischen Digitalbank Monzo, um nach Europa zu kommen. Und Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital bauen ihre Bankgeschäfte aus und holen sich ebenfalls österreichische IBANs.
Bewertung auf Vorschuss
Ob Revolut die 200 Milliarden Dollar beim Börsengang erreicht, ist allerdings offen. Um auf diesen Wert zu kommen, müsste die Bewertung noch einmal um rund 75 Prozent zulegen. Bei einem Gewinn vor Steuern von 2,0 Milliarden Euro entspricht die aktuelle Bewertung bereits rund dem 50-fachen Vorsteuergewinn. Etablierte europäische Großbanken werden an der Börse deutlich niedriger bewertet. Revolut verweist dagegen auf sein Wachstum und eine Marge, die weit über jener klassischer Banken liegt.

