CATL: Energiekrise durch Irankrieg sorgt für Aufwind bei Akku-Herstellern
Der Konflikt im Nahen Osten hat die globalen Energiemärkte erschüttert – und gleichzeitig eine bemerkenswerte Verschiebung ausgelöst: Während Ölpreise um 47 Prozent stiegen, verzeichneten chinesische Batterie- und Speichertechnologiekonzerne einen noch stärkeren Kursanstieg. Oder anders gesagt: Investoren setzen zunehmend auf erneuerbare Energie (in dem Fall die Speicher dafür) als langfristige Antwort auf geopolitische Unsicherheit.
Batterieriesen überholen Ölmultis an der Börse
Seit den US-israelischen Angriffen auf den Iran Ende Februar haben Chinas führende Batteriehersteller zusammen mehr als 70 Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung hinzugewonnen. Die Kursentwicklung fällt dabei deutlich dynamischer aus als bei den großen Ölkonzernen, die zwar von steigenden Rohstoffpreisen profitieren, aber hinter den Energiewende-Titeln zurückbleiben.
| Unternehmen | Sektor | Kursentwicklung seit Kriegsbeginn |
|---|---|---|
| BYD | Batterien / Elektrofahrzeuge | +21,9 % |
| Sungrow | Energiespeicher | +19,4 % |
| CATL | Batterien | +19,0 % |
| BP | Öl und Gas | +15,2 % |
| Shell | Öl und Gas | +8,3 % |
| Chevron | Öl und Gas | +8,0 % |
| ExxonMobil | Öl und Gas | +4,7 % |
Analysten sehen darin kein kurzfristiges Phänomen. Der Trend ist aber nicht in allen Bereichen für erneuerbare Energien sichtbar. So konnten Solar- oder Windkraftfirmen bisher nicht von der Ölkrise profitieren.
Energiesicherheit als Treiber der Nachfrage
Der Krieg hat die strukturelle Verwundbarkeit fossiler Lieferketten schlagartig sichtbar gemacht. Angriffe auf Flüssigerdgas-Infrastruktur im Persischen Golf treffen vor allem Ostasien hart, das in hohem Maße von importiertem LNG abhängig ist.
Japan, Südkorea und Taiwan gelten neben China als potenzielle Hauptprofiteure einer beschleunigten Energiewende. Der Druck, sich von fossilen Importen zu lösen, dürfte die Investitionen in Batteriespeicher, Elektromobilität und erneuerbare Energien in der gesamten Region deutlich erhöhen.
Der chinesische Markt für netzgekoppelte Batteriespeicher soll laut dem Forschungsinstitut Mobility Foresights von 48 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 199 Milliarden US-Dollar bis 2032 wachsen. Allein 2025 legten die Verkäufe von Speicherbatterien in China um über 100 Prozent zu.
CATL: Marktführer mit Ambitionen jenseits der Batterie
CATL, der weltgrößte Batteriehersteller, steht im Zentrum dieser Entwicklung. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Nettogewinn von 72,2 Milliarden CNY und hält gemeinsam mit BYD rund 65 Prozent des chinesischen Heimatmarktes. Doch der Konzern aus Ningde begnügt sich nicht mit der Rolle des Komponentenlieferanten.
Neue Allianz mit der Transfar Group
Mit einer strategischen Partnerschaft mit der Transfar Group weitet CATL sein Geschäftsmodell erheblich aus. Die Kooperation umfasst drei Kernbereiche: die Absicherung kritischer Batteriematerial-Lieferketten, die Entwicklung emissionsfreier Lösungen für Energiespeicher und Transportlogistik sowie die Integration intelligenter Roboter in neue Energieanlagen. Erste Pilotprojekte starten in Hangzhou, bevor eine Ausweitung auf die Provinz Zhejiang und den nationalen Markt folgen soll.
Marktbeobachter werten diesen Schritt als konsequente Reaktion auf die wachsende Bedeutung flexibler Energiespeicher als Kerninfrastruktur für Rechenzentren und Stromnetze. CATL positioniert sich damit frühzeitig für die globale Nachfrage nach integrierten Energie- und Automatisierungssystemen. Die Strategie steht zudem im Einklang mit Chinas 15. Fünfjahresplan.
Feststoffbatterien als nächster Technologiesprung
Parallel zur Marktexpansion treibt CATL die Entwicklung der nächsten Batteriegeneration voran. Ein im März 2026 von der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) veröffentlichtes Patent zeigt, dass der Konzern auf sulfidbasierte Festkörperelektrolyte setzt. Die angestrebte Energiedichte liegt bei 500 Wh/kg, was eine erhebliche Steigerung gegenüber heutigen Lithium-Ionen-Zellen darstellt.
Laut Branchenberichten befindet sich CATL derzeit auf Technologiereifegrad 4 und strebt bis 2027 die Stufen 7 oder 8 an. Das entspricht dem Übergang von Laborprototypen zu serientauglichen Zellen in Automobilqualität. Als kurzfristiges Ziel gilt der Sprung von 20-Ah-Mustern auf 60-Ah-Prototypen. Zur Absicherung des späteren Produktionshochlaufs hat CATL beim Zulieferer Guangdong Jiayuan Technology bereits Kupferfolien-Kapazitäten im Wert von rund 8,4 Milliarden Euro für den Zeitraum 2026 bis 2028 reserviert.
Offen bleibt die Kostenfrage: Sulfid-Festkörperzellen sind derzeit drei- bis fünfmal teurer als konventionelle Lithium-Ionen-Zellen. CATL räumte im Oktober 2025 ein, dass trotz gelöster wissenschaftlicher Grundlagenprobleme noch technische Hürden bestehen.
Chinas koordinierte Industriestrategie
CATL agiert dabei nicht allein. Im Rahmen des staatlich initiierten Konsortiums China All-Solid-State Battery Collaborative Innovation Platform (CASIP) haben sich führende chinesische Batterie- und Automobilhersteller zusammengeschlossen, um die Kommerzialisierung von Feststoffbatterien gemeinsam voranzutreiben. Ziel ist der Aufbau einer wettbewerbsfähigen Lieferkette bis 2030.
- Beteiligte Batteriehersteller: CATL, CALB, EVE Energy, SVOLT, Gotion High-Tech, FinDreams Battery (BYD)
- Beteiligte Automobilhersteller: mehrere staatliche Konzerne sowie BYD und Nio
- Weitere Akteure: Vertreter aus Regierung, Wissenschaft und staatlich geförderten Investmentfonds
China will seine marktführende Stellung bei Elektrofahrzeugbatterien durch den Technologiesprung zur Feststoffbatterie nicht gefährden lassen. Die koordinierte Allianz aus Konkurrenten zeigt, wie ernst Peking diese Herausforderung nimmt.

