ChatGPT und Gemini stehen beide bei einer Milliarde User
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Innerhalb von knapp zwei Wochen haben Google und OpenAI gemeldet, dass ihre KI-Assistenten je mehr als eine Milliarde Nutzer:innen erreichen. Die Art der Bekanntgabe könnte unterschiedlicher kaum sein – und die Zahlen sind nur bedingt vergleichbar.
Google-CEO Sundar Pichai machte daraus am 11. August einen Auftritt: Auf X verkündete er, dass die Gemini-App die Marke von einer Milliarde monatlich aktiver Nutzer:innen überschritten hat, und bezeichnete sie als das am schnellsten wachsende Produkt in der Geschichte des Konzerns. Gemini ist damit das 14. Google-Produkt, das die Milliardengrenze knackt – nach Search, Gmail, Android, Maps, Chrome, Play und YouTube. Begleitend veröffentlichte Josh Woodward, Vice President für Google Labs, Gemini und AI Studio, einen Blogpost mit Nutzungsdaten.
OpenAI ging deutlich leiser vor. Das Unternehmen hatte bereits am 31. Juli mitgeteilt, mehr als eine Milliarde aktive Nutzer:innen und über zwei Millionen Geschäftskund:innen zu haben – rund drei Jahre und acht Monate nach dem Start von ChatGPT. Im jüngsten Blogpost vom 6. August, der erstmals länderweise Nutzungsdaten aufschlüsselt, taucht die Milliarde dann nur noch als Nebensatz auf: Die Statistiken sollen helfen zu verstehen, wie mehr als eine Milliarde Menschen ChatGPT einsetzen.
Die Wachstumskurve von Gemini
Bemerkenswert ist bei Google vor allem das Tempo der vergangenen zwölf Monate. Im Mai 2025 nannte Pichai noch 400 Millionen monatlich aktive Nutzer:innen für die Gemini-App, im Oktober 2025 waren es 650 Millionen, im Februar 2026 rund 750 Millionen. Bei der I/O im Juni sprach Pichai von 900 Millionen, im Quartalsbericht im Juli lag die Zahl über 950 Millionen. Die letzten 50 Millionen kamen also innerhalb weniger Wochen dazu.
Zur Nutzung selbst nennt Google: 63 Prozent der Gemini-Nutzer:innen sprechen mit dem Assistenten per Stimme, täglich werden mehr als 150 Millionen Bilder generiert, über 100 Millionen aktive Nutzer:innen entfallen auf iOS. Power-User auf macOS setzen laut Google etwa doppelt so viele Prompts ab wie Nutzer:innen auf anderen Oberflächen. Angekündigt sind Unterstützung für mehr als 60 zusätzliche regionale Dialekte, weitere App-Automatisierungen und neue Lernfunktionen.
Wichtig für die Einordnung: Die Zahl bezieht sich ausschließlich auf die Gemini-App. Der AI Mode in der Google-Suche wird separat gezählt und kommt für sich genommen ebenfalls auf über eine Milliarde monatlich aktive Nutzer:innen.
Unterschiedliche Zählweisen
Ein direkter Vergleich der beiden Milliardenzahlen ist heikel. Google spricht explizit von monatlich aktiven Nutzer:innen einer einzelnen App. OpenAI wiederum bezieht seine Angabe auf alle KI-Oberflächen des Unternehmens – primär ChatGPT, aber auch Codex und ChatGPT Work – und lässt offen, ob es sich um wöchentliche oder monatliche Aktive handelt. Zuletzt offiziell bestätigt hatte OpenAI im Februar 2026 rund 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer:innen. Analysehäuser wie Sensor Tower verorten das Überschreiten der Milliardenmarke bei der ChatGPT-App auf Mitte 2026.
Auch beim Geld bleiben beide Unternehmen zugeknöpft. Weder Google noch OpenAI beziffern, wie viele dieser Nutzer:innen zahlen. Googles Abos beginnen bei 7,99 US-Dollar pro Monat für Google AI Plus und reichen bis 100 Dollar für AI Ultra. OpenAI testet parallel Werbung in ChatGPT.
Was die Similarweb-Daten zum Wettrennen sagen
Ein am 2. August veröffentlichter Similarweb-Report mit Daten bis Mai 2026 zeichnet ein differenzierteres Bild als die reinen Nutzerzahlen. Die Analyst:innen schlagen drei Messgrößen vor – Reichweite, Bindung und Wachstumsrate – und kommen zum Schluss, dass keine Plattform in allen dreien führt.
Reichweite: ChatGPT verzeichnet weltweit mehr Web-Besuche als Gemini, Claude und Perplexity zusammen. Gemini liegt klar auf Platz zwei, wobei die Kurve seit etwa September 2025 deutlich steiler nach oben zeigt – zeitlich passend zu Googles tieferer Integration von Gemini und AI Mode in die Suche. Claude bewegte sich lange in einem schmalen Band und brach ab Februar 2026 nach oben aus. Perplexity ist die einzige der vier Plattformen mit fallendem Trend seit dem Höchststand im Oktober 2025.
Bindung: Gemessen an der Stickiness – dem Anteil monatlicher App-Nutzer:innen, die täglich zurückkehren – liegt ChatGPT vorn. Interessant ist der Vergleich dahinter: Claude schlägt Gemini bei diesem Wert knapp, obwohl die Nutzerbasis um ein Vielfaches kleiner ist. Ein größerer Teil von Googles Publikum nutzt die App also eher gelegentlich.
Wachstumsrate: Hier dreht sich die Rangfolge um. Beim Jahresvergleich der weltweiten monatlich aktiven App-Nutzer:innen wächst Claude prozentuell am stärksten, gefolgt von Perplexity und Gemini. ChatGPT wächst prozentuell am langsamsten – legt aber wegen der großen Basis in absoluten Zahlen am meisten zu.
Auch bei den Werbeausgaben zeigt sich ein ähnliches Muster: ChatGPT investiert absolut am meisten in bezahlte Suche, Gemini folgt, Claude gibt am wenigsten aus, skaliert seine Ausgaben aber am schnellsten.
Bei den Nutzungsmustern korrigiert Similarweb eine verbreitete Annahme: Programmier- und Entwickler-Themen machen sowohl bei Claude als auch bei Gemini einen deutlich größeren Anteil aus als bei ChatGPT. Das Kategorien-Profil von ChatGPT ähnelt am ehesten dem eines allgemeinen Suchmaschinenersatzes.

