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Creative Days Vienna: „Technologien bergen das Potential für nachhaltige Lebensweisen“

Daniela Gandorfer & NFT. © Daniela Gandorfer
Daniela Gandorfer & NFT. © Daniela Gandorfer

„Mit den Creative Days Vienna untersuchen wir die Schnittstelle von Kunst, Kultur und Technologie: In Wien stehen dafür die Weichen auf Zukunft. Hier entwickeln wir vernetzt Kreativ-Konzepte für die technologischen Realitäten von morgen. Von der Community für die Community“, sagt Elisabeth Noever-Ginthör, Abteilungsleiterin Creativity&Business der Wirtschaftsagentur Wien. Das Programm der Veranstaltung am 1. und 2. Juni 2022 im Rahmen der ViennaUP ist bereits dicht und hochkarätig besetzt.

Mit Daniela Gandorfer haben die Creative Days eine hochkarätige Keynote-Sprecherin gewonnen: Die Rechts- und Medientheoretikerin beschäftigt sich intensiv mit Krypto-Technologien und zeigt mit einer Initiative das „Recht auf Atmen auf. Gandorfer wird am 2. Juni um 15:30 Uhr bei den Creative Days zu sehen sein.

Im großen Interview spricht sie über Bitcoin und neue Technologien für einen nachhaltigeren Lebensstil.

Sie sind bei den Creative Days 2022 mit dabei. Welchen Fokus werden Sie haben, was können die Gäste in Ihrem Beitrag erwarten?

Daniela Gandorfer: In meinem Beitrag geht es um die Frage der Entwicklung neuer Rechtsformen. Die Vielzahl von Krisen, denen sich die westlichen Gesellschaften gegenwärtig ausgesetzt sehen, hat viel damit zu tun, dass unsere bestehendes Recht oftmals an der Komplexität der Welt scheitert.

In der Arbeit des Logischen Phantasie Labs, einem österreichischen gemeinnützigen Verein, und dem Krypto-Künstler:innenkollektiv Code-X-Diagrams beschäftigen wir uns vor allem mit der Rolle neuer Technologien, insbesondere Blockchain, und der Frage inwiefern – und in welcher Form – diese zu sozialen, politischen, und umweltorientierten Projekten beitragen können.

Sie haben sich auf Krypto-Technologien spezialisiert. Immer mehr halten Bitcoin für eine disruptive Technologie. Wie bewerten Sie Bitcoin?

Bitcoin ist die erste Iteration einer neuen Technologie (Blockchain), die viele wichtige Türen geöffnet hat. Mit Bitcoin wurde die Frage „Was ist Geld?“ von einem akademischen Diskurs zu einer öffentlichen Debatte. Geldpolitik ist einer der komplexesten und zugleich wichtigsten Hebel für gesellschaftliche Verteilungsfragen.

Dass Bitcoin zugleich eine der sichtbarsten Formen des spekulativen Kapitalismus geworden ist, sagt viel über Blockchain Technologie. Es ist ein Grenzraum („frontier space“) und somit nicht abschließend definiert. Bitcoin ist ein wichtiger Bestandteil des Blockchain-Ecosystems, aber das gesamte Potential dieses Bereichs über Bitcoin zu definieren greift zu kurz.

Sie setzen sich mit Rechtskonzepten im Web3 auseinander. Web3 hat das Versprechen von Dezentralität, jeder soll/kann theoretisch teilhaben. Dem gegenüber stehen Großinvestor:innen, die Milliarden investieren, um digitale Grundstücke etc. zu kaufen. Ist Dezentralität im Web3 ein leeres Versprechen?

Ja und nein. Grundsätzlich beginnen die meisten Projekte im Blockchain-Bereich mit der Annahme, dass es gilt, Kapital effizient und sinnvoll zu investieren. Damit ist die Eintrittshürde oftmals hoch. Allerdings gibt es viele Initiativen, die nicht auf Kapital aufbauen, sondern Token Economics für soziale und ökologische Zwecke mobilisieren. Die Right to Breathe-Initiative unseres Labs ist einer dieser Initiativen. Es geht grundsätzlich darum, Ausdrucksformen für „Breathing injustices“ zu entwickeln, die nicht vordefiniert sind, sondern aus der Gesellschaft kommen und damit aus gelebten Wirklichkeiten.

In diesem Sinn sind Rechtssysteme mit dem Blockchain-Bereich vergleichbar. Beide Systeme bauen auf universellen Formen auf, die ‘die Welt in ihre Formen zwingen’, um lesbar zu werden. Wir versuchen diesen Zwang zu öffnen. Das klingt vielleicht etwas unnahbar, tatsächlich ist das aber das Kernstück unserer Arbeit. Ist es möglich, ein ‘technological registry’ zu entwickeln, das Lebenswirklichkeiten ausdrückt und sie lesbar macht?

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Sie beschäftigen sich auch mit ethischen Ansätzen zu Gerechtigkeit in Zeiten des Klimawandels. Der Klimawandel betrifft unterschiedliche Regionen sehr unterschiedlich, und verschiedene Länder verursachen sehr unterschiedliche Mengen an CO2, Umweltverschmutzung. Wie kann da Gerechtigkeit aussehen?

Diese Frage schließt an die vorherige an. Der Ansatzpunkt für das Logische Phantasie Lab ist nicht Gerechtigkeit als universelles Konzept, sondern Ungerechtigkeiten, wie sie gelebt werden. Daher geht es uns um ein Registry und um Lesbarkeit, und nicht um vorgefertigte Lösungen. Die Kür liegt darin, Technologien aus dem digitalen Bereich in Lebenswirklichkeiten zu bringen.

Für Klimawandel bedeutet das, sich im Detail mit dem Kontext, der Geschichte und der Formen der Betroffenen (nicht nur Menschen) zu beschäftigen. Es bedarf einer gewissen Bescheidenheit, sich einem Thema in der Grössenordnung des Klimawandels und Gerechtigkeit zu nähern. Für uns kommt diese Bescheidenheit aus dem Kontext und dem Widerstand gegen den Impuls zu schnell zu verallgemeinern.

Sie machen mit der „Right to Breathe“-Initiative auf ein grundlegendes Problem aufmerksam. Wie dramatisch ist die Situation bereits?

Laut WHO atmen 99 Prozent der Weltbevölkerung Luft, die nicht den Luftqualitäts-Richtlinien entspricht. Jährlich sterben 7 Millionen Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung, wobei Haushalte mit mittlerem und niedrigem Einkommen überproportional betroffen sind. Atmen ist jedoch noch von vielen anderen Phänomenen, mitunter auch sozialen und politischen, vor allem auch Klimawandel gefährdet – sei es durch die Abholzung des Regenwaldes, Waldbrände, die Ausdünnung der Atmosphäre und die Verringerung des Sauerstoffgehalts im Ozean, globale Pandemien wie COVID-19 oder Polizeigewalt (#icantbreathe).

All dies zeigt, dass die Situation sehr dramatisch ist und die Möglichkeit des Atmens abhängig von komplexen rechtlichen, politischen und physischen Strukturen ist.

NFT, generiert aus Atemmessdaten. © Daniela Gandorfer
NFT, generiert aus Atemmessdaten. © Daniela Gandorfer

Viele sehen Technologien und Digitalisierung als Teil der Lösung des Klimaproblems an, andere eher nicht. Ihre Position?

Technologien – ihre Entwicklung, ihr Potential, sowie die Gefahr die sie bergen – müssen im jeweiligen geschichtlichen und sozialen Kontext gesehen werden. Klimawandel ist sicherlich die größte Herausforderung unserer Zeit und bedarf ein gesellschaftliches Umdenken; ein Bewusstsein dafür, dass die Welt verbunden ist, über den Menschen hinausreicht und daher Teil dessen ist, was menschliche Existenz möglich macht, und nicht eine Ressource, die es zu ausbeuten und zu verkapitalisieren gilt.

Technologien und Digitalisierung bergen das Potential für nachhaltige Lebensweisen, ohne ein Umdenken laufen sie jedoch Gefahr, gegenteilige Interessen zu fördern. Ebendiese Schnittstelle ist was wir, das Logische Phantasie Lab, versuchen zu adressieren.

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