Stellenabbau

DeepL entlässt 250 Beschäftigte – ein Viertel der Belegschaft muss gehen

DeepL-Gründer und CEO Jaroslaw Kutylowski © DeepL
DeepL-Gründer und CEO Jaroslaw Kutylowski © DeepL

Das Kölner KI-Übersetzungs-Unternehmen DeepL hat einen massiven Stellenabbau angekündigt, berichtet heise. CEO und Gründer Jarek Kutylowski gibt bekannt, dass rund 250 Positionen gestrichen werden – das entspricht etwa einem Viertel der Belegschaft. DeepL beschäftigt derzeit mehr als 1.000 Mitarbeitende. Welche Unternehmensbereiche konkret betroffen sind, hat DeepL bislang nicht mitgeteilt.

Kutylowski bezeichnet die Entscheidung auf LinkedIn als „die schwierigste Entscheidung, die ich in meiner Karriere treffen musste“. Zugleich betont er: „Es handelt sich jedoch um eine bewusste strukturelle Entscheidung darüber, wie DeepL arbeiten muss, um weltweit führend im Bereich der KI zu bleiben“. Der CEO erklärt, die Entlassungen seien Teil einer umfassenden Umstrukturierung, nicht bloße Kostensenkung.

Was soll sich ändern?

Die Reorganisation zielt darauf ab, die Arbeitsweise von Grund auf zu verändern. DeepL setzt auf kleinere, eigenverantwortliche Teams, in denen KI-Systeme Routineaufgaben übernehmen. Die Mitarbeiter:innen sollen sich „auf das konzentrieren können, was nur Menschen leisten können“ – Kutylowski sieht Intuition, kreative Ideen und die End-to-End-Begleitung von Projekten als Beispiele. Der CEO selbst übernimmt eine aktivere Rolle im operativen Geschäft und leitet eine kleine Arbeitsgruppe, die Produktentwicklung und Kundenakquise mit KI im Mittelpunkt neu denken will.

Kutylowski sieht DeepL in einem größeren Kontext: „Wir durchleben gerade einen massiven strukturellen Wandel dessen, welche Arbeit existiert, wer sie erledigt und wie viele Menschen dafür nötig sind“. Unternehmen, die jetzt handeln, würden das nächste Jahrzehnt prägen. Wer abwarte, verbringe die Zeit mit Aufholen, so der CEO.

Vom Übersetzer zum KI-Agenten: DeepL expandiert

DeepL treibt den Ausbau seiner KI-Produkte parallel zur Umstrukturierung konsequent voran. Neben den etablierten Übersetzungsdiensten hat das Unternehmen zuletzt verstärkt Software für Unternehmen vorgestellt, darunter einen KI-Agenten zur Automatisierung von Abläufen in Bereichen wie Vertrieb, Finanzen und Kundenservice. Im April präsentierte DeepL außerdem eine Echtzeit-Sprachübersetzung für Geschäftskunden. Die neuen Angebote richten sich zunehmend auf automatisierte Wissensarbeit – also auf Tätigkeiten, die bislang häufig von Mitarbeiter:innen übernommen wurden.

Investoren bewerteten DeepL im Mai 2024 mit zwei Milliarden US-Dollar. Einem Bloomberg-Bericht zufolge prüfte das Kölner Unicorn einen Börsengang in den USA mit einer angestrebten Bewertung von bis zu fünf Milliarden Dollar. DeepL äußerte sich damals nicht zu den IPO-Plänen. Die jetzigen Entlassungen dürften auch im Kontext dieser Ambitionen stehen – schlanke Strukturen und KI-getriebene Effizienz sind Argumente, die bei Investoren ziehen.

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