Deloitte-Studie: Ohne Human-in-the-Loop kein Wettbewerbsvorteil
AI verändert die Arbeitswelt rasanter, als sich Unternehmen anpassen können. Eine aktuelle Deloitte-Studie unter 9.000 Führungskräften aus 76 Ländern zeigt: Während fast zwei Drittel der Unternehmen KI bereits im Arbeitsalltag einsetzen, gestaltet nur jedes siebte die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine bewusst. Die Mehrheit – etwa 59 Prozent – verfolgt einen rein technologiezentrierten Ansatz und lässt damit erhebliches Potenzial ungenutzt. „Geschwindigkeit wird bei der AI-Integration in Arbeitsprozesse zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor“, erklärt Gudrun Heidenreich-Pérez, Partnerin bei Deloitte Österreich.
Die Zahlen belegen den Handlungsdruck: 7 von 10 Führungskräften erklären die Steigerung des Tempos und die Erhöhung der Wendigkeit in den nächsten drei Jahren zu ihrer primären Wettbewerbsstrategie. Geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Volatilität und disruptive technologische Veränderungen wirken gleichzeitig auf Unternehmen ein. „Die Unternehmen haben das erkannt. Nun müssen dieser Absichtserklärung auch Taten folgen“, so Heidenreich-Pérez weiter.
Neue Managementkompetenz gefordert
„Der echte Mehrwert von AI entsteht nicht durch die Technologie allein. Entscheidend ist, wie Mitarbeitende sie nutzen – mit Urteilsvermögen und Kreativität“, sagt Isabella Schleifer, Director bei Deloitte Österreich. Die bewusste Gestaltung dieser Interaktion erfordert neue Managementkompetenzen: Arbeit, Rollen und Prozesse müssen neu definiert werden. Klare Abläufe wie „Human-in-the-Loop“ – bei dem Menschen KI-Ergebnisse prüfen – sorgen für effektivere Nutzung. Zudem brauche es eine Experimentier- und Lernkultur, die kontinuierliches Lernen in den persönlichen Arbeitsalltag integriert statt isoliert im Trainingsprogramm fördert.
„Die besten Lösungen basieren auf dynamischer, interdisziplinärer Zusammenarbeit. Das klassische Organisationsmodell wird dem Anspruch an Geschwindigkeit oft nicht gerecht, denn funktionale Silos bremsen. Der Wettbewerbsvorteil entsteht durch flexible Orchestrierung von Skills, Daten und Technologie“, erklärt Schleifer. Der Rahmen muss stimmen: Verantwortlichkeiten und Entscheidungsstrukturen gehören klar geregelt.
Governance-Lücke bei Datenqualität
Mit der steigenden Präsenz von AI im Arbeitsalltag gewinnen Fragen nach Vertrauen und Verantwortung an Bedeutung. AI-erstellte Lebensläufe, Arbeitsproben oder Entscheidungsgrundlagen sind bereits heute Teil vieler Geschäftsprozesse. Die Studienergebnisse offenbaren jedoch eine kritische Lücke: Nur 5 Prozent der Unternehmen setzen aktiv Maßnahmen, um über die Zuverlässigkeit und Herkunft ihrer Daten Bescheid zu wissen. Ebenso wenig sehen sich bei Entscheidungsrechten und Governance-Strukturen ausreichend vorbereitet.
„Unternehmen müssen Verantwortungen festlegen, die Verlässlichkeit von Daten sichern und Arbeit neu gestalten. Es muss klar definiert werden, in welchen Situationen Algorithmen Entscheidungen treffen können und wann menschliches Eingreifen erforderlich ist. Nur so lassen sich die Potenziale von AI ausschöpfen, ohne dass Sicherheitsbedenken zum Hemmnis werden“, resümiert Heidenreich-Pérez. Die Technologie allein liefert keinen Wettbewerbsvorteil – entscheidend bleibt der Mensch.
