Suchmaschine Ecosia tauscht Mistral gegen chinesische KI
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Europas KI-Souveränität hat ein Problem, und es kommt aus Berlin: Die Suchmaschine Ecosia, die auch von Behörden genutzt wird, hat Mistral als KI-Lieferanten fallen gelassen und setzt stattdessen auf offene Modelle, darunter chinesische wie Qwen von Alibaba, GLM von Z.ai und Kimi von Moonshot AI. Das berichtet Politico. Ausgerechnet in dieser Woche hat Mistral mit Large 4 sein bisher stärkstes Modell vorgestellt, doch auch das kommt an die Spitze der chinesischen Open-Weight-Modelle nicht heran.
Enttäuscht von der Qualität
Ecosia hatte erst im Mai von OpenAI auf Mistral umgestellt, als Zeichen für europäische Unabhängigkeit. Laut der Hilfeseite von Ecosia liefen die KI-Zusammenfassungen in der Suche zuletzt mit Mistral Small 3.2, der KI-Chat mit Mistral Small 4. Nun der Rückzieher: Laut Politico ist Ecosia-Chef Christian Kroll von der Qualität der Mistral-Modelle enttäuscht, sie hinkten der Konkurrenz rund ein Jahr hinterher. Dazu kamen nach Berichten häufige Überlastungen der Mistral-Server. Kroll stellt auch Mistrals Status als souveräner Anbieter infrage, weil das französische Unternehmen auf Geld internationaler Investoren angewiesen sei.
Die neuen Modelle bezieht Ecosia über Melious, eine deutsche Plattform, die offene KI-Modelle auf Servern in acht EU-Ländern betreibt. Laut Melious verlassen die Daten Europa nicht, im Angebot sind unter anderem GLM 5.3 von Z.ai, Kimi K3 von Moonshot AI und DeepSeek V4.1 Flash. Laut Berichten über die Umstellung haben sich die Kosten für die KI-Dienste dadurch etwa halbiert, die Leistung sei gestiegen.
Mistral schlägt mit Large 4 zurück
Mistral hat in dieser Woche mit Large 4 ein Modell mit einer Billion Parametern vorgestellt, trainiert in europäischen Rechenzentren, die offenen Gewichte sollen Ende Oktober folgen. Der Sprung gegenüber den Vorgängern ist gewaltig: Im Intelligence Index von Artificial Analysis kommt Large 4 auf 38,4 Punkte, Medium 3.5 schaffte 14 Punkte, Large 3 nur 9 Punkte. Damit ist es das stärkste offene Modell außerhalb Chinas.
An die chinesische Spitze reicht das aber nicht heran. Im Ranking der offenen Modelle landet Large 4 auf Platz 8, alle sieben Modelle davor stammen aus China:
| Modell | Anbieter | Intelligence Index |
|---|---|---|
| MiMo-V2.6-Pro | Xiaomi | 46,3 |
| GLM-5.3 | Z.ai | 44,8 |
| Kimi K3 | Moonshot AI | 43,6 |
| GLM 5.3 Flash | Z.ai | 41,8 |
| Qwen3.8 2.4T | Alibaba | 39,9 |
| Qwen3.8-Flash-Next | Alibaba | 39,8 |
| DeepSeek V4.1 Flash | DeepSeek | 39,5 |
| Mistral Large 4 (Preview) | Mistral | 38,4 |
Auch beim Preis hat Mistral es schwer: Mit 1,13 Dollar (rund 1 Euro) pro Aufgabe im Index ist Large 4 zwar günstiger als GLM-5.3 und Kimi K3 mit rund 2 Dollar, DeepSeek V4.1 Flash liefert aber mit 0,27 Dollar (rund 24 Cent) einen etwas höheren Wert. Weil Mistral das Training der Vorabversion fortsetzt, kann sich Large 4 bis zur Freigabe der Gewichte allerdings noch verbessern.
Das Souveränitäts-Paradox
Der Fall zeigt ein Dilemma der europäischen KI-Politik. Wer in Europa auf offene Spitzenmodelle setzen will, landet derzeit fast zwangsläufig bei chinesischen Anbietern, auch wenn diese auf europäischen Servern laufen. Selbst Mistral setzt auf chinesische Modelle: Seit dem Sommer baut sich das Unternehmen zur europäischen Neocloud um, die Rechenkapazität, Modell-Hosting und regionale Datenkontrolle im Paket verkauft. Erstmals laufen dort auch Modelle anderer Anbieter, und den Anfang machte ausgerechnet GLM 5.2 von Z.ai. Mittlerweile hat Mistral auf den Nachfolger GLM 5.3 umgestellt, weitere fremde Modelle führt es laut seiner Modellübersicht bisher nicht. Mistral bietet seinen Kund:innen also genau jene chinesische KI an, zu der Ecosia nun gewechselt ist. Z.ai steht seit 2025 auf der Sanktionsliste der USA.
Mistral selbst hält dagegen: Large 4 schlage die chinesischen Modelle in einigen Bereichen, sagte Mistral-Chef Arthur Mensch laut Reuters, und verweist etwa auf die Fähigkeiten bei der Cyberabwehr. Zudem wirbt das Unternehmen damit, dass Large 4 vollständig in Europa trainiert wurde und Kund:innen die Gewichte auf eigenen Servern betreiben können.

