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Erst gerodet, dann geprüft: Finnland stoppt Googles Rechenzentren

Drone view of a pine forest in Finland
Forest in Finland. © SaiKrishna Saketh Yellapragada / Unsplash

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Erst die Bäume fällen, dann die Umweltprüfung abschließen, so geht das in Finnland nicht: Die finnische Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde LVV hat Google angewiesen, die Arbeiten an zwei geplanten Rechenzentren im Norden des Landes zu stoppen. Betroffen sind die Standorte Muhos und Kajaani, an denen die Google-Tochter Tuike Finland bereits großflächig Wald gerodet hat. Binnen gut zwei Wochen müssen die Arbeiten ruhen.

Rund 530 Hektar Wald bereits gerodet

Laut der Helsinki Times wurden in Muhos mehr als 300 Hektar Wald abgeholzt, in Kajaani-Otanmäki rund 200 Hektar für den Bau vorbereitet. Zusammen entspricht das etwa 740 Fußballfeldern. Die Umweltverträglichkeitsprüfungen für beide Projekte sollen aber erst im Laufe des Jahres abgeschlossen werden. In Finnland ist eine solche Prüfung vorgeschrieben, wenn mehr als 200 Hektar Fläche dauerhaft umgewidmet werden.

Die Behörde argumentiert, dass die Arbeiten genau jene Folgen haben, die mit der Prüfung erst bewertet werden sollen. Verboten sind nun Rodungen, Erdarbeiten, Sprengungen, Entwässerung sowie der Bau von Straßen und Lagerflächen. Planungen, Vermessungen und andere umkehrbare Arbeiten bleiben erlaubt. Bis kommende Woche kann Google noch schriftlich Stellung nehmen.

Google räumt Fehler ein

Google reagierte ungewohnt selbstkritisch. „Wir verstehen die Sorge, die die Situation ausgelöst hat. In diesem Fall haben wir die hohen Standards, die wir uns selbst setzen, nicht erfüllt“, zitiert die Helsinki Times das Unternehmen. Google will in Muhos rund 130 Hektar wieder aufforsten. Zuvor hatte der Konzern betont, die Rodungen hätten dem finnischen Forstgesetz entsprochen und es seien vorab ökologische Untersuchungen durchgeführt worden.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte der finnische Naturschutzbund, der bereits im September Alarm geschlagen hatte. Dessen Vorsitzende Hanna Halmeenpää sprach von „grober Inkompetenz der Projektgesellschaft von Google, grober Missachtung des finnischen Rechts oder beidem“. Auch der Bürgermeister von Kajaani, Terho Savolainen, räumte ein, dass die Verfahren „nicht ganz wie erwartet“ verlaufen seien.

13 Milliarden Euro für Finnland

Für Google steht viel auf dem Spiel. Der Konzern hat angekündigt, bis 2028 mindestens 13 Milliarden Euro in KI-Infrastruktur in Finnland zu investieren, es ist die größte Einzelinvestition des Unternehmens in Europa. Neben Muhos und Kajaani sind Projekte in Vaala geplant, dazu kommt der bestehende Standort in Hamina, wo Google seit Jahren eine ehemalige Papierfabrik als Rechenzentrum betreibt. In Muhos sind neun Gebäude geplant, in Kajaani acht.

Der Norden Europas ist bei Rechenzentrumsbetreibern begehrt: Das kühle Klima spart Energie für die Kühlung, Strom aus Wind- und Wasserkraft ist reichlich vorhanden, und die politische Lage gilt als stabil. Befürworter:innen verweisen auf Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in strukturschwachen Regionen wie Kainuu.

Widerstand gegen Rechenzentren wächst

Finnland ist kein Einzelfall. In den USA wurden allein im ersten Halbjahr rund 120 Rechenzentrumsprojekte im Wert von fast 170 Milliarden Euro durch lokalen Protest blockiert oder verzögert. Auch in Europa wird der Gegenwind stärker: Irland hat neue Rechenzentren im Großraum Dublin wegen des knappen Stroms jahrelang faktisch auf Eis gelegt, und die Niederlande haben den Bau großer Hyperscale-Anlagen stark eingeschränkt. Der Hunger der KI nach Rechenleistung trifft damit zunehmend auf die Frage, wie viel Natur, Strom und Wasser Gemeinden dafür hergeben wollen.

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