Hermes-Macher Nous Research holt 90 Millionen Dollar
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Den Agenten verschenken, mit den Firmenkund:innen Geld verdienen: Nous Research, das US-Startup hinter dem Open-Source-KI-Agenten Hermes, hat seine Finanzierungsrunde unter Dach und Fach gebracht. Laut Wall Street Journal sammelt das Unternehmen in einer Series B 90 Millionen Dollar (rund 77 Millionen Euro) ein. Die Bewertung liegt bei 1,5 Milliarden Dollar, umgerechnet etwa 1,28 Milliarden Euro.
Angeführt wird die Runde von Robot Ventures, mit dabei sind laut dem Bericht auch Nvidia, Microsofts Venture-Arm M12 und Samsung. Im Sommer war noch von mindestens 75 Millionen Dollar die Rede, wie Trending Topics berichtete. Am Ende ist es also mehr geworden, bei gleicher Bewertung.
Vom Community-Projekt zum Unicorn
Gegründet wurde Nous Research 2023 von Jeffrey Quesnelle, Karan Malhotra, Ryan Teknium und Shivani Mitra. Bis zur aktuellen Runde hatte das Startup rund 70 Millionen Dollar (etwa 60 Millionen Euro) eingesammelt, unter anderem von Paradigm, Robot Ventures, North Island Ventures, OSS Capital und Balaji Srinivasan. Paradigm hatte im Frühjahr 2025 eine Series A über 50 Millionen Dollar angeführt. Mit der neuen Runde steigt das Gesamtkapital auf etwa 160 Millionen Dollar, rund 137 Millionen Euro.
Seine Wurzeln hat Nous in der Open-Source-Community und im Krypto-Umfeld. Neben dem Agenten hat das Startup eigene offene Sprachmodelle mit Fokus auf Coding und Mathematik veröffentlicht und experimentiert mit dezentralem KI-Training.
Was Hermes kann
Hermes ist ein Open-Source-Agent, der im Web recherchiert, Dateien bearbeitet, Code schreibt und aus dem Nutzungsverhalten neue Fähigkeiten lernt. Steuern lässt er sich auch über Messenger wie Telegram oder Discord, auf Wunsch arbeiten die Agenten rund um die Uhr. Die Zahlen zur Verbreitung sind beachtlich:
- Downloads: Laut WSJ wurde Hermes seit Februar mehr als 22,7 Millionen Mal heruntergeladen.
- GitHub: Schon im Sommer zählte das Projekt rund 214.000 Sterne und knapp 40.000 Forks.
- Preise: Die gehostete Version kostet zwischen 20 und 200 Dollar (etwa 17 bis 171 Euro) pro Monat.
Das Geschäftsmodell: Offen für alle, bezahlt von Firmen
Die spannende Frage ist, wie sich ein frei verfügbarer Agent zu Geld machen lässt. Nous setzt auf ein Open-Core-Modell: Die Software bleibt offen, kostenpflichtig werden Hosting, Sicherheit, Verwaltung und Support für Unternehmen. Genau dorthin soll das frische Kapital fließen.
Die Umsatzkurve zeigt steil nach oben, zumindest laut Unternehmen. Mitte September lag der annualisierte Umsatz demnach bei 36 Millionen Dollar (rund 31 Millionen Euro), bis Jahresende rechnet das Management mit mehr als 100 Millionen Dollar, also etwa 85 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um eine Prognose von Nous selbst. Ob aus der Begeisterung der Entwickler:innen dauerhafte Budgets in Konzernen werden, muss sich erst zeigen.
Die Konkurrenz: OpenClaw und die großen Agenten-Plattformen
Hermes kam nur wenige Wochen nach dem Hype um OpenClaw auf den Markt und gilt als dessen direkter Konkurrent. OpenClaw stammt vom Oberösterreicher Peter Steinberger, der inzwischen zu OpenAI gewechselt ist. Sein Projekt soll in einer Stiftung als Open Source weiterbestehen, wie Trending Topics berichtete. Das Rennen um KI-Agenten ist aber deutlich breiter:
- OpenClaw: Der Agent des Österreichers Peter Steinberger ist das populärste Open-Source-Projekt seiner Art und wird von OpenAI unterstützt.
- Cognition: Der Macher des Coding-Agenten Devin holte im Mai mehr als eine Milliarde Dollar bei einer Bewertung von 26 Milliarden Dollar (rund 22 Milliarden Euro).
- Replit: Das Coding-Startup sammelte im März 400 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 9 Milliarden Dollar (etwa 7,7 Milliarden Euro) ein und stellte Agent 4 vor.
- Mistral AI: Der französische KI-Champion setzt ebenfalls auf offene Modelle und baut seine Agenten-Angebote für Unternehmen aus.
Für Nous ist die neue Runde damit vor allem ein Auftrag: Die Reichweite in der Community ist da, jetzt muss das Startup beweisen, dass Unternehmen für einen offenen Agenten genauso zahlen wie für die geschlossenen Angebote der großen KI-Labs.

