Scalable Capital eröffnet Bank in Wien und wird in Österreich steuereinfach
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Der Innsbrucker Gründer holt sein Neobroker-Geschäft nach Hause: Scalable Capital, 2014 in München von dem Tiroler Florian Prucker und dem Deutschen Erik Podzuweit gegründet, startet soeben eine eigene Bankniederlassung in Wien. Kund:innen bekommen damit eine österreichische IBAN, und die Kapitalertragsteuer (KESt) wird künftig automatisch ans Finanzamt abgeführt. Damit räumt Scalable die größte Hürde aus dem Weg, die Österreicher:innen bisher von ausländischen Neobrokern abgeschreckt hat.
Das Ende der Steuererklärung für Anleger:innen
Wer bisher bei einem nicht steuereinfachen Broker investierte, musste Kursgewinne und Dividenden selbst in der Steuererklärung angeben und die KESt nachzahlen, ein Aufwand, den viele scheuten. Diese Rolle übernimmt Scalable Capital ab sofort: Die Bank berechnet die KESt direkt an der Quelle, behält sie ein, führt sie ab und gleicht Verluste automatisch aus. Neukund:innen erhalten bei der Kontoeröffnung gleich eine österreichische IBAN sowie einen Kundenservice mit österreichischer Telefonnummer. Bestandskund:innen sollen in Kürze zur österreichischen Niederlassung wechseln können.
Möglich macht den Schritt die Vollbanklizenz, die Scalable Capital im Vorjahr erhalten hat. Geleitet wird die Niederlassung von Florian Müllner. Einen Tech-Standort in Wien betreibt das Unternehmen bereits seit 2024, aktiv am österreichischen Markt ist es seit mehr als zehn Jahren.
300 Milliarden Euro auf dem Sparbuch
Der Zweck dahinter ist klar: Scalable will an das viele Geld, das in Österreich auf schlecht verzinsten Konten liegt. Laut Oesterreichischer Nationalbank parken private Haushalte mehr als 300 Milliarden Euro in Einlagen, wo sie die Inflation schrittweise aufzehrt. Gleichzeitig wächst die Lust am Investieren: Laut einer Studie von BlackRock liegt Österreich beim Anteil der ETF-Anleger:innen europaweit auf Platz 2, ihre Zahl hat sich seit 2022 verdoppelt.
„Wir sehen auch in Österreich eine massiv wachsende Nachfrage nach einem diversifizierten und langfristigen Vermögensaufbau“, sagt Müllner. Um Sparer:innen abzuholen, lockt Scalable mit hohen Zinsen:
- Tagesgeld: 2,60 Prozent pro Jahr auf das gesamte Guthaben, ohne Obergrenze und für Neu- wie Bestandskund:innen. Davon entfallen allerdings 1,10 Prozentpunkte auf einen Bonus, der vorerst nur bis Anfang November gilt. Der Basiszins ist an den Einlagensatz der EZB gekoppelt, abzüglich 1 Prozentpunkt.
- Festgeld: Ab November gibt es 2,75 Prozent für 6 Monate, 3,00 Prozent für 12 Monate und 3,25 Prozent für 24 Monate.
- PRIME+: Um 4,99 Euro pro Monat gibt es eine Trading-Flatrate ohne Ordergebühren ab 250 Euro Ordervolumen (sonst 0,99 Euro pro Trade). Zudem wird das Guthaben auf bis zu fünf Partnerbanken verteilt, sodass bis zu 500.000 Euro unter die gesetzliche Einlagensicherung fallen.
Dazu kommen mehr als 9.400 Aktien, 3.400 ETFs, Krypto-ETPs, Derivate, Anleihen und Private-Equity-Fonds (ELTIFs) sowie Sparpläne ab 1 Euro. Seit Ende August können Kund:innen ihr Konto zudem mit KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude oder Grok verknüpfen. Und sobald die Bundesregierung den rechtlichen Rahmen für das geplante Zukunftsdepot geschaffen hat, will Scalable dieses ebenfalls anbieten.
Trade Republic war schneller
Ganz neu ist das Modell in Österreich allerdings nicht. Der Münchner Rivale Trade Republic ist bereits seit April 2025 steuereinfach und vergibt österreichische IBANs, dazu ein Gratis-Girokonto. Im Frühjahr warb Trade Republic österreichische Neukund:innen mit 3 Prozent Zinsen und Brad Pitt als Testimonial. Steuereinfach sind auch flatex und der Wiener Krypto- und Aktienbroker Bitpanda, dazu kommen die Online-Angebote heimischer Banken wie George von der Erste Bank. Scalable Capital zählt nach eigenen Angaben europaweit mehr als eine Million Kund:innen mit über 60 Milliarden Euro Vermögen auf der Plattform und beschäftigt in München, Berlin, Wien und Mailand mehr als 800 Mitarbeiter:innen.

