Entrix: Münchner EnergyTech holt 43 Millionen Euro – Enpal beteiligt
Das Münchner EnergyTech-Unternehmen Entrix hat sich europaweit eine Batteriespeicherkapazität von 3 Gigawatt (GW) beziehungsweise 8,5 Gigawattstunden (GWh) gesichert. Davon sollen 2 GW noch 2026 ans Netz gehen. Parallel dazu hat ein Investorenkonsortium dem Unternehmen weitere 43 Millionen Euro bereitgestellt.
Angeführt wird die Runde von den belgischen Energieinvestoren Junction Growth Investors und Korys. Mit dabei sind außerdem Solaranlagen-Unicorn Enpal, BNP Paribas über den Solar Impulse Venture Fund, der Versicherungskonzern Allianz sowie AENU, Abacon und die Arvantis Group.
70 Batteriespeichersysteme seit 2021
Entrix betreibt mittlerweile mehr als 70 Batteriespeichersysteme in ganz Europa – von Standalone-Projekten bis hin zu Co-Location-Lösungen in Kombination mit Solarenergie. Entrix startete 2021 mit dem Betrieb eines der ersten Großspeicherprojekte in Deutschland und hat sich schnell zu einem der führenden europäischen Anbieter für Speicheroptimierung entwickelt, ohne selbst Anlagen zu bauen.
Die 3 GW an kontrahierter Flexibilität entsprechen etwa der Leistung von drei Kernkraftwerken oder dem Spitzenstrombedarf von rund drei Millionen Haushalten. Mit Büros und lokalen Teams in Deutschland, Italien, Spanien und Polen stellt Entrix Marktnähe sowie regulatorische Expertise in seinen Kernmärkten sicher. Zu den Kunden zählen große Independent Power Producers, Infrastrukturinvestoren und Stadtwerke sowie Unternehmen wie MEAG (Munich Re), Encavis oder Deutsche Bahn Energie.
Flexibilität wird zur kritischen Infrastruktur
Mit steigendem Anteil erneuerbarer Energien und zunehmender Volatilität der Strommärkte wird die Fähigkeit, Flexibilität marktübergreifend zu steuern, immer wichtiger. Europas anhaltende Abhängigkeit von instabilen fossilen Brennstoffmärkten, die weiterhin maßgeblich die Strompreise bestimmen, macht die Beschleunigung der Energiewende zur strategischen Notwendigkeit.
Der rasante Ausbau von Rechenzentren verschärft die Situation zusätzlich, da diese eine dauerhafte stabile Stromversorgung benötigen. Batteriespeicher sollen sich zum Rückgrat eines fossilfreien Energiesystems entwickeln und die Lücke zwischen schwankender erneuerbarer Erzeugung und verlässlicher Stromversorgung rund um die Uhr überbrücken.
Entrix optimiert Batteriespeichersysteme über alle relevanten Strommärkte hinweg – von Regelenergie über Day-Ahead bis hin zum Intraday-Handel. Durch KI-gestützten Handel und intelligente Optimierung reagieren Batterien in Echtzeit auf Preissignale, Netzanforderungen und Portfoliostrategien. Über den kurzfristigen Handel hinaus entwickelt Entrix langfristige Erlösmodelle für Batteriespeicher. Gemeinsam mit Finanzinstituten und langfristigen Abnehmern sollen stabile und planbare Einnahmeströme erzeugt werden, die den weiteren Ausbau der Energiewende ermöglichen.
„Der Umfang der uns anvertrauten Projekte steht für einen grundlegenden Wandel im Energiesystem: Flexibilität ist heute kritische Infrastruktur“, sagt Steffen Schülzchen, Gründer und CEO von Entrix. „Unsere Aufgabe ist es, technische Leistung in stabile, risikoadjustierte Erträge für Investoren zu übersetzen und gleichzeitig die Netzresilienz zu stärken sowie die Integration erneuerbarer Energien in großem Maßstab zu ermöglichen. Dieser Meilenstein unterstreicht die langfristigen Partnerschaften und die operative Tiefe, die wir in ganz Europa aufgebaut haben.“
Expansion in fünf europäischen Kernmärkten
Entrix ist in fünf europäischen Märkten aktiv, die sich in unterschiedlichen Phasen der Energiewende befinden. Deutschland bleibt nach Kapazität der wichtigste Markt. Polen entwickelt sich rasant zu einem wichtigen Markt für Flexibilität, getrieben durch Kapazitätsmechanismen und strukturelle Veränderungen im Erzeugungsmix. Mit einem lokalen Team in Warschau und strategischen Partnerschaften mit Entwicklern und Investoren wie Greenvolt hat Entrix den Markteintritt vollzogen. Die ersten fünf Projekte sollen noch 2026 ans Netz gehen.
In Italien hat das Land allein 2024 mehr als 5 GW Solarkapazität zugebaut – mit spürbaren Auswirkungen auf Preisvolatilität und regionale Netzengpässe zwischen Nord- und Süditalien. Die Iberische Halbinsel zählt zu den dynamischsten Märkten für erneuerbare Energien in Europa. Spanien hat in den vergangenen Jahren mehr als 20 GW Solarkapazität zugebaut und damit den Bedarf an Speicherlösungen zur Bewältigung von Intraday-Volatilität deutlich erhöht. Der Stromausfall im iberischen Netz im April 2025 hat zudem gezeigt, welche Rolle flexible Kapazitäten für die Netzstabilität in einem zunehmend dynamischen Energiesystem einnehmen.
