EU-Parlament tauscht Google gegen Qwant als Standard-Suchmaschine
Das Europäische Parlament vollzieht laut heise einen bemerkenswerten Schritt in Richtung digitale Souveränität. Google fliegt als Standard-Suchmaschine von den Computern im Haus, die französische Alternative Qwant übernimmt. Der Wechsel soll am Donnerstag stattfinden.
Qwant bietet datenschutzfreundliche Google-Alternative
Grund für den Wechsel ist der Versuch, mehr digitale Souveränität und Datenschutz zu erreichen. Konkret greift Qwant, wenn Abgeordnete eine Suche direkt in der Adresszeile von Firefox oder Edge starten.
Die Änderung betrifft zunächst nur die Standardeinstellung, zwingt aber niemanden: Wer Google bevorzugt, kann die Suchmaschine weiterhin nutzen. Qwant positioniert sich als datenschutzfreundliche europäische Alternative.
„Pro-europäische Souveränitätsmaßnahme“
Im Herbst hatten einflussreiche Abgeordnete unterschiedlicher Fraktionen das Parlament aufgefordert, sich von Microsoft 365 zu verabschieden. Sie forderten generell mehr Unabhängigkeit von amerikanischer Software. Qwant wurde damals bereits namentlich als europäische Google-Alternative genannt.
Ein Initiator des Anliegens stellte klar, dass es sich nicht um eine „anti-amerikanische“, sondern eine „pro-europäische Souveränitätsmaßnahme“ handle. Mit dem Wechsel setzt das Parlament nun ein erstes sichtbares Zeichen, auch wenn Microsoft 365 vorerst bleibt.
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Eigene Suchmaschineninfrastruktur in Europa
Qwant existiert seit 2013, die deutsche Version ging 2014 online. Im Herbst 2025 hat sich der französische Anbieter mit dem Berliner Startup Ecosia zusammengetan, um eine eigene Suchmaschineninfrastruktur in Europa aufzubauen. Dafür gründeten sie das Joint Venture European Search Perspective (EUSP), das eine unabhängige Alternative zu Google und Co. entwickeln soll. Das Ziel: ein datenschutzfreundlicher Suchindex, der bei beiden Partnern zum Einsatz kommt.
EUSP geht noch weiter und hat im Frühjahr Europas Regierungen aufgerufen, nationale Suchindexe als öffentliche digitale Infrastruktur aufzubauen. Die Vision dahinter: Europa soll bei der Suche im Netz nicht länger von amerikanischen Konzernen abhängig sein. Mit dem EU-Parlament als prominentem Nutzer erhält Qwant nun einen wichtigen Referenzkunden.

