SynthID

Googles KI-Detektor kommt mit großen Lücken bei Text und Anthropic

Laptop showing Google's SynthID Detector website
SynthID Detector on a laptop. © Kari Shea / Unsplash, Screenshot Google / Collage Trending Topics

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Echt oder KI? Diese Frage soll jetzt jede:r selbst klären können: Google hat seinen SynthID-Detektor soeben für alle Nutzer:innen geöffnet. Auf der Website synthid.com lassen sich Bilder, Videos und Audiodateien hochladen und darauf prüfen, ob sie mit KI von Google oder einem Partner erstellt wurden. Der Haken: Was ohne SynthID-Wasserzeichen entstanden ist, bleibt unsichtbar, und Texte prüft das Tool gar nicht.

180 Milliarden markierte Bilder und Videos

Google versieht KI-generierte Medien seit 2023 mit SynthID, einem unsichtbaren Wasserzeichen, das direkt in die Pixel oder die Tonspur eingebettet wird. Laut Google wurden damit bis heute mehr als 180 Milliarden Bilder und Videos markiert, dazu Audioinhalte mit einer Gesamtlänge von 240.000 Jahren. Das Wasserzeichen steckt etwa in Inhalten aus dem Bildmodell Nano Banana, dem Videomodell Veo, dem Musikmodell Lyria sowie in Gemini und Flow.

Eine erste Version des Detektors hatte Google im Vorjahr vorgestellt, allerdings nur für Journalist:innen und Medienprofis. Nun kann jede:r das Tool kostenlos nutzen, nötig ist nur eine Anmeldung mit einem Konto von Google, OpenAI oder Apple. Unterstützt werden gängige Formate wie JPG, PNG, HEIC und WEBP bei Bildern, MP4, MOV und WEBM bei Videos sowie MP3, WAV und M4A bei Audio. Zusätzlich liest der Detektor C2PA-Metadaten aus, eine Art digitaler Herkunftsnachweis, den viele Anbieter an KI-Dateien anhängen.

OpenAI, Nvidia und bald Apple an Bord

Erkennen kann der Detektor nicht nur Inhalte von Google, sondern auch von Partnern, die SynthID lizenziert haben. Dazu gehören OpenAI, Nvidia und der südkoreanische Konzern Kakao. Bald soll auch Apple dazukommen, und zwar mit Bildern aus Image Playground und anderen Funktionen von Apple Intelligence. Ganz neu ist die Prüfung für Nutzer:innen nicht: Auch in der Google-Suche, in der Gemini-App und in Chrome ist sie eingebaut. Laut Google laufen über diese Wege inzwischen mehr als eine Million Prüfanfragen pro Tag.

Was der Detektor nicht erkennt

So praktisch das Tool ist, so groß sind die Lücken:

  • ChatGPT-Texte: Der Detektor prüft keine Texte. Bei OpenAI würde das ohnehin nicht klappen: Für Bilder und Audio setzt OpenAI zwar auf SynthID, für Texte von ChatGPT und Codex aber auf eine eigene Technologie namens textGrain. Den passenden Detektor dafür bekommen vorerst nur ausgewählte Forschende. Anthropic markiert Claude-Texte zwar mit einer Variante von SynthID-Text, gehört aber nicht zu den Partnern des Detektors. Die Erkennung von Claude-Texten läuft über eine eigene, geschlossene Schnittstelle von Anthropic.
  • Andere Standards: Microsoft und Meta nutzen eigene Wasserzeichen, Bilder aus Open-Source-Modellen tragen meist gar keine Kennzeichnung. All das erkennt der Detektor nicht.
  • Entfernte Wasserzeichen: In manchen Fällen lässt sich SynthID durch Bearbeitung aus Dateien entfernen.
  • Grad der KI-Beteiligung: Das Tool unterscheidet nicht, ob eine Datei komplett mit KI erstellt oder nur mit KI bearbeitet wurde, und zeigt auch nicht, welche Teile synthetisch sind.

Ein negatives Ergebnis heißt also nicht, dass ein Bild echt ist. Es zeigt nur, dass kein SynthID-Wasserzeichen gefunden wurde.

Ein Flickenteppich an Standards

Das Grundproblem bleibt der Wildwuchs: Google, OpenAI, Anthropic, Meta und Microsoft setzen jeweils auf eigene oder lizenzierte Verfahren, dazu kommt der Industriestandard C2PA, hinter dem unter anderem Adobe, Microsoft und Google stehen. Einen Detektor, der alles erkennt, gibt es nicht. Mit dem EU AI Act steigt der Druck allerdings: Seit August müssen KI-Anbieter ihre Inhalte in der EU maschinenlesbar kennzeichnen. Welche Pflichten für Unternehmen daraus folgen, haben wir zusammengefasst.

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