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Sifted 250: Österreich schafft es nur einmal unter Europas schnellste Startups

Die Gründer von 21bitcoin, Dominik Seibold (links) und Daniel Winklhammer (rechts)
21bitcoin co-founders Dominik Seibold (left) and Daniel Winklhammer. © 21bitcoin

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Viel Geld, wenig Tempo: Unter den 250 am schnellsten wachsenden Startups Europas findet sich genau ein Unternehmen aus Österreich. Das zeigt das neue Ranking „Sifted 250“, das das Branchenmedium Sifted vergangene Woche auf seinem Summit in London vorgestellt hat. Der einzige rot-weiß-rote Vertreter ist das Salzburger Bitcoin-Startup 21bitcoin, das auf Platz 107 landet.

Das Ergebnis steht in auffälligem Kontrast zu den Finanzierungszahlen. Im ersten Halbjahr haben heimische Startups laut EY 472 Millionen Euro eingesammelt, mehr als dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Beim tatsächlich erzielten Umsatzwachstum spielt Österreich im europäischen Vergleich aber kaum eine Rolle.

Wellness-Marktplatz aus London an der Spitze

Sifted reiht die Unternehmen nach dem Umsatzwachstum über die jeweils letzten drei Geschäftsjahre. Gemessen wird die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate über zwei Jahre, auf Basis tatsächlich erzielter Umsätze. Hochgerechnete Werte wie ARR akzeptiert Sifted ausdrücklich nicht, die Firmen mussten unterschriebene Unterlagen zu ihren Zahlen einreichen.

Auf Platz eins steht Healf, ein Londoner Online-Marktplatz für Nahrungsergänzungsmittel, Wearables und andere Wellness-Produkte. Gegründet haben ihn die aus Manchester stammenden Brüder Lestat McCree und Max Clarke. Der Umsatz stieg laut Sifted-Report von 207.000 Euro im Jahr 2023 auf 47,7 Millionen Euro im Jahr 2025. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von rund 1.400 Prozent und liegt nur knapp unter dem Rekord, den die britische Allica Bank vor zwei Jahren aufgestellt hat.

Dahinter folgen Neko Health aus Stockholm, das Spotify-Gründer Daniel Ek mitgegründet hat und das Ganzkörper-Scans zur Vorsorge anbietet, sowie der Genter Cybersecurity-Spezialist Aikido Security. Auf Platz vier landet der Londoner Energieversorger Fuse Energy, auf Platz fünf das Prager Fintech Flowpay, das Kredite an kleine Unternehmen vergibt.

Die wichtigsten Zahlen

  • Länder: Großbritannien stellt 31,6 Prozent der Unternehmen, Frankreich 12,8 Prozent. Deutschland und Schweden folgen mit je 8,8 Prozent.
  • Städte: London ist mit 63 Startups vertreten, Paris mit 28, Stockholm mit 16 und Berlin mit 15.
  • Wachstum: Die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate liegt bei 249 Prozent, nach 226 Prozent im Vorjahr. Für Platz 250 waren knapp 111 Prozent nötig.
  • KI: 56 Unternehmen gelten als KI-nativ, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.
  • Branchen: B2B-Software führt mit 81 Unternehmen vor Fintech mit 69 und Climate Tech mit 36. Die am stärksten vertretene Nische ist Digital Health mit 16 Firmen.
  • Effizienz: Der Umsatz pro Mitarbeiter:in hat sich in zwei Jahren auf 337.000 Euro mehr als verdoppelt, die durchschnittliche Teamgröße sank von 98 auf 72 Personen.
  • Unicorns: 14 Unternehmen im Ranking sind mindestens eine Milliarde Dollar wert, darunter n8n, Parloa, Multiverse Computing und The Exploration Company.
  • Profitabilität: 58 der 250 Startups schreiben schwarze Zahlen.

21bitcoin als einziger Vertreter Österreichs

Das Salzburger Startup 21bitcoin wurde 2021 von Daniel Winklhammer und Dominik Seibold gegründet und betreibt eine App, mit der Nutzer:innen ausschließlich Bitcoin kaufen, sparen und verwahren können. Trending Topics hat die Firma schon in ihrer Frühphase begleitet. Später stieg die bayerische Volksbank Raiffeisenbank Bayern Mitte mit 2,1 Millionen Euro ein. Das Unternehmen ist bei der Finanzmarktaufsicht als Krypto-Dienstleister registriert und hat nach eigenen Angaben bereits früh profitabel gearbeitet. Im Sifted-Ranking kommt 21bitcoin auf eine jährliche Wachstumsrate von knapp 210 Prozent.

Aus dem deutschsprachigen Raum sind deutlich mehr Firmen dabei. Das Berliner Automatisierungs-Startup n8n landet auf Platz 26, dazu kommen etwa das Frankfurter Inkasso-Startup Debtist, das Münchner Compliance-Startup Kertos, das Berliner Voice-AI-Unternehmen Parloa und das Zürcher Startup Avea.

Kapital fließt, Umsatz folgt später

Ein Grund für die schwache Präsenz Österreichs liegt in der Struktur der großen Finanzierungen. Ein erheblicher Teil der 472 Millionen Euro aus dem ersten Halbjahr entfiel auf zwei Runden zu je 100 Millionen Euro an Waterdrop und Gropyus. Beide Unternehmen sind älter oder umsatzstärker als die typischen Kandidaten für das Ranking, das vor allem junge Firmen mit kleiner Ausgangsbasis begünstigt. Dazu kommen prominente Exits wie der Verkauf von Tractive an Bending Spoons, die Kandidaten aus der Wertung nehmen, weil nur unabhängige Unternehmen zugelassen sind.

Hinzu kommt, dass viele heimische Startups in DeepTech, Health oder SpaceTech unterwegs sind. In diesen Feldern dauert es oft Jahre, bis nennenswerte Umsätze fließen, auch wenn die Finanzierungsrunden groß ausfallen.

Schwächen des Rankings

Das Sifted 250 bildet nur Unternehmen ab, die sich selbst bewerben oder von Sifted kontaktiert werden und bereit sind, ihre Umsätze offenzulegen. Sifted räumt selbst ein, dass einige der bekanntesten Startups Europas fehlen, weil sie keine Zahlen herausgeben. Wer nicht mitmacht, taucht nicht auf, die Liste erhebt also keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Außerdem belohnt die Methode vor allem prozentuales Wachstum. Ein Startup, das von 200.000 Euro auf 5 Millionen Euro wächst, liegt weit vor einem Scaleup, das seinen Umsatz von 100 auf 300 Millionen Euro verdreifacht. Die Zahl der Unternehmen mit mehr als 100 Millionen Euro Umsatz im Ranking ist von 18 auf acht gesunken, der durchschnittliche Umsatz fiel von 25,3 auf 15,5 Millionen Euro. Und schließlich bildet das Ranking die Vergangenheit ab: Die Daten reichen bis 2025 oder 2026 zurück und sagen nichts darüber aus, ob das Tempo hält.

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