SuperPlan: Stocard-Gründer melden sich mit neuer Einkaufslisten-App zurück
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Nach den Kundenkarten kommt der Einkaufszettel: Das Team hinter der Kundenkarten-App SuperCards, das großteils schon Stocard aufgebaut hat, bringt soeben SuperPlan auf den Markt. Die kostenlose App für iPhone und Android kombiniert eine geteilte Einkaufsliste mit einer Rezeptsammlung und nutzt KI, um Rezepte aus Social Media, Kochbüchern und handgeschriebenen Karten in Zutatenlisten zu verwandeln.
„Die Einkaufsliste selbst ist unbegrenzt gratis: anlegen, teilen, synchronisieren. Das kostet uns pro Nutzer sehr wenig. Echte Kosten entstehen bei den KI-Funktionen, also Spracheingabe, Foto- und Rezept-Import. Dafür gibt es ein wöchentliches Gratis-Kontingent, und wir gehen davon aus, dass rund 90 Prozent der Nutzer damit dauerhaft gratis auskommen. Wer mehr braucht, nimmt Premium“, sagt Mitgründer Mark Himmelsbach, der von Gmunden aus arbeitet. Premium kostet zum Start in Österreich 1,99 Euro pro Woche oder 29,99 Euro im Jahr, jeweils mit einer Woche Gratistest. „Pro Token rechnen wir nicht ab, Premium ist ein Fixpreis. Konkrete Margen nennen wir nicht. Das Abo ist aber so kalkuliert, dass es die KI-Kosten der Premium-Nutzer deckt und das Gratis-Angebot mitträgt, ganz ohne Werbung.“
Rezepte von TikTok, Kochbuch und Omas Karteikarte
Die Basisfunktionen decken ab, was man von einer Einkaufslisten-App erwartet: Vorschläge beim Tippen, Tausende Produkte mit Icons und eine automatische Sortierung in Kategorien, auch bei Artikeln, die die App nicht kennt. Listen werden per Link geteilt, Änderungen sehen alle Mitglieder in Echtzeit, und die App funktioniert auch offline.
Der eigentliche Fokus liegt auf der KI. Rezepte lassen sich von Instagram, TikTok, YouTube, Pinterest oder Websites importieren, Kochbuchseiten und handgeschriebene Rezeptkarten werden einfach abfotografiert. Laut den Macher:innen liest die App auch vergilbte Seiten und Handschrift. Mit einem Fingertipp landen die Zutaten auf der gemeinsamen Liste, umgerechnet auf die gewünschte Portionenzahl.
Befüllen lässt sich die Liste auch per Sprache, über eine weitergeleitete WhatsApp-Nachricht oder Sprachnachricht sowie mit einem Foto vom Einkaufszettel. Die Spracherkennung hat das Team eigens fürs Einkaufen trainiert: Aus „äh, fünf Paradeiser, nein, sechs, und Milch“ sollen sechs Paradeiser und Milch werden. Ein Konto ist nicht nötig, Werbung gibt es keine.
Von Stocard über Klarna zu SuperCards
Hinter SuperPlan steht die Berliner Super Apps Studio GmbH mit den Gründern David Handlos (CEO), Florian Barth und Mark Himmelsbach. Handlos hatte 2011 in Mannheim gemeinsam mit Björn Goß Stocard gegründet, eine App, die Kundenkarten aufs Smartphone brachte und weltweit auf rund 60 Millionen Nutzer:innen kam. Himmelsbach war von Anfang an beim Aufbau dabei.
2021 kaufte der schwedische Fintech-Riese Klarna das Startup für rund 110 Millionen Euro. Klarna nutzte Stocard vor allem als Zugang zu Millionen Nutzer:innen für sein eigenes Shopping- und Bezahlangebot, ließ die Marke in Klarna aufgehen und stellte die eigenständige Stocard-App schließlich ein. Die gespeicherten Kundenkarten wanderten in die Klarna-App, was bei vielen Nutzer:innen wegen des Fokus auf Ratenkauf und Datenweitergabe für Unmut sorgte.
In diese Lücke stießen ehemalige Stocard-Leute mit SuperCards: einer werbefreien Kundenkarten-App ohne Registrierung, die inzwischen auf rund 4 Millionen Nutzer:innen kommt. SuperPlan ist nun das zweite Produkt des Studios und folgt demselben Prinzip: kein Konto, keine Werbung, Monetarisierung über ein optionales Abo.
Etablierte Konkurrenz
Leicht wird der Einstieg nicht. Im deutschsprachigen Raum dominiert seit Jahren die Schweizer App Bring!, die ebenfalls geteilte Listen, Rezepte und Kooperationen etwa mit Chefkoch bietet. International konkurrieren Apps wie AnyList, Listonic oder ReciMe, die sich auf den Import von Rezepten aus Social Media spezialisiert hat. Dazu kommen die Supermarktketten mit eigenen Apps samt Einkaufslisten. SuperPlan setzt darauf, dass die KI-Erkennung von Sprache, Fotos und Handschrift im Alltag den Unterschied macht.

