Heidi: Australisches Health-AI-Startup holt 340 Millionen Dollar
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Das australische Health-AI-Startup Heidi hat eine Series-C-Finanzierung über 100 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom australischen Investor Blackbird, beteiligt sind die bestehenden Geldgeber Phoenix Court (die Investmentgesellschaft hinter LocalGlobe, Latitude und Solar Funds), Point72 Private Investments und Headline. Bewertet wird das Unternehmen dabei mit 900 Millionen US-Dollar.
Parallel dazu erhält Heidi eine Wachstumsfinanzierung über 240 Millionen US-Dollar aus dem Customer Value Fund (CVF) von General Catalyst. Dieses Instrument ist kein klassisches Eigenkapital: Es finanziert Vertriebs- und Kundenakquisekosten und wird aus den daraus entstehenden Umsätzen zurückgeführt, ohne die Anteile bestehender Investor:innen zu verwässern. In Summe stehen dem Unternehmen damit 340 Millionen US-Dollar frisches Kapital zur Verfügung. Insgesamt hat Heidi nach eigenen Angaben bislang 436,6 Millionen US-Dollar eingesammelt.
Die Bewertung hat sich damit binnen eines Jahres knapp verdoppelt. Bei der Series B über 65 Millionen US-Dollar im Vorjahr lag der Unternehmenswert noch bei rund 465 Millionen US-Dollar.
Was Heidi macht
Heidi wurde im australischen Melbourne gegründet und startete als sogenannter AI Scribe: eine Software, die Arzt-Patienten-Gespräche mithört, transkribiert und daraus automatisch die klinische Dokumentation erstellt, also Befunde, Verlaufsnotizen, Überweisungen oder Arztbriefe. Der Anwendungsfall ist simpel zu erklären und betriebswirtschaftlich relevant: Medizinisches Fachpersonal verbringt einen erheblichen Teil des Arbeitstags mit Dokumentation, die sich weitgehend automatisieren lässt.
Inzwischen positioniert sich das Unternehmen breiter, als „AI Care Partner“, der den gesamten klinischen Arbeitstag begleitet. Dazu zählen ein Produkt namens Evidenz, das kontextbezogene medizinische Fachinformationen direkt im Behandlungszimmer ausspielt und laut Unternehmen seit dem Start im Frühjahr fast acht Millionen Anfragen beantwortet hat, eine anwendungsübergreifende Diktierfunktion sowie mit Remote ein erstes eigenes Hardwaregerät. Die Plattform wird zunehmend an elektronische Patientenaktensysteme angebunden.
Technologisch setzt Heidi nicht ausschließlich auf zugekaufte Frontier-Modelle: Transkription und Notizenerstellung, auf die der Großteil der Rechenlast entfällt, laufen laut Unternehmen nahezu vollständig auf eigenen Modellen. Die Verantwortung für klinische Entscheidungen bleibt in jedem Fall beim medizinischen Fachpersonal.
Zahlen und Verbreitung
Heidi beziffert die Nutzung mit rund 2,8 Millionen Patientenkontakten pro Woche in 190 Ländern und 110 Sprachen. Kumuliert seien es mehr als 175 Millionen Patientenkontakte und über 67 Millionen unterstützte klinische Arbeitsstunden, mehr als das Dreifache im Vergleich zum Vorjahr. Der wiederkehrende Jahresumsatz (ARR) ist nach Unternehmensangaben seit dem Verkaufsstart vor zwei Jahren von einer Million auf zuletzt 50 Millionen US-Dollar gestiegen.
Im öffentlichen Gesundheitswesen hat Heidi zuletzt einen großen Referenzkunden gewonnen: Das Unternehmen wurde als alleiniger Anbieter für NHS England Midlands ausgewählt, laut eigenen Angaben die bislang größte Beschaffung klinischer KI-Dokumentation in der Geschichte des britischen NHS. Sie umfasst 15 Akut- und Community Trusts, sämtliche Integrated Care Boards der Region sowie 1.239 Hausarztpraxen. In Australien ist die Software unter anderem am Royal Children’s Hospital Melbourne, bei Children’s Health Queensland und Metro South Health im Einsatz, in Neuseeland in allen Notaufnahmen des Landes.
DACH-Region als Wachstumsmarkt
Für den deutschsprachigen Raum gibt Heidi ein Plus von 205 Prozent bei den monatlich aktiven Nutzer:innen seit dem Markteintritt im Zuge der Series B an, bei über 600.000 Interaktionen mit Patient:innen in diesem Zeitraum. Als Referenz nennt das Unternehmen die Einführung beim Swiss Medical Network, einer der größeren privaten Klinikgruppen der Schweiz.
Mit dem frischen Kapital will Heidi die Zahl der Mitarbeitenden in der DACH-Region verdoppeln und in Deutschland ein lokales Führungsteam aufbauen. Zudem sollen Produkte stärker auf die Anforderungen des deutschen, österreichischen und Schweizer Gesundheitswesens zugeschnitten werden.
Regulierung als Kostenfaktor
Ein Teil der Series C fließt in regulatorische Verfahren für fortgeschrittene klinische Funktionen in Europa und Großbritannien. Das ist der eigentliche Engpass für Anbieter in diesem Segment: Sobald eine Software über reine Dokumentation hinausgeht und klinische Empfehlungen ausspielt, greifen in der EU die Regeln für Medizinprodukte, dazu kommen DSGVO-Anforderungen und die Vorgaben nationaler Gesundheitssysteme. Heidi verweist auf Zertifizierungen wie ISO 27001, ISO 42001, SOC 2 Type II und Cyber Essentials Plus sowie auf ein eigenes klinisches Forschungsteam, das Tests, Validierung und Publikationen verantwortet.
„Von dem Tag an, an dem ich Heidi gegründet habe, ging meine Vision immer weit über das Schreiben von Arztnotizen hinaus“, sagt Mitgründer und CEO Thomas Kelly. „Ich stellte mir eine KI vor, die medizinisches Fachpersonal durch den gesamten Arbeitstag begleitet, von der Dokumentation von Sprechstunden bis hin zur Unterstützung bei der Arbeit, die daraus entsteht.“
Heidi bewegt sich damit in einem Markt, in dem international unter anderem Abridge, Ambience Healthcare und Nuance mit dem zu Microsoft gehörenden DAX Copilot aktiv sind, im deutschsprachigen Raum etwa Nelly oder Doctorly mit angrenzenden Ansätzen.
