Österreicher:innen erwarten Klimaschutz von Firmen – doch viele wittern Greenwashing
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Die Erwartungen sind klar: Österreichs Bevölkerung fordert von Unternehmen aktives Engagement für Klima- und Umweltschutz. Das hat das EY Klimaschutz Barometer 2026 ergeben, für das im August 2026 insgesamt 1.000 Österreicher:innen zwischen 16 und 79 Jahren befragt worden sind.
88 Prozent halten entsprechende Maßnahmen für wichtig, fast die Hälfte stuft sie sogar als „sehr wichtig“ ein. Doch die Studie offenbart auch ein massives Vertrauensproblem: 77 Prozent glauben, dass Unternehmen ihre Klima-Leistungen schönreden. 58 Prozent sind überzeugt, dass Firmen zu wenig tun.
Hohe Erwartungen treffen auf enttäuschte Wahrnehmung
Willibald Kaltenbrunner, Partner bei EY denkstatt, kommentiert: „Unternehmen werden längst nicht mehr nur an ihren Produkten oder Dienstleistungen gemessen. Klima- und Umweltschutz ist für viele Menschen zu einem wichtigen Bewertungskriterium geworden. Die Erwartungen an die Wirtschaft steigen deutlich.“ Doch die Realität enttäuscht: Nur 42 Prozent sehen die bisherigen Aktivitäten als ausreichend an. Besonders kritisch urteilen die über 50-Jährigen. In dieser Gruppe sagen 64 Prozent, dass Unternehmen bislang zu wenig leisten.
Konkret erwartet die Bevölkerung vor allem Emissionsreduktion und Klimaanpassungsmaßnahmen wie Hitzeschutz oder Investitionen in resiliente Infrastruktur. Rund die Hälfte der Befragten nennt dies als prioritäre Aufgaben. 44 Prozent fordern nachhaltigere Produkte und Dienstleistungen. „Die Bevölkerung erwartet von Unternehmen nicht nur Klimaziele auf dem Papier. Gefragt sind sichtbare und nachvollziehbare Maßnahmen, die sowohl Emissionen reduzieren als auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels stärken“, so Kaltenbrunner.
Greenwashing-Verdacht dominiert
Das Misstrauen sitzt tief: Nur rund ein Drittel der Befragten vertraut den Nachhaltigkeitsaussagen von Unternehmen, zwei Drittel begegnen ihnen skeptisch. Noch drastischer fällt das Urteil beim Thema Greenwashing aus. 77 Prozent der Österreicher:innen sind überzeugt, dass die Mehrheit oder sogar fast alle Unternehmen ihre Klima- und Umweltschutzleistungen besser darstellen, als sie tatsächlich sind. Besonders ausgeprägt ist diese Einschätzung bei jüngeren Menschen.
„Unternehmen stehen vor einer doppelten Herausforderung: Sie müssen wirksam handeln und gleichzeitig glaubwürdig kommunizieren. Wer Nachhaltigkeit lediglich vermarktet, riskiert erhebliche Vertrauensverluste. Gerade vor dem Hintergrund strengerer regulatorischer Anforderungen wird Glaubwürdigkeit zum entscheidenden Erfolgsfaktor“, warnt Kaltenbrunner.
Viele würden für echten Klimaschutz zahlen
Doch die Studie zeigt auch eine Chance: 73 Prozent der Österreicher:innen würden ein Unternehmen positiver wahrnehmen, wenn es nachvollziehbar und glaubwürdig über Klima- und Umweltschutz berichtet. Bei Menschen in Ausbildung liegt dieser Wert sogar bei 88 Prozent.
Die Bereitschaft, für echten Klimaschutz zu zahlen, ist vorhanden: 58 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Unternehmen mehr investieren sollten, selbst wenn dies kurzfristig höhere Kosten und Preissteigerungen nach sich zieht. Glaubwürdigkeit entwickelt sich damit vom Nice-to-have zum Wettbewerbsvorteil, vorausgesetzt, Unternehmen liefern nicht nur Kommunikation, sondern messbare Taten.

