Pre-Seed

Infrawatch: Startup holt 3 Millionen Dollar, entwickelt Frühwarnsystem für Cyberangriffe

© Infrawatch
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Cyberkriminelle wechseln ständig Domains, Accounts und Schadsoftware. Die Infrastruktur hinter ihren Angriffen bleibt jedoch oft dieselbe. Genau dort setzt das Londoner Cybersecurity-Startup Infrawatch an: Das Unternehmen entwickelt eine Plattform, die verdächtige Internet-Infrastruktur frühzeitig identifizieren und Angriffe und Missbrauch erkennen soll, bevor sie eskalieren.

Dafür hat Infrawatch nun eine Pre-Seed-Finanzierung über 3 Millionen Dollar abgeschlossen. Die Runde wurde von Outward VC und TriplePoint Ventures co-geleitet, zudem beteiligten sich Portfolio Ventures sowie mehrere Angel-Investoren. Gründer Lloyd Davies baute das Team unter anderem mit ehemaligen Mitarbeiter:innen von CrowdStrike, Recorded Future und Intel 471 auf.

Davies formuliert es deutlich: „Ich weiß aus erster Hand, wie kaputt Infrastructure Intelligence heute ist: fragmentierte Daten, verrauschte Feeds und zusammengetackerte Workflows, bei denen ‚Echtzeit‘-Erkennung in der Praxis oft statische tägliche Updates bedeutet. Unternehmen können nicht mithalten, indem sie schmale Intelligence-Feeds zusammenflicken, während sich das Internet unter ihnen verändert.“ Darum habe man Infrawatch von Grund auf neu gebaut: „Um einen der am wenigsten genutzten Aspekte der Cybersecurity in eine praktische Verteidigungsebene zu verwandeln, die Verteidiger befähigt, früher zu handeln und Bedrohungen zu stoppen, bevor sie ihre Kund:innen, Nutzer:innen oder Systeme erreichen.“

Milliarden Signale aus dem Internet, über 1.000 Detection Rules

Die Plattform verarbeitet täglich mehrere Dutzend Milliarden digitale Signale aus dem Internet – darunter Verbindungen zwischen Servern, DNS-Anfragen, neue Domains und andere Infrastruktur-Daten. Daraus analysiert Infrawatch Muster verdächtiger Aktivitäten und bewertet unter anderem, wie sich bestimmte Systeme verhalten, wer hinter ihnen stehen könnte und ob sie mit Phishing, Betrug oder Cyberangriffen in Verbindung stehen.

Neben mehr als 1.000 vorgefertigten Detection Rules können Security-, Fraud- und Investigation-Teams auch eigene Regeln definieren. Unternehmen sollen dadurch gezielt jene Bedrohungen verfolgen können, die für ihre Systeme relevant sind.

Erfahrung aus Threat Intelligence und erste internationale Untersuchungen

Gründer Lloyd Davies bringt Erfahrung aus Security Research und Threat Intelligence mit. Er arbeitete unter anderem im Security-Intelligence-Team von PwC sowie bei CrowdStrike, wo er sich mit nationalstaatlichen Cyberbedrohungen beschäftigte. Dort beobachtete er aus erster Hand, wie Angreifer Internet-Infrastruktur nutzen – und wie schwer bestehende Tools dabei helfen, diese Aktivitäten frühzeitig sichtbar zu machen.

Im April veröffentlichte Infrawatch eine Untersuchung zu einem in Belarus ansässigen „SIM-Farm-as-a-Service“-Anbieter, der laut Unternehmen mit Betreibern in 17 Ländern vernetzt war.

Das frische Kapital soll nun in den Ausbau der Engineering- und Research-Teams sowie in die Weiterentwicklung der Plattform vor dem geplanten General Launch später in diesem Jahr fließen. Zudem plant Infrawatch erste Enterprise-Deployments und die Expansion in die USA. Dort verzeichne das Unternehmen bereits starkes Interesse von Security-, Fraud- und Intelligence-Teams – bislang ohne aktives Outbound-Sales oder Marketing, wie Investor Outward VC betont.

Struktureller Vorteil

Die Investoren sehen einen strukturellen Vorteil in Infrawatchs Ansatz. Sam Stone von TriplePoint Ventures erklärt: „Während KI die Hürde für Cyberkriminalität senkt und das Angriffsvolumen hochtreibt, sind Angreifer im großen Maßstab immer noch auf Infrastruktur angewiesen. Wir glauben, dass Infrawatch die beste Lösung für die kritischen Organisationen der Gesellschaft bietet, um diese Infrastruktur zu identifizieren, zu verstehen und zu stören.“

Andi Kazeroonian von Outward VC ergänzt: „Feindliche Akteure können in Minuten anonymisierte Angriffsinfrastruktur hochziehen, doch Verteidiger brauchen oft Monate, um eine Sicherheitsverletzung zu entdecken. Dieses Ungleichgewicht betrifft praktisch jede Branche, und Infrawatchs Echtzeit-Erkennung adversarialer Infrastruktur an der Quelle packt es direkt an.“

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