Nahost

Irankrieg weitet sich aus, Ölpreis steigt auf mehr als 90 Dollar

Street of Hormuz. © OpenStreetMap / Screenshot
Street of Hormuz. © OpenStreetMap / Screenshot

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran treibt den Ölpreis weiter nach oben. Die Nordseesorte Brent ist am Montag zwischenzeitlich über die Marke von 91 Dollar gestiegen – der höchste Stand seit Juni. Hintergrund sind neue US-Angriffswellen auf den Iran, iranische Gegenschläge auf die Schifffahrt in der Straße von Hormus und ein weiterer gefallener US-Soldat, der die anhaltende Intensität des Konflikts unterstreicht.

Im Handel an den asiatischen Börsen wurden am Montag gegen 3.00 Uhr MESZ für ein Barrel Brent bei Lieferung im September 90,50 Dollar (79,16 Euro) aufgerufen, ein Plus von 2,72 Prozent. Zwischenzeitlich überschritt der Preis die 91-Dollar-Marke. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) legte um 2,39 Prozent auf 84,46 Dollar zu.

Straße von Hormus: Schiffsverkehr bricht ein

Auslöser der jüngsten Preisbewegung ist die zunehmend prekäre Lage in der Straße von Hormus, durch die üblicherweise rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert wird. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge ist am Wochenende deutlich zurückgegangen: Nach Daten des Finanzdatenanbieters LSEG passierten am Sonntag nur noch vier Schiffe die Passage, am Samstag waren es acht gewesen.

Beide Konfliktparteien nehmen inzwischen gezielt die Schifffahrt ins Visier. Die US-Regierung setzt nach eigenen Angaben eine Seeblockade vor iranischen Häfen durch. Der Iran wiederum geht gegen Schiffe vor, die aus seiner Sicht die Regeln in der Straße von Hormus verletzen.

In der Nacht auf Montag meldete die britische Behörde für die Sicherheit der Schifffahrt (UKMTO), dass in der Straße von Hormus nahe dem Oman ein Schiff in Flammen steht. Die Brandursache war zunächst unklar; Schiffen wird empfohlen, die Region nur mit Vorsicht zu durchfahren. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, zwei Öltanker seien auf der Südroute gesprengt worden. Solange die „US-Aggression“ in der Region andauere, sei die Meerenge weder für petrochemische Produkte noch für „einen einzigen Tropfen Öl und Gas“ sicher, hieß es aus Teheran.

17. gefallener US-Soldat als Gradmesser der Eskalation

Wie angespannt die Lage ist, zeigt auch die jüngste Meldung des US-Militärs: Am Samstag kam ein US-Soldat im Nordirak bei einer kontrollierten Sprengung nicht detonierter Kampfmittel aus einer abgeschossenen iranischen Einwegdrohne ums Leben, wie das zuständige Regionalkommando Centcom mitteilte. Die offiziell bekannte Zahl der im Iran-Krieg gefallenen US-Soldaten steigt damit auf 17, ein weiterer Soldat wurde bei dem Vorfall verletzt. Die USA und der Iran drohen einander weiterhin mit Vergeltung – ein baldiges Ende der Kampfhandlungen ist derzeit nicht absehbar.

LNG-Tanker stecken im Golf fest

Auch der Gasmarkt spürt die Folgen der De-facto-Blockade: Seit Donnerstag wurden keine Tanker für verflüssigtes Erdgas (LNG) mehr bei der Durchfahrt durch die Meerenge registriert. Allerdings schalten einige Schiffe zeitweise ihre Transponder ab, um ihre Route zu verschleiern.

Die LNG-Produktion in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten hält sich laut S&P Global trotz der Behinderungen relativ stabil. Dadurch wächst die Menge an LNG, die auf wartenden Schiffen im Golf lagert: An Bord von sieben beladenen katarischen LNG-Tankern befanden sich Mitte Juli schätzungsweise 570.000 Tonnen, insgesamt liegen derzeit LNG-Tanker mit einer Gesamtkapazität von fast 1,9 Millionen Tonnen in der Region. Sollte sich die faktische Blockade der Straße von Hormus in den kommenden Wochen lockern, könnten diese Schiffe für einen raschen Anstieg der Exporte sorgen, so die Analysten von S&P Global.

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