Berliner Fintech mika holt sich 6 Mio. Euro und will Steuerberater für KMU ersetzen
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Das Berliner KI-Startup mika hat eine Seed-Runde über sechs Millionen Euro abgeschlossen. mika baut Buchhaltung, Steuern und Finanzen als KI-native Infrastruktur für kleine Kapitalgesellschaften von Grund auf neu. Dadurch soll das klassische Steuerbüro nicht mehr verpflichtend sein. Mehr als 750 Firmen nutzen die Plattform bereits. Im Juli hat das Startup die Umsatzmarke von einer Million Euro geknackt.
Klassische Steuerberatung soll keine Pflicht sein
Smedvig Ventures führt die Finanzierungsrunde an. Beteiligt sind außerdem das Basler Family Office Wecken & Cie., die studiVZ-Mitgründer Dennis Bemmann und Michael Brehm, limango-Gründer Johannes Ditterich sowie Martina Pfeifer von encourageventures. Die Bestandsinvestoren Keen Venture Partners und Dutch Founders Fund stocken ihre Anteile auf.
Fast eine Million kleine Kapitalgesellschaften gibt es in Deutschland. Für alle sind Buchführung, Umsatzsteuervoranmeldungen und Jahresabschluss gesetzlich vorgeschrieben. Theoretisch darf die Geschäftsführung das selbst erledigen, praktisch tut es kaum jemand. Das Risiko ist zu hoch, das Wissen zu verstreut.
Gründerin Agnieszka Walorska kennt das Problem aus eigener Erfahrung: „Sobald du in Deutschland eine GmbH gründest, heißt es: Du brauchst einen Steuerberater. Das geht so weit, dass manche Unternehmer:innen glauben, das wäre eine gesetzliche Pflicht. Für mich ist klar, das kann und darf so nicht sein.“
mika schafft bessere Zugangsmöglichkeiten
Walorska ist ohne unternehmerische Vorbilder aufgewachsen und konnte bei ihrer ersten Gründung nicht auf Family-and-Friends-Kapital zählen. Mehrere tausend Euro im Jahr nur für die Erfüllung gesetzlicher Pflichten werden zur Barriere, vor allem für jene, die nicht auf Rücklagen oder ein erfahrenes Umfeld zurückgreifen können. „Bei mika schaffen wir mit KI bessere Zugangsmöglichkeiten, damit nicht mehr der Geldbeutel oder das Elternhaus und Netzwerk darüber entscheidet, wer ein Unternehmen gründen kann.“
Gemeinsam mit Luke Linnekuhle (CFO) und Henry Müssemann (CTO) leitet Walorska mika. Linnekuhle hat den Finanzbereich der Activewear-Marke Oceansapart mit aufgebaut, Müssemann war Head of Engineering bei Freezingdata und führte den Softwareanbieter für digitale Forensik bis zum Exit.
Freddie Kalfayan, Principal bei Smedvig Ventures, sieht Deutschland als besonders schwierigen Markt: „In keinem anderen Land Europas sind Buchhaltung und Steuern für kleine Unternehmen so komplex und teuer wie in Deutschland, wo beides so eng verzahnt ist, dass ein einziger Fehler direkt auf die Steuerlast durchschlägt. Deshalb haben selbst die großen internationalen Anbieter hier nie Fuß gefasst.“
Mehr als 750 Firmen nutzen die Plattform
Das Herzstück von mika ist ein KI-natives Hauptbuch (General Ledger). Die AI soll jeden Beleg und jede Zahlung verstehen. Je nach Aufgabe arbeiten unterschiedliche KI-Modelle, eingebettet in Fachwissen und Regeln, die mika selbst entwickelt hat. Die KI-Buchhaltungslösung ordnet zu, bucht und erklärt Nutzer:innen die Bedeutung. Das funktioniert in den meisten Fällen vollständig ohne manuelles Eingreifen.
Ausgebildete Buchhalter:innen im Haus prüfen die Ergebnisse und übernehmen dort, wo die Komplexität menschliche Mitarbeit verlangt. Nutzer:innen können mit ihren eigenen Zahlen sprechen, entweder direkt in mika oder über das Model Context Protocol (MCP) in KI-Assistenten wie ChatGPT oder Claude. Individuelle steuerliche Beratung bietet mika noch nicht an, dafür kooperiert das Startup mit zugelassenen Steuerberater:innen aus dem Netzwerk.
Zu Jahresbeginn nutzten rund 400 GmbHs und UGs die Plattform, inzwischen sind es mehr als 750. Angefangen hat mika bei digitalisierten Dienstleistern wie Agenturen und Beratungen. Inzwischen kommen Kund:innen auch aus SaaS, Immobilien, E-Commerce, Einzelhandel und Handwerk. Das Startup wächst umsatzseitig seit Monaten um über 20 Prozent monatlich.

