Mercedes-Benz setzt bei Workflow-Automatisierung jetzt auf Berliner AI-Unicorn n8n
Der Stuttgarter Automobilhersteller Mercedes-Benz führt gemeinsam mit dem deutschen Technologieunternehmen n8n eine globale Plattform für KI-gestützte Workflow-Automatisierung ein. Ziel ist es, Künstliche Intelligenz nicht länger auf einzelne Pilotprojekte zu beschränken, sondern flächendeckend in zentrale Geschäftsprozesse zu integrieren. 2025 hat n8n eine bedeutende Finanzierungsrunde abgeschlossen und sich damit den Status eines Einhorns gesichert, es gehört zu den Vorreitern im KI-Bereich in Europa.
Warum Mercedes-Benz auf n8n setzt
Mercedes-Benz verfolgt eine modulare und flexible Technologiearchitektur, in der Software und KI als zentrale Wettbewerbsfaktoren gelten. n8n übernimmt dabei die Rolle eines Orchestrators: Die Low-Code-Plattform verbindet bestehende Systeme, vereinfacht komplexe Abläufe und ermöglicht es Mitarbeitenden, eigene KI-gestützte Workflows zu entwickeln, ohne tiefgreifende Programmierkenntnisse zu benötigen. Die Plattform kommt in allen Unternehmensbereichen zum Einsatz, von Entwicklung und Produktion über Vertrieb bis hin zu Finanzdienstleistungen, Personal und IT.
Ein weiterer Grund für die Wahl von n8n ist die Frage der digitalen Souveränität. Da die Plattform selbst gehostet und Cloud-unabhängig betrieben werden kann, behält Mercedes-Benz die volle Kontrolle über kritische Daten und Arbeitsabläufe, heißt es. Die Partnerschaft mit einem europäischen Anbieter stärkt zudem das KI-Ökosystem in Europa.
„KI skaliert nicht durch Technologie allein. Entscheidend ist, dass sie im Kerngeschäft schnell Wirkung zeigt. Mit n8n geben wir unseren Teams bei Mercedes-Benz die Möglichkeit, Ideen in messbaren Nutzen entlang der Wertschöpfungskette zu übersetzen“, so Katrin Lehmann, Chief Information Officer, Mercedes-Benz.
Drei Kompetenzstufen für den KI-Einsatz
Mercedes-Benz strukturiert den unternehmensweiten KI-Einsatz entlang eines dreistufigen Modells, das unterschiedliche Nutzungsprofile abbildet:
- Takers nutzen KI-Werkzeuge im Arbeitsalltag, ohne eigene Workflows zu erstellen.
- Makers gestalten mit Plattformen wie n8n eigene Automatisierungslösungen für ihren Fachbereich.
- Builders entwickeln hochspezialisierte KI-Anwendungen, etwa in der Softwareentwicklung.
Der Ansatz zielt darauf ab, Mitarbeitende nicht nur als Anwender von KI zu sehen, sondern sie aktiv in die Gestaltung neuer Prozesse einzubinden.
Hackathon als Impulsgeber
Zusätzlichen Schwung erhielt der Rollout durch einen unternehmensweiten Hackathon, an dem mehr als 1.500 Mitarbeitende aus allen Geschäftsbereichen teilnahmen. Dort wurden zahlreiche Ideen für KI- und Automatisierungsanwendungen entwickelt. Die vielversprechendsten Use Cases werden nun mithilfe von n8n in die operative Praxis überführt, sodass Impulse direkt aus der Belegschaft in konkrete Prozessverbesserungen münden.
„Viele Unternehmen stehen noch vor der Frage, wie sie KI aus der Pilotphase in den produktiven Einsatz bringen. Gemeinsam mit Mercedes-Benz zeigen wir, wie das in großem Maßstab gelingen kann.“ Jan Oberhauser, Gründer und CEO, n8n
n8n: Vom Berliner Startup zum Einhorn
n8n wurde 2019 in Berlin gegründet und bietet eine Plattform zur Automatisierung von Arbeitsabläufen sowie zur Erstellung von KI-Agenten. Die Software funktioniert über modulare Bausteine, sogenannte „Nodes“, die zu komplexen Anwendungen kombiniert werden können. Über 400 externe Dienste lassen sich integrieren, darunter Microsoft Outlook sowie Sprachmodelle von OpenAI, Google und Anthropic. Nach eigenen Angaben nutzen mehr als 650.000 Entwicklerinnen und Entwickler die Plattform weltweit.
Im Oktober 2025 gab n8n den Abschluss einer Finanzierungsrunde in Höhe von 180 Millionen Dollar bekannt. Damit erreicht das Unternehmen eine Bewertung von 2,5 Milliarden Dollar, was einer mehr als achtfachen Wertsteigerung gegenüber der vorherigen Runde vom März desselben Jahres entspricht. Die Runde wird vom internationalen Risikokapitalgeber Accel angeführt. Weitere Investoren sind Meritech, Redpoint, Visionaries Club, NVentures, der Investmentarm des Chipkonzerns Nvidia, sowie Bestandsinvestoren wie Sequoia, HV Capital, Highland Europe und Felicis Ventures.
Nicht ohne Probleme
Zuletzt musste n8n bei der Sicherheit nachlegen und einen Sicherheits-Patch für die Automatisierungsplattform ausliefern. Dabei wurden sechs Sicherheitslücken geschlossen, von denen zwei kritisch waren und die Ausführung von Code aus der Ferne ermöglichten. Im Februar wurde auch aufgezeigt, dass viele n8n-Instanzen wegen einer Sicherheitslücke angreifbar waren, und auch Cyberkriminelle selbst sollen das Automatisierungs-Tool dafür verwenden, um etwa Phishing-Mails zu versenden.

