Nothing: Bald könnten Smartphone-Apps per Sprachbefehl gebaut werden
Der 2020 gegründete Smartphone-Hersteller Nothing mit Hauptsitz in London hat mit „Playground“ eine Plattform vorgestellt, die es Nutzern ermöglicht, individuelle Widgets für den Homescreen durch einfache Textbeschreibungen zu erstellen. Die Funktion ist Teil der sogenannten Essential Apps und könnte langfristig verändern, wie personalisierte Software auf mobilen Geräten funktioniert.
Verfügbar ist der Playground auch auf den kürzlich präsentierten neuen Handys Phone (4a) und Phone (4a) Pro. Die „Personalisierung umfasst nun auch das Ausblenden von Apps sowie das Erstellen von Widgets über Playground, damit Nutzer*innen produktiv, kreativ und jederzeit in Kontrolle bleiben“, heißt es zu dem Feature.
Widgets durch natürliche Sprache generieren
Das Herzstück der Plattform ist der Essential Apps Builder, der in die webbasierte Playground-Umgebung integriert ist. Nutzer geben eine Beschreibung in natürlicher Sprache ein, woraufhin das System innerhalb kurzer Zeit eine funktionale Anwendung oder ein Widget erstellt, das direkt auf dem Homescreen erscheint. Nach einer internen Alpha-Phase im September 2025 startete nun die öffentliche Beta, der Zugang erfolgt schrittweise über eine Warteliste.
Laut Nothing werden bei späteren Anpassungen nur die veränderten Elemente aktualisiert, während bereits funktionierende Bereiche unverändert bleiben. Frühere Versionen lassen sich bei Bedarf mit einem Klick wiederherstellen.
Funktionsumfang und Berechtigungen
Zum Start unterstützen Essential Apps drei Systemberechtigungen: Standort, Kalender (Lesezugriff) und Kontakte. Damit lassen sich beispielsweise ortsabhängige Erinnerungen, Countdown-Widgets für Meetings oder Schnellzugriffe auf bestimmte Kontakte umsetzen.
Weitere Funktionen sind bereits angelegt:
- Kamera- und Mikrofonzugriff
- Netzwerkabfragen
- Benachrichtigungen
- Vibrationssteuerung
- Telefonfunktionen
- Bluetooth
Ein angekündigtes Nothing-OS-Update soll zusätzlich Aktivitätserkennung, Sensordaten, Nutzungsstatistiken sowie eine erste systemweite Wetter-API bereitstellen.
Design und technische Möglichkeiten
Aktuell stehen Widgets in den Größen 2 × 2 und 4 × 2 zur Verfügung, weitere Formate wie 1 × 2 und 4 × 4 sind geplant. Unterstützt werden zunächst die Bildformate JPEG, PNG, GIF und WebP. Icons, eigene Schriftarten und Audiofunktionen sollen in späteren Beta-Versionen folgen.
Parallel führt Nothing eine überarbeitete Designbasis ein, die Typografie, Abstände, Bedienflächen, Barrierefreiheit und Dark-Mode-Darstellung vereinheitlichen soll.
Teil einer umfassenderen KI-Strategie
Die Essential Apps sind Teil der Essential Suite, zu der auch weitere Funktionen zählen:
- Essential Space: schnelles Erfassen von Inhalten
- Essential Search: direkte Suchergebnisse ohne App-Wechsel
- Essential Memory: kontextbezogene Erinnerungen
Ziel ist laut Nothing eine langfristig stärker personalisierte Nutzung von Nothing OS, ohne das Betriebssystem selbst zu ersetzen. Die Plattform ermöglicht es Nutzern, ohne Programmierkenntnisse eigene Tools zu erstellen und auf dem Homescreen zu teilen.
Ausblick: Paradigmenwechsel bei mobiler Software?
Die Möglichkeit, Software durch natürliche Sprache zu generieren, könnte einen grundlegenden Wandel einleiten. Statt vorgefertigte Apps aus einem Store herunterzuladen, könnten Nutzer künftig individuelle Anwendungen erstellen, die exakt ihren Bedürfnissen entsprechen. Dies würde die Rolle klassischer App-Entwickler nicht ersetzen, könnte aber eine neue Kategorie personalisierter Software etablieren.
Ob sich dieser Ansatz durchsetzt, hängt von mehreren Faktoren ab: der Stabilität und Leistungsfähigkeit der KI-gestützten Generierung, der Sicherheit und Kontrolle über Berechtigungen sowie der Bereitschaft der Nutzer, eigene Anwendungen zu gestalten. Nothing positioniert sich mit Playground als Vorreiter in diesem Bereich und testet, wie weit personalisierte Software auf mobilen Geräten gehen kann.

