Noxtua: Legal-AI-Startup geht mehrheitlich an Rechtsverlage
Trending Topics auf Google als bevorzugte Nachrichtenquelle festlegen.
Das Berliner Legal-AI-Unternehmen Noxtua hat eine Series-C-Finanzierungsrunde über mehr als 100 Millionen Euro abgeschlossen und stellt damit auch seine Eigentümerstruktur neu auf. Der deutsche Fachverlag C.H.BECK wird Mehrheitsgesellschafter, der österreichische MANZ Verlag steigt als neuer Investor ein. Wie hoch die jeweiligen Anteile sind und zu welcher Bewertung die Runde erfolgte, wurde nicht bekannt gegeben.
C.H.BECK war bereits in der Series-B-Runde im Frühjahr 2025 als Hauptinvestor eingestiegen. Damals sammelte Noxtua 80,7 Millionen Euro ein, laut Unternehmen die bis dahin größte Finanzierungsrunde für Rechts-KI in Europa. Mit der neuen Runde baut der Münchner Traditionsverlag seine Position zur Mehrheit aus.
Bisherige Investoren scheiden aus
Mit der Series C verlassen mehrere bisherige Geldgeber:innen das Unternehmen. Global Brain Corporation, der KDDI Open Innovation Fund, die Anwaltskanzleien CMS und Dentons sowie Business Angel Dominik Schiener scheiden als Gesellschafter:innen aus. Noxtua begründet den Schritt mit einer „vertieften inhaltlich-strategischen Ausrichtung“ auf die Partnerschaft mit Fachverlagen. CMS und Dentons bleiben dem Unternehmen als Ankerkund:innen erhalten. CMS hatte Noxtua 2024 mitinitiiert.
Damit liegt die Kontrolle über das Scale-up künftig im Wesentlichen bei Verlagen, deren juristische Inhalte zugleich die Datengrundlage des Produkts bilden. Das frische Kapital soll in die Weiterentwicklung der Plattform sowie in die Expansion in weitere europäische Märkte fließen.
„Die Verbindung qualitativ hochwertiger Daten mit innovativer KI-Technologie ist das Erfolgsrezept in einem sich rasch wandelnden Markt“, sagt Klaus Weber, Mitglied der Gesamtgeschäftsführung bei C.H.BECK. Susanne Stein-Pressl, geschäftsführende Gesellschafterin bei MANZ, sieht Verlage als „Garant dafür, dass die Qualität der Rechtsinhalte gewahrt bleibt“, gerade in Zeiten von KI. Noxtua-CEO und Gründer Leif-Nissen Lundbæk spricht von einem „starken Zeichen an den Markt“.
Verlagsnetzwerk als Datenbasis
Noxtua ist 2017 aus Forschung an der Oxford University und dem Imperial College London hervorgegangen und brachte 2024 die erste Version seiner Rechts-KI auf den Markt. Das Unternehmen zählt nach eigenen Angaben mehr als 30.000 Nutzer:innen, rund 100 Mitarbeiter:innen und sechs Standorte in Berlin, Paris, Stockholm, Zagreb, München und Fribourg.
Die Software deckt Recherche, Analyse komplexer Rechtsfragen und Dokumentenerstellung ab. Die länderspezifischen Legal AI Workspaces basieren auf kuratierten Inhalten mehrerer Fachverlage, darunter C.H.BECK, MANZ, Helbing Lichtenhahn, Blendow Group, Ciela Norma sowie die polnischen, tschechischen und slowakischen Beck-Verlage. In Deutschland wird das Produkt gemeinsam mit C.H.BECK als Beck-Noxtua vertrieben, in Österreich arbeitet MANZ seit 2025 mit Noxtua am Workspace MANZ-Noxtua. Parallel dazu betreibt MANZ mit Genjus KI einen eigenen KI-Rechercheassistenten.
Starke Konkurrenz durch Legora und Harvey
Noxtua bewegt sich in einem Markt, in dem Investor:innen zuletzt sehr große Summen bewegt haben. Das schwedische Legal-Tech Legora sammelte heuer im Frühjahr 550 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 5,55 Milliarden Dollar ein (umgerechnet rund 4,7 Milliarden Euro). Laut Bloomberg verhandelt das Unternehmen bereits über eine weitere Runde, die es mit rund 8,5 Milliarden Dollar bewerten würde. In Österreich arbeitet etwa die Wiener Kanzlei Schönherr mit Legora zusammen.
Noch höher bewertet ist der US-Konkurrent Harvey. Das Unternehmen aus San Francisco hat kürzlich laut Bloomberg 550 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 15,6 Milliarden Dollar aufgenommen, das entspricht rund 13 Milliarden Euro. Noch im März lag die Bewertung bei 11 Milliarden Dollar.
Während Legora und Harvey vor allem von Risikokapitalgeber:innen finanziert werden, setzt Noxtua auf eine Eigentümerstruktur, in der etablierte Rechtsverlage die Mehrheit halten. Der Ansatz verbindet exklusiven Zugang zu Kommentarliteratur und Datenbanken wie beck-online mit der KI-Plattform, bindet das Unternehmen aber auch eng an die strategischen Interessen der Verlage.

