Nvidia will Open-Weight-Startup Reflection AI schlucken
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Nvidia baut nicht mehr nur die Chips, auf denen KI-Modelle laufen, der Konzern will die Modelle offenbar auch selbst besitzen: Der Chipriese verhandelt über eine Übernahme von Reflection AI oder eine deutlich größere Beteiligung. Das berichtet die Financial Times, wie Reuters zusammenfasst. Die Gespräche befinden sich in einem frühen Stadium, eine Einigung könnte binnen Wochen kommen, aber auch noch platzen. Reflection wollte sich nicht äußern.
Übernahme, Acqui-Hire oder mehr Geld
Auf dem Tisch liegen laut FT drei Varianten: eine vollständige Übernahme, ein sogenannter Acqui-Hire oder eine höhere Investition. Beim Acqui-Hire würde Nvidia die Mitarbeiter:innen von Reflection einstellen und deren Technologie lizenzieren, ohne das Unternehmen zu kaufen. Diese Konstruktion könnte langwierige Prüfungen durch die Behörden vermeiden. Nvidia hat sie bereits erprobt: Im Dezember 2025 holte sich der Konzern so das Team des Chip-Startups Groq samt Lizenz für dessen Technologie, CNBC bezifferte den Deal auf rund 20 Milliarden Dollar (etwa 18 Milliarden Euro).
Nvidia ist bereits einer der größten Geldgeber von Reflection und hat laut FT 800 Millionen Dollar (rund 712 Millionen Euro) zugesagt. Im April sagte CEO Misha Laskin zu CNBC, Reflection sammle frisches Kapital bei einer Bewertung von 25 Milliarden Dollar (etwa 22 Milliarden Euro) vor dem Investment ein. Insgesamt hat das Startup bisher knapp 2,6 Milliarden Dollar von Investor:innen wie Nvidia, Sequoia Capital und Lightspeed eingesammelt.
Amerikas Antwort auf DeepSeek
Reflection wurde 2024 von den ehemaligen Google-DeepMind-Forschern Misha Laskin und Ioannis Antonoglou gegründet. Erst kürzlich stellte das Startup mit Beam sein erstes Open-Weight-Modell vor, das auf Programmieren und KI-Agenten ausgelegt ist und mit günstigen chinesischen Modellen wie DeepSeek und Kimi konkurrieren soll. Mit einer Übernahme würde Nvidia sein Modellgeschäft ausbauen, zu dem bereits die offenen Nemotron-Modelle gehören.
Die Konkurrenz im Open-Weight-Segment ist groß. Neben den chinesischen Anbietern hat zuletzt auch Mistral mit Large 4 ein Modell mit einer Billion Parametern vorgestellt, dessen Gewichte offengelegt werden sollen. Mistral sammelte im dritten Quartal 3,5 Milliarden Dollar ein, die größte Finanzierungsrunde, die ein europäisches Unternehmen je erhalten hat.
Kartellwächter im Blick
Leisten könnte sich Nvidia den Deal locker: In den vergangenen vier Quartalen erwirtschaftete der Konzern rund 127 Milliarden Dollar an freiem Cashflow. Heikel ist eher die Marktmacht. Nvidia dominiert den Markt für KI-Chips und investiert zugleich in immer mehr Unternehmen, die diese Chips kaufen. Auch die Acqui-Hire-Konstruktion schützt laut Yahoo Finance zwar vor einer klassischen Fusionskontrolle, aber nicht vor kartellrechtlicher Prüfung.

