Börsengang

Firmus: KI-Börsengang über 30 Milliarden Dollar platzt

Server racks with network cables in a data center
Server racks in a data center © Taylor Vick / Unsplash

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Die KI-Euphorie hat ein Preisschild, und Anleger:innen wollen es nicht mehr bezahlen: Der australische Rechenzentrumsbetreiber Firmus hat seinen Börsengang in Sydney abgesagt, nur einen Tag nach Ende der Zeichnungsfrist. Firmus wollte sich laut Bloomberg mit rund 30 Milliarden Dollar (etwa 27 Milliarden Euro) bewerten lassen. Es wäre laut dem australischen Sender ABC der größte Börsengang in Australien seit Telstra 1997 gewesen.

600-facher Umsatz

Das Problem war der Preis. Firmus erzielte im Geschäftsjahr 2026 rund 51 Millionen Dollar Umsatz, die angepeilte Bewertung entsprach damit etwa dem 600-Fachen. Noch im April war Firmus mit 5,5 Milliarden Dollar bewertet worden, im August mit mehr als 10,5 Milliarden. Die Banken senkten den Ausgabepreis laut ABC von 11 auf 8,25 australische Dollar pro Aktie, doch auch das reichte nicht. „Die Bewertung war von Anfang an viel zu hoch“, sagt Fondsmanagerin Jun Bei Liu von Ten Cap. Firmus selbst begründet die Absage mit der Marktvolatilität. Analyst Philip Wool nennt das eine „beschönigende“ Umschreibung, Firmus sei schlicht in eine „Wand aus KI-Angst“ gelaufen.

Dazu kamen weitere Bedenken. Manche Investor:innen vermissten Details im Prospekt, viele fürchteten Aktienverkäufe der Altaktionär:innen nach dem Börsengang. Auch die Vergangenheit von Mitgründer Oliver Curtis, der 2016 wegen Insiderhandels verurteilt worden war, spielte laut ABC eine Rolle. Und der australische Technologieindex ist heuer um fast 18 Prozent gefallen.

Großer Plan, kleine Basis

Firmus baut Rechenzentren für KI-Anwendungen, sogenannte KI-Fabriken. Zu den Kund:innen zählen Meta und OpenAI, Nvidia hält 7,2 Prozent und ist mehr als nur Investor: Mit Firmus plant der Chipkonzern in Indonesien einen Campus mit 360 Megawatt und bis zu 170.000 Nvidia-Chips, stellt Kreditsicherheiten und kassiert einen Anteil der künftigen Cloud-Umsätze. Insgesamt hat Firmus Rechenzentren mit 912 Megawatt geplant, gebaut sind erst 46. Für die fünf noch ausstehenden Standorte rechnet das Unternehmen mit Kosten von 37,7 Milliarden Dollar.

Die Absage fällt in eine nervöse Phase. Erst kürzlich schickte ein Bericht über einen deutlich niedrigeren OpenAI-Umsatz KI-Aktien auf Talfahrt, an der Wall Street herrscht ohnehin IPO-Flaute.

Zweiter Anlauf geplant

Firmus selbst gibt nicht auf. Das Unternehmen verweist auf Umsatzzusagen von Kund:innen über 72,8 Milliarden Dollar, für 2029 verspricht der Prospekt einen operativen Gewinn von 5,8 Milliarden Dollar. „Firmus hat eine überzeugende Geschichte, nur keine überzeugende Bewertung“, sagt John Pearce vom Pensionsfonds UniSuper. Die Partnerschaft mit Nvidia sieht Analystin Anna Wu als klaren Vertrauensbeweis. Firmus will nun mit bestehenden Investor:innen eine private Finanzierungsrunde über 2 bis 3 Milliarden Dollar stemmen und im kommenden Jahr einen Börsengang an der Nasdaq versuchen.

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